03. 12. 2007
21.49 Uhr
(Foto: Christoph Büchel, Home Affairs, Chicago 1998)
Die genauere Ausarbeitung der fünf Teile der Festung zeigt die Präferenz des Fritzpunkts für Teil 3 ("Dessen Sprache du nicht verstehst") und Teil 5 ("Naturgemäß II)
als herauslösbare Einzelteile. Dessen Sprache du nicht verstehst - Dieseda und Diesedort wird als 12 tägiger Lesefluß konzipiert, MF oder Die Zertrümmerung der Verhältnisse durch die Anschauung als performative Rauminstallation in einer Wohnung. Arbeitet MF oder Die Zertrümmerung... mit dem Motiv der Klandestinität , so operiert Dessen Sprache... im Gegensatz dazu mit durchgehender Einsehbarkeit und Zugänglichkeit, also, wenn das Wort nicht so abgewohnt wäre, Transparenz .
05. 12. 2007
22.31 Uhr
Beginn der Arbeit am
Ausfall 3
Abwesend bei Anwesenheitspflicht
(Aus dem Register des Romans Dessen Sprache du nicht verstehst von Marianne Fritz),
einem kurzen Versuch, durch das Register des Romans einen von vielen möglichen Wegen durch den Verweisdschungel von Namen, Orten und Zeiten zu legen. Eine Hinterrücks-Annäherung an den von uns bisher theatral noch nicht bearbeiteten, über 3400 Seiten starken Roman für eine Wand und drei Sprecher.
12. 12. 2007
23.13 Uhr
Gespräch im Büro des steirischen herbstes in Graz.
Dabei vor allem über Teil 3 der Festung gesprochen:
Die Versuchsanordnung Dessen Sprache du nicht verstehst - Dieseda und Diesedort arbeitet mit dem Umstand, daß 3500 zu lesende Seiten des gleichnamigen Romans von Marianne Fritz unmöglich perfekt vorbereitet werden können. Das 12 Tage oder 288 Stunden dauernde Projekt wird so zum LiveArbeitsProzeß , zur produktiven Überforderung sowohl für Zuschauer wie für Akteure: für Dieseda und Diesedort.
Die Arbeit bespielt drei voneinander scheinbar strikt getrennte Räume. Die Straße , den Publikumsraum und den Arbeits- und Lebensraum der sieben Akteure. Auf der Straße liest jeweils einer der sieben Schauspieler mit höchster Kompetenz und Konzentration fortlaufend aus dem Roman Dessen Sprache du nicht verstehst von Marianne Fritz . Die ihn umgebenden Alltagsgeräusche werden mit dem Text auf die Funkkopfhörer der im Publikumsraum fluktuierenden Zuschauer und Zuhörer übertragen; auch zufällige Passanten hören dem auf der Straße gehenden Lesenden zu.
Der Publikumsraum liegt dem durch eine Glaswand einsehbaren Arbeits- und Lebensraum der Schauspieler gegenüber. In der Mitte des ansonsten leeren Publikumsraums befindet sich ein Haufen aus wirr aufeinandergeschichteten, etwa 80 bis 100 Stück Recyclingschaumstoffziegeln (50/35/8 cm), die vom Publikum zum Sitzmöbel, zur Liege, Lehne, Matte, Matratze, Mauer usw. formiert werden können. Das durch die Funkkopfhörer vereinzelte Publikum hat parallel zum Hören die Möglichkeit, die nichtlesenden Schauspieler in ihrer Vorbereitungsphase für den "Strasseneinsatz" zu beobachten. Die Geräusche und eventuellen Kommentare des Publikums zum Geschehen werden mittels Raummikrofon (Wanze) zu den sechs Schauspielern in deren einsehbares Domizil übertragen.
Der Arbeits- und Lebensraum der Schauspieler ist der konkreten Aufgabe gewidmet, zwölf Tage und Nächte die Machbarkeit der unmöglich scheinenden, aber doch machbaren Arbeit zu gewährleisten. Die Einrichtungsgegenstände für Schlafen, Essen und Arbeiten strukturieren den Raum. Die Schauspieler erarbeiten sich ein System, daß einen möglichst variablen und doch verläßlichen Umgang mit der Zeit erlaubt und einer beweglichen Konzentration förderlich ist. Die Abhörtechnik aus dem Publikumsraum setzt die (Text)Arbeit unter nicht geringen Druck. Die Entscheidung zwischen Anpassung und konsequenter Haltung findet zwangsläufig statt und schärft die Wahrnehmungs-
instrumente aller an diesem Versuch Beteiligten. Durch die forcierte örtliche Teilung und Trennung bekommt die für alle geltende Sprache der Autorin Marianne Fritz ihre ort- und zeitaufhebende Kapazität.
14. 12. 2007
23.11 Uhr
Abwesend bei Anwesenheitspflicht:
Der letzte Ausfall dieses Jahres, erstmals
zum Geburtstag von Marianne Fritz, in der
edition splitter von Batya Horn.
16. 12. 2007
14.35 Uhr
Mit der Ablehnung des privat finanzierten Filmzentrums
im Augarten beweist sich vor allem das strukturelle Desinteresse der österreichischen und Wiener Kulturpolitik. Jenseits aller Einwände, gegen welche Seite auch immer, ist das das eigentlich Ausschlaggebende und wohin-auch-immer-Schreiende.
17. 12. 2007
11.45 Uhr
Fritzpunkt manipuliert die Grazer herbst-Liste zur Unglücksvermeidung, indem die Tunwörter dieser Liste durch den Vorsilbenschredder gejagt und neu alphabetisch gereiht werden. Dies nimmt den Verben den offensichtlich sehr an der Vorsilbe hängenden individualisierenden und sehr eindeutigen Charakter und löscht bezeichnenderweise zB. Worte wie "Befrieden" und "Befreien" gänzlich aus der Ursprungsliste. Vielleicht aber geht mit dieser Verallgemeinerung eine Vergrösserung der Vorstellungs/Fantasieproduktion einher und wird der Strategiefaktor erhöht. Die migrantischen Fremdwörter bleiben unangetastet und bekommen selbstredend einen eigenen Platz auf der Liste: Strategien zur Unglücksvermeidung .
24. 12. 2007
14.56 Uhr
Entwurf einer Zusammenfassung / Auseinanderdividierung der ganzen Festung in / auf fünf Teile, verteilt über zwei Jahre. Mit Option auf nachfolgende Gesamtfassung.
31. 12. 2007
09.02 Uhr
Zum Schluß des Jahres
(und dieses bilderreichen Monats)
das Schlußbild des Jahres.
(© Gen Seto)