08. 12. 2005

 

21.24 Uhr 

 


Das Choratorium
Zum neuen Tier
Folge 1

8. Dezember 2005, 19 Uhr


Offene Diskussion zum Phänomen Chor im zeitgenössischen Theater.
Mit Leibwächter.


Es nehmen zumindest teil:

Fred Büchel
Martin Haas
Susanne Hahnl
Anne Mertin
Elisabeth Steger
Arne Vogelgesang


Kontakt und Information:
0699 / 11 68 56 16
stadttheaterwien@nextra.at


Eine Kooperation des Stadt Theater Wien mit
dem Zentrum für Kunst- und Wissenstransfer / Universität für angewandte Kunst Wien /
Univ.-Prof. Dr. Christian Reder


Gesprächsfetzen der Diskussion, zu der mit obenstehendem Text eingeladen wurde:

- "wär ich jetzt ein Chor"
- Übergang vom einzelnen zum Chor interessant
(Bsp. Demochor)
- Am Ende nicht den Text aufführen, sondern den Chor
- Ist ein Chor politisch?
- Chor ist das, was man nicht kennt
- Wie kann es ohne Form zu einer Sekunde Chor
kommen?
- Chor als Waffe, als Stammhirn
- Rhythmus / Gegenrhythmus
- Das Mißverständnis als Basis von Chor? Wären damit übliche Kriterien zur Bildung von Chor aufgelöst?
- "Der Chor darf auch in Pause gehen"
versus
"100 % Chor"
- Chor als Befall
- Chor kann man sich nicht vornehmen

 

10. 12. 2005

 

15.46 Uhr 

 



und er verglich nicht jene mit
andern
und auch nicht sich mit einem
andern sondern
schickt sich an, bedroht, sich rasch zu
verwandeln in
unbedrohbaren staub und
alles was noch geschah vollzog er wie
ausgemachtes als erfülle er
einen vertrag. und ausgelöscht
waren
ihm im innern die wünsche
jegliche bewegung
untersagte er sich streng
sein inneres schrumpfte
ein und verschwand, wie ein
leeres blatt entging er allem
außer der beschreibung.
Bertolt Brecht

(Zum heutigen Besuch in der Stadt des Kindes und - naturgemäß - zum Phänomen Chor )

 

22. 12. 2005

 

22.33 Uhr 

 


Das Choratorium
Zum neuen Tier
Folge 2

22. Dezember 2005, 19 Uhr


Vorweihnachtliches Chorlesen.
Diesmal ohne Leibwächter und ohne Diskussion.

Beispieltexte willkommen.


Kontakt und Information:
0699 / 11 68 56 16
stadttheaterwien@nextra.at


Eine Kooperation des Stadt Theater Wien mit dem Zentrum für Kunst- und Wissenstransfer /
Universität für angewandte Kunst Wien /
Univ.-Prof. Dr. Christian Reder



Gearbeitet wurde an diesem Abend - unter der Fragestellung: Chormaterial oder nicht? - mit dem Text Herakles 2 oder die Hydra von Heiner Müller . Da wir uns hier ja im "Weltall-Familien-Eins" der Marianne Fritz befinden, sei hier vorweihnachtlich naturgemäß ein ebenfalls aufliegender Fritz-Text zitiert, dessen Chortauglichkeit außer Frage steht:

"Das Ende aller Dinge bereitete sich vor, die Erde versank, nur mehr das endlose Wasser war rundum, und es begann wieder Herrschen unbenannte, nichtgeschaute in weder Gnade noch Ungnade, weder Maß noch Zahl, weder Haß noch Liebe, weder Gier noch anderer Sittengeschichte aufgelöste Finsternis; Zeit, was war das: niemand erinnerte sich an Zeit, weder Erinnerung noch Vergessen, weder Paradies noch andere Umschreibungen für Hoffnungen, die nun Versunkene hätte auch Heimat werden können, unverwüstliche, Wunder um Wunder gebärende, ins Universum hinausgrüßend werdende Lebensweisen, die benannten und benennbar waren, die dachten, Denkbare waren, Leben, was war das; die Fragende sein hätten können, die Antwortende werden hätten/können, wo waren sie, nicht finbar. Niemand fragte, wo sie waren, radikal niemand war in der Lage, das Versinken in vollkommener Geschichtslosigkeit zu erfassen, geschweige die Verhinderung zu wünschen, geschweige Aufklärung anzustreben ob dieser Art Leben, die; es einst tatsächlich gegeben?
Am Ende aller Dinge versank die Erde."
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996