01. 12. 2008
21.31 Uhr
Ein Grundriss für Michael Pilz
05. 12. 2008
22.07 Uhr
Unter dem Titel Neoliberalismus als Dressur in der Dezember-Ausgabe von Theater der Zeit zu lesen:
Sympathisch undogmatisch -
das Festival steirischer herbst 2008
"Ungebrochener Schreibfluß über 3305 Seiten: "Dessen Sprache du nicht verstehst", der 5-bändige Roman der vor einem Jahr verstorbenen Autorin Marianne Fritz, entzieht sich einer herkömmlichen Rezeption. Das sprachlich ebenso kunstvolle wie spröde Werk wird von der Gruppe Fritzpunkt daher jenseits üblicher Präsentationsformen von Literatur zur Benutzung angeboten - als Installation, als Meditation, als Einladung zum Scheitern. Während ein Akteur durch die Stadt streift und den Text vorträgt, zelebrieren die anderen abseits der Fritzschen Sätze Alltag hinter einer Glaswand. Das Publikum sieht die Alltagsdarsteller, hört aber den vortragenden Flaneur. Das Prinzip "Big Brother" gab`s in der Performancekunst lange bevor es fürs Fernsehen entdeckt wurde. Fritzpunkt erzählen so von der Anwesenheit eines Texts, der sich kaum durch die Auseinandersetzung mit einer wie auch immer gearteten "Geschichte" erschließen lässt. Und machen damit zugleich deutlich, dass der Besucher hier stets Passant bleiben wird. Oder Voyeur.
Die Fritzpunkt-Aktion ist durchaus typisch für das szenische Programm im steirischen herbst unter Veronica Kaup-Hasler, die das Festival nunmehr zum dritten Mal ausgerichtet hat. Die Genres fallen ineinander, die Vielfalt neuer Formen präsentiert sich aber nicht - oder nur selten - als Selbstzweck, sondern als Versuch, einer Sache, einem Text gerecht zu werden. ...."
Interessant daran ist die klar erkannte Rollenzuordnung des Publikums: Sind Passant und/oder Voyeur die zeitgenössische Rolle für das Publikum?
06. 12. 2008
16.36 Uhr
Notat zu den zwei aus den Fritz-Tonbändern ausgesuchten Beispielen für die Tonspur
des Films von Michael Pilz.
07. 12. 2008
21.53 Uhr
Kollaborationsangebot der Universität für Musik und Darstellende Kunst / Prof. Ingomar Rainer für Mai / Juni 2009 zum Thema “Zwischen Recycling und Bearbeitung: Zur Situation der postmodernen Aesthetik”. Fritzpunkt und: "Urmel und Usik haben nichts mit Musik und Murmeltieren gemein, auch nichts mit Murmeln: Murmeln kann man beugen in jedem Satz. Es kommt nur auf den Fall an."
wie Marianne Fritz schreibt.
08. 12. 2008
16.05 Uhr
Danke, Fritz! Und Wanda!
12. 12. 2008
12.24 Uhr
Treppenwitz-Gelände für den 14.12.
im Filmhaus Kino am Spittelberg
14. 12. 2008
23.48 Uhr
Nicht ein einziges Foto vom Fest für Marianne Fritz: Abwesend bei Anwesenheitspflicht also auch hier. Nur von der Ankündigungstafel, die mitten im Weihnachtsmarktgau am Spittelberg standfest war, oben eine Abbildung (ohne Gau). Dank an alle, die diesen Abend möglich gemacht haben!
(Sollte jemand der vielen an diesem Abend Teilnehmenden ein Foto gemacht haben:
buero@fritzpunkt.at bedankt sich für die Zusendung. Allerdings war, im Gegensatz zu Theaterinstallationen und -aufführungen, keine offensichtlich zur Schau getragene Kamera(flut) zu sehen. Vielleicht sollte mann öfters in Kinos arbeiten... da bekommt frau dann auch - fallweise - solche Filme wie "MF - Für Marianne Fritz" von Michael Pilz zu sehen.)
17. 12. 2008
12.07 Uhr
Für 2009 kristallisiert sich heraus: Die Festung - Teil 4 , der Gesamtprojektabschnitt, der sich mit dem Roman Naturgemäß I befasst, wird ein musiktheatrales Vorhaben in mehreren Etappen.
31. 12. 2008
18.26 Uhr
Ein uns bis dato (in dieser Form) unbekannter Marianne Fritz-Text zum Jahresabschluß. Eine andere Art, die soviel zitierte "Krise" zu (be)schreiben (Herzlichen Dank an Friedhelm Rathjen für den Hinweis):
"Heißt du etwa Rumpelstilzchen?"
"Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt", schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr: dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.
Wer kennt es nicht, dieses Märchen der Brüder Grimm? Unheimlich ist an diesem Märchen höchstens die Vertraulichkeit, jeder scheint das Rumpelstilzchen aufheben zu können auf den eigenen Transformationsebenen, mühelos, und dabei zu Resultaten zu kommen, die möglicherweise das Rumpelstilzchen aufheben "im zu Todeverstandensein", schadet das dem Rumpelstilzchen? Dem Rumpelstilzchen schadet es nicht, würde ich sagen. Ganz im Gegenteil, das Rumpelstilzchen ist damit, wieder einmal, gerettet. Einerseits. Andererseits nistet in diesem Gerettetsein des Rumpelstilzchens, das im Märchen als Verwurf des Rumpelstilzchens aufgehoben wird, womöglich der Entwurf von Verwerfungen, die offenbaren könnten, in letzter Instanz haben wir es mit einem Pyrrhus-Sieg zu tun: Scheinsiege sind in diesem Märchen zu einem wunderschönene Gleichnis gekommen. Das Rumpelstilzchen kann nämlich gar nicht verlieren, Rumpelstilzchen taugt wunderbar, und es ist mehr als merkwürdig, daß dies nicht geschieht, fürs Aufscheinenlassen von Aporien, falls die Vermessenheit der Königin vermieden wird; Vorteile an sich ziehen, Nachteile delegieren , um mehr geht es bei dieser Vermessenheit der Königin nicht, es ist eine kontinentale Vermessenheit, diese Vermessenheit scheinbar für Europa charakteristisch ist, in Wirklichkeit ist diese Art Vermessenheit jener Fluch , der auf unserer Gattung lastet, denke einer an die Erste Natur , die gar nicht anders werden kann als so: Vorteile an sich ziehen, Nachteile delegieren . In uns nistet also der Fluch , der auf unserer Gattung lastet, denke einer an die Erste Natur , die gar nicht anders werden kann als so: Vorteile an sich ziehen, Nachteile delegieren . In uns nistet also der Fluch , der gleichzeitig unser Segen ist, denke einer an das Einatmen-Ausatmen , denke einer an das Einverleiben-Ausscheiden et cetera. Wir kommen nicht darum herum, heben wir einmal die kontinentale Vermessenheit unserer Ersten Natur , von der anschaulichen Seite her, auf, damit wir die Vorteile der Anschaulichkeit an uns ziehen können , einerseits. Andererseits die Nachteile delegieren , die uns die Erste Natur entworfen hat und die zu verwerfen uns hilft, die Vorteile an uns zu ziehen, die der Verwurf der Nachteile uns bringen kann , verlassen wir das Märchen, das so beginnt: Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter , wobei diese Transformationsebene eines Märchens namens Rumpelstilzchen der Brüder Grimm anwesend sei bei Abwesenheitspflicht , damit wir uns einer anderen Transformationsebene im aufhebenden Sinne nähern können , beides gleichzeitig , das schaffen wir nicht, entweder sind wir auf der einen Transformationsebene, oder wir sind auf der anderen Transformationsebene, auch Münzen haben ihre Vorgeschichte, die erst jene Legierung ermöglicht, daß sich denken läßt: Die Vorderseite und Rückseite braucht die Münze, falls sie rollen soll, wie ein Rad, ein Rad kann rollen, wenn es in jene Lage gebracht wird, daß es rollen kann , wenn das Rad rollt, haben sie die Vorteile des Rollenden an sich gezogen, die Nachteile der Konstruktion erfolgreich vom rollenden Rad ferngehalten, so einfach ist das auch wieder nicht, denke einer, wie rasch eine rollende Münze in Taumelbewegungen gerät, die Münze in ihrer sinnlichen Anschauung läßt uns also sehen durch die Zweite Natur , es ist unglaublich, was alles in der rollenden Münze zur Ruhe gebracht werden muß, was alles in der rollenden Münze in Bewegungshaft gewesen sein muß, damit die Münze etwas so einfach Anmutendes wie Rollen können in sich aufzuheben vermag, wenn wir der tatsächlich rollenden Münze beim Rollen zuschauen, dann können wir nicht gleichzeitig ihre Vorderseite betrachten, ihre Rückseite betrachten, wir können sie nicht gleichzeitig im ruhenden Zustande beäugen, das geht nicht, diese tatsächlich Rollende lassen wir also bei unserem kontinentalen Vermessenvermögen der Ersten Natur , wo? Einen Ort dafür? Vielleicht unter dem knöchernen Himmelsgewölbe, die Landschaft hinter der Frontalwand könnte sich hervorragend dafür eignen, diese Höhle für das Gedächtnis; die Landschaft des Gedächtnisses namens Gehirn ist zumindest in Gedächtnislandschaftfreundlichen Konstellationen gut aufgehoben, gestattet Vorteile an sich zu ziehen, Nachteile zu delegieren, es ist also auch eine wunderbare Traumlandschaft, diese tatsächlich rollende Münze lassen wir zwar in unseren Gedankengängen sein, ähnlich anwesend bei Abwesenheitspflicht wie die Leichenbildung durch die Geburt des Kindes, denn im Kind nistet die Leiche, in jeder Zelle. – Deutlich wird das, wenn eine Hebamme raufen muß und Geburtszangen in der Handlung, Handlungsrahmen Geburt , nötig sind und nicht jede Hebamme so mit Geburtszangen umgehen kann, daß sich sagen läßt, zwar ist die Hebamme am Ende ihrer Kräfte, aber das Kind ist gerettet, es schreit, schlägt die Augen auf, das Einatmen-Ausatmen, Einverleiben-Ausscheiden et cetera hat eine Fortsetzungsgeschichte auf der Erde und nicht in ihr . Das sind dramatische Kämpfe, da wird einem unverzüglich klar, der Tod kommt aus der Höhle, die das Leben bringt. Jede Mutter also verschlingt von vornherein ihr Kind, indem sie ihm die Erste Natur , die Erste Stätte der Ersten Natur ermöglichen kann , ihre Höhle ist hervorragend dafür geeignet, den Tod aber muß sie schon mit auf Reisen schicken, komm ins Leben und du kommst in den Tod , das Leben ist der Umweg , den der Tod benötigt, um zu seinem Entwurf zu kommen, wir könnten den einfachen Geburtsvorgang durch unsere Zweite Natur auch dahingehend be->deuten< lernen, der erste Diktator nistet in der Höhle der Mutter , das Kind im Bauche nährend, nährt sie durch den Entwurf den Verwurf des Entwurfes und das Verworfene entwirft sich aus dem Verworfenen: In glücklichen Geburtsgeschichten kommt das Leben zu seinem schönen Gesicht, in unglücklichen Geburtsgeschichten sehen wir die Leiche gleich bei der Geburt: In welchem Jahrhundert leben wir denn? Ich würde sagen,
im Jahrhundert der Leichenbergproduktion.
(Ausschnitt aus: "Komm an Land und geh auf dem Land, tragend zurück ins Wasser meinen Gang." von Marianne Fritz)