05. 10. 2003
14.47 Uhr
Wie baut man ein Lehrstück, das den Anderen meint? Die Technik des Krieges meint den Anderen. Das Vernichten meint die, die es vernichtet, aber sie sind trotzdem austauschbar.
07. 10. 2003
14.01 Uhr
"Oh Wand, du liebe Wand, leih mir deinen Schlitz"
(frei nach Gryphius Absurda Comica )
"Ich hab noch eine Wand in Berlin": Motiv des Beichtstuhls (momentan ein allzugängiges "Format")
für die Einladung des Fritzpunkts nach Berlin im Dezember dieses Jahres (vgl. den Umgang mit der (vierten) Wand im Weißen Adlerweißland ).
14. 10. 2003
09.23 Uhr
Wiederbeginn der Arbeit im Fritzpunkt nach dem Projekt Im Weißen Adlerweißland auf den Aspanggründen.
Die neue Reihe im Fritzpunkt mit dem Titel Fritz aufheben (vgl. 18.09.03) erwächst auch aus den Erfahrungen mit dem Lehrstück Etwas ist dran (April 2003 mit Theaterwissenschaftlerinnen und Theaterwissenschaftlern der FU Berlin im Fritzpunkt). Ging das Lehrstück Etwas ist dran davon aus, präparierte, wiederholbare Verhaltensformen (Stadt Theater Wien) mit unpräparierten (FU Berlin) in Beziehung zu setzen und aus dieser Beziehung eine Verwandlung und Variation beider Formen zu erreichen, so war offensichtlich der zugemessene Raum für das Verhalten und die Kommentare der Theaterwissenschaftlerinnen und Theaterwissenschaftler viel zu eng abgesteckt. Für in der Theaterpraxis stehende Schauspieler und Schauspielerinnen wäre diese Spielvorlage vielleicht brauchbar geworden. Schon die Vorgabe, vor dem Aufeinandertreffen der beiden Gruppen Kommentare von den Theaterwissenschaftlerinnen und Theaterwissenschaftlern schreiben zu lassen, war offensichtlich unbrauchbar für das erwünschte Herausarbeiten des Konfliktsstoffs `Vorurteil`, geschweige denn für das ebenso intendierte Brechen der angelegten Regeln. Inszenierte Erfahrung ist ungleich Lehrstück.
Fritz aufheben (1. Termin 24.10.03, wöchentlich jeweils Freitag um 19 Uhr) kann als weiterentwickelte Versuchsreihe zum Lehrstück angesehen werden. Denkbar wäre zum Beispiel auch, jeden Freitag eine spezifische Zielgruppe einzuladen (Pädagogen, Soziologen, Mediziner, Kulturwissenschaftler, Theaterleute, Parteimitglieder, Politiker, Missionare, Anatomen, Catcher....)
15. 10. 2003
23.00 Uhr
Parallel zur Reihe Fritz aufheben arbeitet das Stadt Theater Wien im Fritzpunkt ab heute auch an der Textauswahl von Susanne Hahnl aus Naturgemäß I für das Frühjahrsprojekt Fritzpunkt Vor Ort 2 . Verschiedene Inszenierungsszenarios und die Textauswahl werden in den nächsten Tagen diskutiert.
17. 10. 2003
00.32 Uhr
5 Planetariumssessel werden gekauft, im Fritzpunkt werden ihnen Eisenplatten angeschweisst. Schwere Sessel, zum Aufheben.
20. 10. 2003
15.02 Uhr
Titelvorschlag für Fritzpunkt Vor Ort 2 :
Fritzpunkt revisited
oder
Die Vorwegnahme der Vergangenheit
als Dokumentation der Zukunft
27. 10. 2003
18.37 Uhr
"Zeit aufhebende Ausdauer führt in die Zeit zurück, sodaß der Vorgang des Herausfallens aus der Zeit zur Sprache werden kann, in der dieser Vorgang gleichsam betäubt und nichtwirklich bedrohlich ruht."
Naturgemäß I, S.314
28. 10. 2003
11.06 Uhr
31. 10. 2003
22.32 Uhr
Fritz aufheben (Versuch 2)
Regeln:
- Material auf textlicher Ebene:
Persönliche Begrüssung.
Freies Sprechen mit Anwesenden über Einrichtungsgegenstände und räumliche Verhältnisse im Fritzpunkt.
Lesen zweier Textseiten aus Naturgemäß I
(S. 295/296). Wichtig hiebei der repetitive Irrealis-Charakter dieser Stelle. Die beiden Tetxseiten liegen zur freien Benutzbarkeit auf.
- Alle Räumlichkeiten des Fritzpunkt sind nutzbar, in den Räumen sind verschiedene Steh(bar)- und Sitzgelegenheiten arrangiert. In der Handbibliothek steht ein Lexikon zur Verfügung. Außer den zwei Seiten keine weiteren Fritztexte vorhanden.
- Ein akustisches Schlußsignal kann von jedem Ensembemitglied nach Gutdünken betätigt werden.
Dauer dieses Versuchs: 75 Minuten
Anwesend: 4 Spieler und Spielerinnen / 8 Besucher und Besucherinnen
Zu Beginn bilden sich viele Kleingruppen, die sich über die Räume und die Geschichte des Fritzpunkt unterhalten. Wechselnde Konstellationen personell wie räumlich, allmähliche Bildung zweier Kerngruppen in je einem Raum, Text(teil)lesungen von Spieler/innen und Besucher/innen wechseln mit Gesprächen über Charakter des Texts und/oder gehen auf historische Begebenheiten ein. Abschluß des Versuchs nach einer Diskussion über Raumumgang mit einer Lesung des Schlußteils des Texts durch die Spieler/innen. Das sehr aktive Publikum hat sich in die selbstreflexive Anordnung gut einbinden lassen und die Aktion phasenweise selbst in die Hand genommen.