05. 11. 2002
13.51 Uhr
Lesen, naturgemäß
- In fünf Etappen vom Meer Nichts zum Steinenmeer
29. 30. 31. Oktober und 1. 2. November 02
jeweils 19.00 Uhr
Lesen, naturgemäß , eine fünfteilige Lesung des gesamten, in der öffentlichen Aneignung bisher durchgearbeiteten Textmaterials, eine Reise vom
Meer Nichts zum Steinenmeer.
Diesem komplexen Text mit vier unterschiedlichen Sprecharten und Tonfällen hörbaren Ausdruck zu verleihen, zeigt sich vor Publikum als adäquate Darstellungsform, entgegen der weitverbreiteten
Angst, Fritz-Texte durch Mehrstimmigkeiten noch unverfolgbarer zu machen. Die musikalische Dimension des Textes ermöglicht ein Verfolgen der Inhalte auch jenseits des "Verstandenen" und appelliert direkt an die persönliche Erinnerungsfähigkeit des Einzelnen.
1. Etappe (29. Oktober/S.2-24): Handelnde Personen und ihre unauflöslichen hierarchischen Bezüge
werden etabliert.
2. Etappe (30. Oktober/S.24-35): Der Verrat als erster Versuch, diese erstickende Unveränderbarkeit aufzubrechen. Fall der sechs Hälse der Festung.
3. Etappe (31. Oktober/S.35-48): Angestrengte Diplomatie, die ausschliesslich das Prinzip des
Guten gegen das Prinzip des Bösen ausspielt. Das Aussichtslos. Die Niederschlagshöhen.
4. Etappe (1. November/S.62-68;S.112-122):
Poetisch dargestellte Kulturtechniken der Vernichtung. Krieg, Schmerzknotenbrücke, Verwesung.
5. Etappe (2. November/S.148-155; S.160-164):
Buchstäbliche Untersuchung der Fähigkeiten von Sprache. Die Drehbewegung. Der Buchstabenflug.
"Schreitet die Verwesung zügig voran oder tut es die Fliege? Jedenfalls waren beide noch bevölkernd ineinander verschränkte Vorgänge, ihnen fehlte keine Leber, die Stätte für die Seele war unbewohnt, es war immer dasselbe, die Seele floh, sobald ihre Stätte besucht wurde, ging sie auf die Reise, weder die
Seele noch die Sprache war diesen Vorgängen,
diesen ineinander verschränkten Vorgängen, gewachsen. Hier wuchs nur einer. Der schwieg." (S.112)
16. 11. 2002
20.47 Uhr
Vom 12. - 16. November im Fritzpunkt diskutierte Arbeitsüberlegungen für die für Dezember im Fritzpunkt geplante Miniatur
Im Grunde ist die Unterwerfung eine zurecht Befreiung genannte Tatsache.
Textmaterial: Ohne Blitz? Schreckstarre nicht. (S. 48 - 58 aus Naturgemäß I )
Zugrundeliegende Frage: Ist das, was man angeblich beobachten kann, das, was wirklich stattfindet? Oder: Geht es um die Thematisierung der "Trennwand", die jeder Beobachtung zugrundeliegt, also um die Funktionsweisen von Beobachtung selbst?
Ausgehend von diesen Fragen soll ein Szenario entwickelt werden, in dem die "Laboranten" (Spieler) immer mehr Handlungsmöglichkeiten gegenüber den "Versuchskaninchen" (Publikum) verlieren und selbst nahezu zu "Versuchskaninchen" werden. Die "Laboranten" versuchen die Situation mit parallel geführten, einander kommentierenden Spielsträngen zu beherrschen und die "Versuchskaninchen" reagieren nicht oder anders als erwartet: Die "Laboranten" geraten unter Druck. Der Text ist dabei eine Aktionskomponente, aber nicht die bestimmende, ganz im Gegensatz zur Oktober-Miniatur Gräten im Fritzpunkt .
Der Text Ohne Blitz? Schreckstarre nicht. thematisiert die Methoden populistischer Strategie: Irgendwann wird die Frage, ob da je ein Blitz war, obsolet, es geht bloss noch um die angehäufte Produktion von Schreckstarre, um Manipulation. Die Miniatur Im Grunde ist die Unterwerfung eine zurecht Befreiung genannte Tatsache soll mit Täuschung und Ent-täuschung an der Frage arbeiten, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, durch Konstruktion einer komplexen Situation die Manipulation als aufhebebar erleben zu lassen: Erhebung und Unterwerfung als Mechanismen des Umgangs mit dem Phänomen von Herr und Knecht ?
23. 11. 2002
12.36 Uhr
A. träumte:
Während der laufenden Performance, die man als Beobachtende nicht als Performance erkennt, erzählt man als Handelnde von einer bereits stattgefundenen Performance (aktive Vergegenwärtigung des Gewesenen).