02. 12. 2009

 

18.59 Uhr 

 

Das Gleiche ruht sich unheimlich im Verschiedenen aus. Das Verschiedene ruht sich unheimlich im Gleichen aus. Wir müssen unsere Paradoxien begreifen lernen, nicht verdrängen, nicht beruhigen, wir müssen sie in uns aufheben lernen, das ist im Entweder-Oder-Teufelskreis-Tun nicht möglich. Die Ebenen der Dichtkunst müssen Aporien aufscheinen lassen, mehr können sie nie. Dieselben sind aber eine Wirklichkeit, die niemals tatsächlich anders ankommen >kann< auf anderen Transformationsebenen als verwandelt. Folglich aufgehoben. Eine unaufhörliche Verwandlungsgeschichte ist das." 
Marianne Fritz, Heißt du etwa Rumpelstilzchen, 1994


 

05. 12. 2009

 

12.57 Uhr 

 

Dem Publikum eine klare Funktion zuordnen (wie zB. im steirischen herbst 08 als “Passant” und “Voyeur”), wahrscheinlich eine handelnde Funktion (vorangekündigt oder “nur” projektimmanent), um es aus seiner Schwammigkeit als “Publikum” herauszulösen, ein “Publikum”, das sich eigentlich für nichts interessiert, für nichts interessieren kann.

 

 

 

21.46 Uhr 

 

Da war jemand offensichtlich schwer getroffen: Brief von Thomas Bernhard an seinen Verleger Siegfried Unseld aus dem heute erschienenen Briefwechsel-Band des Suhrkamp-Verlags: 

19. Jänner 1986

Lieber Doktor Unseld,

vor meiner Abreise aus Österreich habe ich noch einen Blick auf Ihre verlegerische Katastrophe geworfen; was Sie da auf über 3000 Seiten drucken und erscheinen haben lassen, ist die grösste verlegerische Peinlichkeit, die mir bis jetzt bekannt ist [Marianne Fritz, »Dessen Sprache du nicht verstehst«]. Über 3000 Seiten proletarischen stumpfsinnigen Müll mit dem Bombasmus eines Jahrhundertereignisses zu drucken und zu binden, gehört tatsächlich in das Buch der Rekorde: als Stupiditätsrekord. Es geht hier nicht um die Erzeugerin dieses über 3000 Seiten langen Unsinns, sondern um die Tatsache, dass der Verleger sich mit der Herausgabe dieser blödsinnigen Gemeinheit tatsächlich selbst entmündigt hat. Der Herausgeber des Ganzen ist ja ein kleinbürgerlicher schweizerischer Dummkopf und der Lektor, der das Ganze »betreut« hat, sozusagen ein lieber Idiot. Wie kommen Sie jetzt, der Sie so fest, ja, wie mir scheint, unwiderruflich darauf picken, von dem Leim weg, auf den Sie gegangen sind? Das ist nicht die einzige Frage. Die wichtigste ist jetzt die, wie es überhaupt möglich sein wird, diesem Verleger, der doch bis dahin ein grosser zu sein schien, in Zukunft ein Manuskript in die Hand zu geben? Wäre der Vorfall, der tatsächlich einmalig ist in der Literaturgeschichte, nicht so peinlich, wäre es damit getan, die Wiener Müllfrau zum Teufel und Ihr Lektorat ganz einfach gleich in die Hölle zu schicken. Aber der Humor hat Grenzen, wenn es um den elementaren Ernst geht. In Fragen der sogenannten hohen Kunst ist mit mir nicht zu scherzen. Die Ohrfeige, die Sie mir mit der Herausgabe dieser in Frage stehenden 3000 Seiten gegeben haben, hat eine tiefe Wirkung. Hätten Sie doch anstatt den Unsinn von Frau Fritz, nur eine dreitausend Blätter lange Klopapierrolle gedruckt und unter dem Suhrkampsignet herausgegeben, Sie wären auch damit ins Buch der Rekorde gekommen.

Ihr
Thomas Bernhard


 

06. 12. 2009

 

21.51 Uhr 

 

 

Keine Festung? : Entwurf für ein sauberes Haus  
von Markus Redl


 

09. 12. 2009

 

12.09 Uhr 

 

 

In den Bildhauerwerkstätten der Stadt Wien, 
Schauplatz der Übung in Verdrängung 
am 13. Dezember

 

13. 12. 2009

 

12.12 Uhr 

 

 

Nein, nur kalt. Ein kultiges Geburtstagsfest
für Marianne Fritz! 

 

 

22. 12. 2009

 

13.37 Uhr 

 

“Über der Landschaft schwebte, leer, die zu dichtende Landschaft, sie war nicht die bessere, aber die notwendig aus der anderen zu entwickelnde, als Beweis, daß es die andere gab, als Beweis, daß sie lebendig war, als Beweis, daß sie an die vollkommene Oberfläche geholt werden konnte, als Bewegung gegen die Tiefe, als Mittag der Landschaft, als Darstellung der Wunde. Das auf die Landschaft Gedichtete mußte die Leere darstellen können, denn das Leere war, worauf alles zulief, der intensivste Ort, von der wahnsinnig gewordenen Kultur vergessen.”
Peter Waterhouse


 

26. 12. 2009

 

15.23 Uhr 

 

 

Der Beginn einer neuen Ära: Zwei Fritzpunkte als isländische Tanztruppe. Auf Wiedersehen 2010!