02. 10. 2002

 

17.23 Uhr 

 

Dem Fritzpunkt und seiner kontinuierlichen "öffentlichen Aneignung" zugeeignet:


ANEIGNUNG BRAUCHT FREMDHEIT

"... Was bedeutet es, sich etwas anzueignen? Und, wenn der Begriff der Aneignung ein spezifisches Verhältnis zwischen Selbst und Welt, zwischen Individuen und Gegenständen (seien diese geistiger oder materieller Natur) beschreibt: Wie genau sieht dieses Verhältnis aus, was ist seine Besonderheit und seine spezifische Struktur? Verschiedene Momente kommen hier zusammen und machen möglicherweise gemeinsam den Reiz wie das Potenzial des Begriffs aus. Gegenüber dem bloßen Lernen bestimmter Inhalte betont die Rede von deren Aneignung, dass hier etwas nicht nur - passiv - übernommen, sondern - aktiv - durchdrungen und eigenständig verarbeitet wird. Gegenüber einer bloßen (theoretischen) Einsicht in einen Sachverhalt bedeutet dessen Aneignung - vergleichbar dem psychoanalytischen Prozess der Durcharbeitung -, dass man mit dem Erkannten "umgehen" kann, dass es einem als Wissen wirklich und praktisch zur Verfügung steht. Und sich eine Rolle "anzueignen" bedeutet mehr als sie ausfüllen zu können: Man ist, so könnte man sagen, mit ihr identifiziert. Etwas, das man sich aneignet, bleibt einem also nicht äußerlich. Indem man es sich "zu Eigen" macht, wird es in gewisser Hinsicht Teil von einem selbst. Evoziert wird hier eine Art von Introjektion und Durchmischung mit den Gegenständen der Aneignung. Und aufgerufen ist auch die Idee eines produktiv-gestaltenden Umgangs mit dem, was man sich "zu Eigen" macht. Die Aneignung lässt das Angeeignete nicht unverändert. Deshalb bedeutet z.B. eine "Aneignung" öffentlicher Räume mehr, als dass man sie bloß benutzt. "Zu Eigen" macht man sie sich, sofern diese von dem, was man in ihnen und mit ihnen tut, geprägt werden, sich durch die aneignende Benutzung verändern und durch sie erst eine bestimmte Gestalt - wenn auch nicht notwendig im materiellen Sinne - gewinnen. Obwohl der Begriff der Aneignung eine seiner Wurzeln in der Beschreibung von Eigentumsverhältnissen hat, wird mit ihm gegenüber dem bloßen Besitz die besondere Qualität eines Prozesses betont, der wirkliche Inbesitznahme erst konstituiert. Aneignung wäre demnach ein bestimmter Modus der Besitzergreifung. Jemand, der sich etwas aneignet, gibt diesem eine individuelle Prägung, legt seine eigenen Zwecke und Bestimmungen in etwas. Deshalb muss man sich manchmal etwas, das man schon besitzt, trotzdem erst noch zu Eigen machen, aneignen. ..."
Rahel Jaeggi

 

15. 10. 2002

 

18.38 Uhr 

 

Gräten im Fritzpunkt
- ein verlängerter Augenblick
8., 9., 10., 12. und 13. Oktober 02
jeweils 18.00 und 19.30

Gräten im Fritzpunkt , der erste szenische Versuch, arbeitet mit dem Anfangskapitel Gräten von Naturgemäß I . Dieser Text etabliert eine Bewegung, die dem ganzen folgenden Roman als grundlegendes Motiv eingeschrieben bleibt: "Der Kreislauf ist dicht. Wo da einer beginnt, wo da einer aufhört, der Narr nur kann da die Grenzen ziehen exakt." (S.6) Dieses Motiv kann man auch als Beschreibung chorischen Verhaltens lesen, eine Möglichkeit, die unser Interesse an der Arbeit am Chor im Theater bedient.
Die Chorarbeit dieses Versuchs zeichnet sich durch strenge Gleichzeitigkeit sowie zeitversetzte Improvisation aus und baut mit ihrem Wiederholungsgestus eine Brücke für das Textverständnis des Publikums. Auch in der solistischen Behandlung erfährt der Text durch Wiederholung seine Kapazität. Vier ausgeprägt verschienene Haltungen und Tempi stellen die Farbenvielfalt des Fritzschen Gedanken-Geländes vor. So entsteht ein Spiel der wechselnden Konzentrationsebenen, die von einem minimalisierten Bewegungsszenario getragen sind. Fünf Fritzpunkt-Kisten, gedreht, ineinandergestapelt, aufgekantet, bilden eine geometrische Konstellation und strukturieren so den Raum. Trotz der extremen Publikumsnähe lassen wir für diesen Versuch die ominöse "vierte Wand" stehen: Dieser Versuch ist dem Ohr gewidmet.

 

17. 10. 2002

 

15.53 Uhr 

 

In der Aneignungssituation, während der täglichen Arbeit, geht es unter anderem auch darum, den "fünften Platz" freizuhalten, dh. die vier Fritz-Arbeitenden sind fähig, den unvermittelt eintretenden "Fremden" in ihre Arbeit zu integrieren, ohne sich in Erklärung(en) ergehen zu müssen oder von dem gerade Wichtigen wegführen zu lassen. Das ist möglich, wenn der Besucher potentiell immer da ist, dh. die Konzentration der Gruppe bedenkt in ihren Handlungen die "fünfte Person" immer mit. Eine solches Vorgehen ist Arbeit an einer Art von Kommunikation, die es in der jetzigen Gesellschaft nicht gibt.
Wirklich? Einwände? Vorbehalte?

 

31. 10. 2002

 

23.58 Uhr 

 

Remythologisierende Aktion für das Ende des Fritzpunkt - Projekts (voraussichtlich 2005) mit dem Titel:

2030 oder: Seite an Seite
Untertitel: Wir machen es wirklich.
Eine FP-Veranstaltung .

Idee: Fred Büchel
Titel, Untertitel, Gründungskollegium für die Aktion:
Franz Trappl, Elisabeth Steger, David Reinberger,
Eva Linder, Fred Büchel. Konstituierende Sitzung am 31.10.02 im Restaurant Diana, Garnisongasse, 1090 Wien.

Einzelheiten und Stand der Dinge werden unter gegebenen Umständen bekannt gegeben.