03. 11. 2006

 

16.41 Uhr 

 


Plan des Bauchs des ehemaligen
K. und K. -Kriegsministeriums
(Besichtigung Auftrag R. in der Reihe Ernstfälle )

 

08. 11. 2006

 

18.26 Uhr 

 

Nach Lehrstück , Tribunal , Lager , Manöver , nach dem Ernstfall , der Trümmer produziert, die zu beschreiben sind, folgt naturgemäß der aufräumende Zivildienst (Feststellung einer anhaltenden Folgerichtigkeit, auf die schon früher von anderer Seite hingewiesen wurde).
Oder, ganz anders: Ein Dreischritt von Begriffen zur Methodenentwicklung: 1. Aneignung 2. Anwendung
3. Anteilnahme .

 

09. 11. 2006

 

23.07 Uhr 

 


Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
Ernstfall 2

9. November 2006 , 19 Uhr

Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
bittet zum

Ernstfall 2:
Die konstruktive Unterstellung


Wir unterstellen: Sie waren eine/einer der 351 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fritz-Manövers am 11. September 2006 und wissen naturgemäß nach dieser Übung für den Ernstfall, wie aussichtslos der Wunsch nach Überblick im Textgelände des Festungsprojekts der österreichischen Autorin Marianne Fritz ist.

Wir unterstellen weiters, daß wir, das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen, fähig und willens sind, die Definition von Theater freizugeben. Zum Beispiel an Sie. Ob wir das wirklich tun, ob Sie das wirklich wissen, kann nur im Ernstfall praktisch erprobt werden. Oder Sie beweisen uns - ebenfalls praktisch - das Gegenteil.

In jedem Fall aber bringen Sie Ihr Vermögen ein und wir alle haben den Gewinn. Und es wird von einer erfolgreichen Vermögensveranlagung die Rede gewesen sein.

"... und wie sieht das Vermögen aus, das raffende Züge annimmt, verschlingende Züge? Ungehorsam, der Bestimmung des Vermögens zuwiderhandelnd, so sieht das Vermögen aus, das sich nicht mehr seiner Bestimmung hinzugeben vermag, und die ist Verschwendung." Marianne Fritz, Naturgemäß I, 1996


Wie figura zeigt, war der zweite Ernstfall von verschwenderischer Wortfülle geprägt. In punkto Vermögen drang das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen dank fachmännischen Einwurfs bis zum Wort Bankgarantie vor. Rosige Perspektiven und ein Arbeitsauftrag waren die Folge. Das erste Arbeitsstreffen für den Auftrag Trappl wurde (in späterer Folge) für den 17. November fixiert. Zudem kam Originaltext Nr.12 abhanden....

 

10. 11. 2006

 

11.50 Uhr 

 

Eine schöne Definition des Fritzpunkts, frisch eingelangt:

> Ihr Unter(s)teller des Konstruktiven
> ihr praktizierenden Fallensteller
> des Festungsprojekts,
> dieses Theaters des freien Falls,
> was fuer sonderbare Vermoegensberater
> und Definitionsdelinquenten

 

15. 11. 2006

 

13.51 Uhr 

 

Arbeitstreffen für den Auftrag Nikitsch in der Expositur E4.

 

 

15.21 Uhr 

 

Mit heutigem Datum Eingabe eines finanziell adaptierten Marianne Fritz-Projekts für das Jahr 2007 :

Im Fritz-Textgelände
Eine Aufhebung

 

16. 11. 2006

 

11.23 Uhr 

 


Aus einem gestern erhaltenen e-mail :

""Trotz der jüngsten Pseudopolitisierung in Kunst und Gegenkulturen ist das Wort "Revolution" längst aus den Befeuerungsbeständen intellektueller Handlungssehnsüchtler in das Vokabular der
Werbeindustrie gewandert. Während sich Politik im deutschsprachigen Raum in des Reformators neuen Kleidern mit sozialem Strippoker die Zeit bis zu ihrer endgültigen Selbstabschaffung vertreibt, ist die
einzig wirkliche Revolution, glaubt man den Berichten des Mediums über sich selbst, spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges in der (Darstellung der) schönen neuen Warenwelt am Dauerstattfinden. In der zeitlosen Schwebe der Hyperaktualität fragt das Projekt .... nach dieser unsichtbaren, subjektlosen Revolution und ihren Bedingungen."

 

17. 11. 2006

 

09.50 Uhr 

 

Arbeitstreffen für den Auftrag Trappl in der Expositur E4.

 

 

16.02 Uhr 

 


Modell der größten Medienzentrale des Landes
namens ORF (Besichtigung Auftrag Nikitsch
in der Reihe Ernstfälle )

 

18. 11. 2006

 

18.01 Uhr 

 

Zwei (missverständliche?) Randnotizen:

- Inbrünstige Arbeit an der Intransparenz
- Daran arbeiten, missverstanden zu werden

 

20. 11. 2006

 

22.42 Uhr 

 

(Ernstfall)Auftrag Nikitsch:


Im Übergang - ein temporäres Adventsservice
4 Gänge durch das ORF-Zentrum Küniglberg
1. 7. 13. und 20. Dezember 2006
jeweils 11.30 - 13.30 Uhr


Zur Adventszeit, der Zeit der Läuterung, erlaubt sich das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen in einer Inszenierung von Tatjana Nikitsch in der wichtigsten Medienzentrale des Landes ein temporäres Adventsservice à la Marianne Fritz zu etablieren.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ORF, der Gesellschaft als Vermittlerin von Informationen verpflichtet, instrumentalisiert sich selbst, um frei von politischen, marktwirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Notwendig- und Begehrlichkeiten, neben ihrer funktionalen Ausrichtung nach "außen", in der Adventzeit nach "innen" zu wirken.

Im Gegensatz zum üblichen Fernseh- und Rundfunkalltag, in dem Journalisten am Küniglberg mit der Beschaffung und Verarbeitung von gesellschaftlich relevanten Informationen für die österreichische Bevölkerung befasst sind, werden in den vier Wochen vor Weihnachten drei Schauspieler des Büros für theatralische Sofortmassnahmen als Informationsträger für die Mitarbeiter des ORF fungieren. An je einem Tag in der Woche werden sie tragbare Audiogeräte mit dem geloopten 7-Minuten Text "Der Urwähler" der österreichischen Autorin Marianne Fritz an sechs verschiedenen Toiletten im Haus platzieren.

Der einzige Ort, der sich dem Druck der Öffentlichkeit entzieht, wird eine Stunde lang akustisch besetzt: Die Toilette, der privateste Ort in der öffentlichsten Medienanstalt des Landes, wird so vom Büro für theatralische Sofortmaßnahmen in außergewöhnlicher Form "informiert", ohne dabei die Arbeitsabläufe im ORF zu tangieren.

Der ausgesuchte Text aus dem Roman Naturgemäß I von Marianne Fritz thematisiert in der Advents- und Regierungsbildungszeit naturgemäß die Kapazität des Urwählers, "der alle Mandate zugleich besetzt": "Unersetzlich ist im Land des Chen und Lein n(ur) der Wähler. Alle Wähler kommen im Urwähler zu sich. Die Wähler müssen nur den Urwähler sehen, und schon wissen sie, was die Wähler sind."
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996

Die Schauspieler sind instruiert, sich den ORF-ProgrammRichtlinien entsprechend zu verhalten, solange sie als Informationsträger im ORF-Zentrum unterwegs sind. Nachdem die Abspielgeräte in den Toiletteanlagen positioniert sind, werden die Informationsträger in der Kantine zu Mittag essen und anschließend die Abspielgeräte wieder einsammeln. Der Zeitraum der akustischen Performance beschränkt sich auf eine Stunde, die Gesamtperformance wird etwa zwei Stunden in Anspruch nehmen.

Ein öffentliches PrivatService für eine private Öffentlichkeit im öffentlich-rechtlichen Raum

© Tatjana Nikitsch (ORF/3sat) / Fritzpunkt

 

21. 11. 2006

 

17.45 Uhr 

 


Arbeitstreffen für den Auftrag Deewan im Wiener Deewan. Festgelegt und auf die drei Ebenen des Lokals verteilt werden die Themen/Verhaltensweisen Exekutive, Legislative und Jurisdiktion.

 

22. 11. 2006

 

17.47 Uhr 

 

Wenn das Fritz-Manöver vom 11. September 2006, diese Übung für den Ernstfall, eine 10 Minuten dauernde Abschlußveranstaltung einer viermonatigen PR-Maßnahme für das Werk der Marianne Fritz und den Fritzpunkt war, die damit betriebene vorsätzliche Involvierung in die sog. Wiener Kunst- und Kulturszene allein dem Zweck der Leserinnen- und Leser-Rekrutierung diente (das allseits verbreitete Phänomen "Kooperation als Instrumentalisierungstechnik" ironisierend), so funktionieren jetzt die Ernstfälle des Büros für theatralische Sofortmaßnahmen auf der Ebene der Differenz. Interessant sind die verschiedenen Zugänge der Partizipierenden zum Phänomen Theater: Positioniere ich mich als purer Auftraggeber, als Inszenator, als Mitspielerin, in welchem Setting erachte ich eine theatralische Sofortmaßnahme für notwendig? Denke ich ein Theater ohne Schauspieler, ohne die zur Auswahl stehenden Texte oder auf welcher Ebene, in welchem Medium setze ich diese ein? Diese Vielfalt an Zugängen in einem Projekt als Kommentarebene zu bündeln (wie für 2007 im Fritz-Textgelände geplant), würde den vielfach strapazierten Partizipationsgedanken für eine gebrochene Untersuchung des Theaters virulent machen.

 

23. 11. 2006

 

22.53 Uhr 

 


Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
Ernstfall 3

Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
bittet zum

Ernstfall 3:
In diesem Sinn

Nehmen Sie einmal an, es geht um Partizipation. Was naturgemäß gleich einmal die Chancen dieses Kunstprojektes am Subventionsmarkt radikal erhöht. Aber davon soll hier selbstredend nicht die Rede sein. Stellen Sie sich also vor, in der Postgasse 6 warten 15 Textvorschläge aus dem Fundus der bisherigen Fritzpunkt-Veröffentlichungen auf Sie. Auf Sie, die wir Sie jetzt prekärerweise Fritz-Quereinsteigerinnen und Fritz-Quereinsteiger nennen. Selbstverständlich wissen Sie als solche/solcher bereits, daß Ihr Einsatz in diesem Spiel darin besteht, mithilfe eines oder mehrerer dieser Texte einen Schritt in Richtung post-dramatische Selbstautorisierung zu tun. Wie bitte?

In jedem Fall ermöglicht Ihre Beteiligung Ihnen und dem Fritzpunkt, die "idealistischen Flausen eines kulturellen Eigensinns und einer Autonomie der Lebenswelten" weiter zu verfolgen, obwohl uns - und Sie - der neoliberale Charakter mit seinem "harten Ruf nach Siegern im Wettbewerb, nach Eliten im Weltmarktfight" (Ulrich Brieler) vor sich hertreiben will. Bestehen Sie mit uns - versuchsweise - auf einer sinnvollen Zwecklosigkeit und kommen Sie nächsten Donnerstag in die Postgasse.

"...der Sinn er kommt erst zustande, wenn einer im Unsinn tanzt. Dann ist er rasch zu sehen, das ist das Unheimliche, die verwundbare Seite des unsichtbaren Sinns. Wenn der Unsinn lang genug hinter ihm herwirbelt, könnte er geradezu dem Tolpatsch gleich, mehr zufällig, ihn entziffern: den Sinn?"
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996

In diesem Sinn,
Ihr Büro für theatralische Sofortmaßnahmen

PS.
Nr. 12 vom 9.11. bitte melden!


Der bisher schweigsamste (aber belesenste) Ernstfall, obwohl der einzige körperlich anwesende Vertreter des Büros für theatralische Sofortmaßnahmen geflissentlich Auskünfte zum Procedere des Ernstfalls und dem Umfeld der 16 (!) vorhandenen Textvorschläge gab. Die zwei externen Mitarbeiterinnen des Büros waren jederzeit mittels zweier Handys erreichbar, um textimmanente Fragen zu beantworten. Von dieser Möglichkeit wurde jedoch nur einmal Gebrauch gemacht. Ein Schnellauftrag ohne weitere Arbeitssitzung ( Auftrag Wieser ) und zwei längerfristige, im Kunstkontext stehenden Aufträge (Purgina und Gstettner) wurden angebahnt. Die Vermögensthematik stand diesmal, einem Deutschlandaufenthalt unseres Fachmanns geschuldet, ganz im Hintergrund.


 

24. 11. 2006

 

23.02 Uhr 

 

Es liegt im Wesen des Ernstfalls, hiemit auch der
Ernstfall-Aufträge , daß sie überraschend , unangekündigt auftreten. Vor und nach Abschluß des jeweiligen (Ernst)Falls wird das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen - naturgemäß nur fallweise -
Material dazu veröffentlichen.

 

25. 11. 2006

 

22.36 Uhr 

 


Endlich: Unausgereifte Überlegungen für die vom Büro für theatralische Sofortmaßnahmen schon allzulang versprochene Fritz-Manöver-Fassung von Naturgemäß II. Das maximale Geschenk zum Jahresabschluß für alle Mit-Manövranten, Kooperatorinnen, Freunde und Geldgeberinnen. 702 Seiten für die ruhige Winterzeit.
In Bälde unter www.fritzmanoever.at .

 

28. 11. 2006

 

05.14 Uhr 

 


Ein Brief von Rainer Gruber, Physiker,
zum obenstehenden Text:


Liebe Anne, lieber Fred,

also relativistisch physikalisch oder zumindest relativ physikalisch soll der Text sein, wurde euch gesagt?

Naja :-). Wie man`s nimmt.

Tasten wir uns mal naeher.

Als ersten Versuch haenge ich euch einen Vortrag ueber das Nichts an, den ich in Kiel auf einem Symposium zum Thema Kunst und Wissenschaft
gehalten habe - mit der Intention, zu behaupten: Wissenschaft IST Kunst; ablesbar am Umgang der physikalisch-mathematischen Wissenschaft
mit dem NICHTS und der zentralen Bedeutung, die dem Nichts eingeraeumt wird, vergleichbar seiner zentralen Rolle in Kunst und Theater.
In dieser Darlegung spielen Stockwerke in Bewegung
in der Einleitung eine zentrale Rolle.

Wenn wir uns also auf die Stockwerke in Bewegung einlassen, dann koennte da ein Bezug sein, aber anders, als vielleicht von euren Informanten gedacht.
Mehr auf die Unendlichkeit des Nichts bezogen
als auf die Relativitaet von Bewegung hin.

Aber das will ich hier nicht ausbauen.
Die Vorstellung eines Bezugs zur relativistischen Physik kommt wohl daher, dass von "absolut" und von Bewegung die Rede ist.

Von Relativitaet wird in dem Text ganz eigentlich garnicht geredet.

Natuerlich: die 32 Stockwerke werden spontan als relative empfunden gegenueber und in Abgrenzung zu dem als absolut bezeichneten Stockwerk,
allerdings erstmal als Relative ihrer Vielzahl, nicht der Bewegung.

Kuemmern wir uns also um die Bewegung.

Wer ist der Verursacher der Bewegung?

das absolute Stockwerk? wird gefragt.

Und es wird geantwortet:

die 32 Stockwerke sind es, die sich bewegen,
und die dabei das absolute Stockwerk mit-bewegen.

Eine Bestimmung, die sofort dialektisch relativiert wird:

Das absolute Stockwerk, "mitbewegt von den 32 Stockwerken, bewegend die 32 Stockwerke".

Es gibt keine Wirkung, nur eine Wechselwirkung, sagt das.

Diese 32 Stockwerke werden daraufhin
als "die absolut bewegten" Stockwerke

bezeichnet. Denen gegenueber allerdings das absolute Stockwerk als das

"absolutere"

festgehalten wird. Wobei jedoch konzediert wird,
dass die 32 Stockwerke das zwischen ihnen befindliche abolute Stockwerk absolut bewegten.

Ein scheinbarer Wettlauf um das Praedikat des Absoluten also, aber subtil differenziert: das absolute Stockwerk wird hinsichtlich seines SEINS als absolut erkannt, waehrend die 32 Stockwerke hinsichtlich der BEWEGUNG absolut sind, sowohl als absolut Bewegte als auch als absolute Beweger.

Wohingegen das absolute Stockwerk als Beweger RELATIV ist: nur indem es mit-bewegt ist, ist es bewegend und nur indem es sich bewegt, ist es mit-bewegend.

Warum also wird ihm die Stellung des "Absoluteren" beigelegt?
Lesen wir den Text noch einmal.

Aus der Vielzahl der Stockwerke wird eines als das absolute herausgegriffen oder herausgefunden.
Fragen wir: ist es Teil der 32 Stockwerke oder ist es ihr Gegenueber?

Es wird als "das absolutere der absolut bewegten 32 Stockwerke" bezeichnet, was darauf hindeutet, dass es hier als ein integraler - wenn auch deutlich unterschiedener - Teil von ihnen betrachtet wird.

ZWISCHEN den 32 Stockwerken liegt dieses absolute Stockwerk und "bewegt sich mit ihnen mit, wenn sie sich bewegen", heisst es weiter.

Das klingt, als wuerde man sagen:
32 Stockwerke, UNTER ihnen das absolute Stockwerk.

Auch solche Formulierung wuerde eine oertliche Bestimmung zulassen, in der es als raeumlich Separiertes und Abgeschiedenes erscheint,
aber gleichzeitig doch auch die Interpretation
als Teil von Seinesgleichen zulassen.

Somit erschliesst sich eine neue Lesart auf der Ebene des Begriffs, auf der der relativen Vielzahl der existierenden Stockwerke das absolute Stockwerk beigegeben wird als gewissermassen der Begriff des Stockwerks an sich.

Und siehe da: dem Begriff des Stockwerks -
mit seiner Absolutheit des Masses neben der relativen Vielzaehligkeit seiner Inzidenzen -
ist zu eigen, dass er sich mit den realen Stockwerken bewegt. Er wird von ihnen bestimmt und bestimmt sie zu Relativen seiner selbst.

Er behauptet sich ihnen gegenueber als das Absolutere,relativ zur Absolutheit jeder einzelnen physischen Existenz eines Stockwerks.

Und nun entfaltet der Text eine wilde Verstaendlichkeit.

1. Warum wird das absolute Stockwerk als das
"alles entscheidende Stockwerk" bezeichnet?
Weil es - als ihr Begriff - die Scheidung in die je getrennt existierenden Inzidenzen eines Stockwerks
aufhebt: sie ent-scheidet zu ihrer begrifflichen Einheit.

2. In einem absoluten Stockwerk, d.h. einer als absolut begriffenen begrifflichen Fixierung,
"herrschte keine Frage mehr".
"Alles war geklaert",
"Uebersicht herrschte absolut".

Mit der begrifflichen Fixierung wurden

"Boeden" eingezogen, die
"absolut todsicher alles trugen
und nichts konnte fallen ins Bodenlose".

Gibt es eine schoenere Beschreibung der Folgen
einer von Adorno als solche kritisierten Identitaetsphilosophie, mit ihrer Fixierung auf den STARREN BEGRIFF als Mittler zwischen einem selbstbehaupteten Subjekt und einer als objektiviert begriffenen Welt?

Und - muss man hinzufuegen- mit gutem Grund in die Vergangenheit gesetzt, nachdem Wittgenstein
dieser vermeintlich absoluten Starrheit des Begriffs
mit der Konstruktion der Sprachspiele eine andere Wendung gab.

3. Und ist nicht die Einsicht

"Klarsicht wie nirgendwo herrschte
im alles entscheidenden Stockwerk"

eine bissige Metapher fuer die ueber Alles erhabene Vernuenftigkeit der Aufklaerung?

Und wird deren Dialektik mit der Formulierung

"Im absoluten Stockwerk zwischen den zweiunddreissig Stockwerken herrschte absolut das Verstaendnis mit dem Missverstaendnis."

nicht aeusserst treffend wiedergegeben?

4. Und die Einschaetzung:

"Ohne Bewegung staendig Bewegung, staendig Bewegung mit Stillstand und rasend unvorstellbar geschichtet in Bewegungshaft wohl aufgehobene Bewegungsbeschleunigung":

ist sie nicht eine buendige Zusammenfassung der Dialektik der Aufklaerung und ihrer Fortfuehrung im Eurotaoismus von Sloterdijk.

5. Wir als in Bewegungshaft Genommene, wie wahr!
Wobei mir scheint, dass als Synonym dieser Bewegung ohne weiteres die Bewegung des Marktes herhalten kann:

- der Markt mit seinem mangelhaften
Brems vermoegen, da doch die Geschwindigkeitsbeschleunigungen als Verfuehrer
eins sind mit seinen Bremsen, bis hin zum absoluten Stillstand.

- der Markt mit seiner Codierung allen Lebens
vermittels der gleichen Gueltigkeit des Geldes
und der inhaerenten Gleichgueltigkeit des Geldes
gegen alles von ihm Codierte. Er ist es, der die
Doppelbindung in "gleich=gueltig" herausfordert
und mit den merkwuerdigsten Gleichgueltigkeiten die Verbindung zur franzoesischen Postmoderne aufscheinen laesst:

"Ohnzweifel regierte hier der Zweifel
gleich=gueltig mit dem Zweifel,
Ohnreu regierte hier die Reu
gleich=gueltig mit der Reu.
Ohnfalsch und Ohnrichtig regierte hier
das Ohnfalsch mit dem Ohnrichtig
und das Ohnrichtig regierte hier
das Richtig gleich=gueltig mit dem Richtig."

Was fuer wunderschoene Formulierungen!!
Was fuer ein aufrichtiger Schlag des Marktes
ins Gesicht der tradierten Aufklaerung.

Und/oder wie Ute, meine geliebte, diese leuchtende Frau es ausdrueckte:

"das Gegenteil ist auch falsch."

Und/oder Hoelderlin, viel lakonischer:

"Das weisst aber Du nicht".

Und, um mit Hoelderlin zu schliessen:

"binde und halte teure Fremd!"

gruesse ich euch, meine mir teuren,
so schoen fremden

Rainer

 

29. 11. 2006

 

20.14 Uhr 

 

Eine simple klare Formel:
Das Betreiben einer fundierten (=strukturierten) Handlung ist Theater.