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02. 09. 2009
11.47 Uhr
Kleine Einführung in das Phänomen von Erster und Zweiter Natur. Weiteres dazu in der jeweils eigenen Zwangsvorstellung am 13. September.
04. 09. 2009
15.44 Uhr
Leider verworfene Überlegungen zum Singen im Renaissancestall während der Zwangsvorstellung, abgestimmt auf die litaneiartigen Texte der
06. 09. 2009
21.42 Uhr
“Wenn dieser Entweder-Oder-Teufelskreis des Funktionierens, das heißt des Normalen in die Konstellationen >gerät<, die wir auf der Ebene des 20. Jahrhunderts >ansiedeln<, dann muß einer stets berücksichtigen, daß das unausgesprochene Gebot des 20. Jahrhunderts die innere Beteiligung an der Selbstzerstörung, an der Selbstauslöschung ist, damit das Selbst als Störfaktor >ausfällt<. Ein normaler Mensch muß an seiner Selbstzerstörung mitarbeiten, um die Früchte des Funktionierens aufheben zu dürfen in zeitgemäßer Formgebung, und wie beim Atomstromerzeugen nicht Ungefährliches Hochbrisantes mit>gebildet< wird, mit>erzeugt< wird, mit>erschaffen< wird, mit>produziert< wird, ist es mit den Vorteilen, die die Selbstzerstörung des Menschen erarbeitet: Die unerwünschten Nebenprodukte sind Selbsthaß und Selbstverachtung. Denn ohne Selbstverachtung funktioniert der Selbsthaß nicht.”
“Was >normal< ist, entscheidet in letzter Instanz jenes Kräfteverhältnis, das auf einem >bestimmten< Gelände die Be->deutungsgeschichte< fürs Normale übernommen hat.”
“In zugespitzten Konstellationen werden dann die inneren Implosionen der vielen auf dem Kontinent sichtbar in Form der Leichenbergproduktion. - Wer sich auf diese >Gedankengänge< einläßt, der kann nicht mehr den Vorteil an sich ziehen, der sich mühelos aus der Dämonisierung eines Hitler oder Stalin ziehen läßt: Dieses Hin und Her zwischen “Heil Dir” und “Pfui Teufel!” hat ja noch und noch Vorteile, deswegen ist es ja so unendlich beliebt ... wie oft ein Mensch in die Schmerzhaft geraten muß, bis er >kapiert<, eine Frage der Konstellationen, unendlich variabel. In Wirklichkeit werden also Menschen dazu gezwungen, ob sie das wissen, ob nicht, ist vollkommen nebensächlich, das Normalsein, das Funktionieren zu >begehren<, >zu lieben<, sich mit dieser Selbstauslöschung zu identifizieren, sich dieser hinzugeben - stets bis zum Gehtnichtmehr. Das sind dann die Momente, wo Menschen bemerken, >da stimmt etwas nicht<, die Störung wird als Verstörung, wieder je nach Konstellation, einer Be->handlung< zugeführt.”
"Wenn das Begehren >normal< zu sein, >normal< zu wirken, seine hinterhältigen Theateraufführungen zu entwerfen >vermag<, >durch Verwurf< Nichtnormaler; niemand hat in diesem Jahrhundert derartig viel zur Leichenbergproduktion beizusteuern vermocht als der Typus des Normalen, der sich durch Rückschau selber nicht mehr zu begreifen vermag, verführt vom Wahnsinn? Nein, verführt vom Normalen, das sich mit großer innerer Beteiligung im Normalen aufzuheben vermag; nicht stiftet mehr Schaden als dieses absurde Begehren, >normal< zu sein, und >das<, akkurat im Jahrhundert der Leichenbergproduktion? ... Normalen das Degoutante bis Brisante an ihrer Normalität zumuten mögen, das ist eine Zumutung, die sie keineswegs in sich aufheben können, folglich sind solche Versuche dahingehend zu wenden, den Ehrgeiz, normal zu sein, nicht zu begehren, Ehrgeizverlagerung könnte nicht schaden; die innere Ökonomie von Handlungen ist eher selten aufscheinend anders denn als unheimlich, das heißt, konstellationsbedingte Kostüme, Verwandlungen Ohnanfangohnend müssen behutsam beäugt werden, damit ihre innere Ökonomie aufscheinen kann, ansonsten zieht sie sich ja wieder zurück und kehrt mit anderem Gewand wieder.”
(Aus den die Live-Ebene der Zwangsvorstellung strukturierenden Texten über das Normale aus dem bislang unveröffentlichten Text Heißt du etwa Rumpelstilzchen? (1994) von Marianne Fritz)
11. 09. 2009
14.51 Uhr
Der Kommentar zum 11.9. (und zur Man beachte die textgemäß absichtlich schlampig gehaltene Fixierung des Transparents rechts.
12. 09. 2009
14.45 Uhr
Probenpause in der vierten Klanginsel
15.17 Uhr
Bald haben Sie sie...
13. 09. 2009
14.55 Uhr
Den folgenden Bildern von Sie haben die Wahl - Eine Zwangsvorstellung, alle von Besucherinnen und Besuchern derselben aufgenommen (Dank an Bianca und Franz Trappl, Tatjana Nikitsch und Andreas Blumauer), sei der Text vorausgeschickt, der am Ende der Vorstellung an das Publikum verteilt wurde: “Wir haben ein bisschen gespielt auf den Trans-formationsebenen der Be->deutungskunst<, Verbindlichkeit haben solche Überlegungen für nicht einen, außer mich, jedoch freut es mich natürlich, wenn ein Mensch sich in solchen Gedankenbewegungen bewegt, sich weiß einer was für eigene Transformationsebenen nimmt, aber wenn möglich: kannibalistisch. Das heißt, ein sorgfältiger Verdauungsvorgang, der ausscheidet, was der Verdauung nützen könnte, denn wer verdauen möchte, der muß ausscheiden können, jedoch hiebei die Vorteile der Zweiten Natur nützlich gestalten, auf lebendig aufnehmende Weise, nicht destruktiv-nekrophil, zuerst die Zerstörung, damit die Leiche so rasch wie möglich vom Tisch ist, und einer zurückkehren kann >Zurück zur Natur<, nein. - Körperkult ist mir suspekt, Naturkult ist mir suspekt, jede Form von Beruhigung in Kult bedarf zwar der aufmerksamen Beäugung und des Begreifens, >warum< gibts viele und wie werden Nachteile delegiert, wohin kommen sie, und was >für Vorteile< ziehen wir an uns? Ich traue unseren edlen Regungen nicht >so recht<, sie sind eine Bankrotterklärung, im zugespitzten Fall, jedoch muß einer die Konstellation berücksichtigen, dann wird manches >wirklich< bewegend, allerdings als Programm wären sie mir >zu vielseitig< und vor allem, nichts begreifend, denn wo die Dämonisierung ist, ist der Edle, ist das Heil nicht weit (entfernt), anders dasselbe, wo der Entweder ist, muß der Oder bald eintreffen und dann kanns verkehrt gelesen werden: das Wort, bloß, was soll >das< bewirken? Eine neue Theateraufführung vielleicht, mehr? Ausformbar und aufhebbar, genußvoll mit dem Wort „Das ist aber ein Skandal!“ oder was immer, ...”
15.10 Uhr
Nach Öffnung des Eingangstors zum Löwenhof
15.15 Uhr
Erkundung der Akustik im Ballspielhaus
15.26 Uhr
Ein Teil des Publikums als Stand- und Lauschbild
15.30 Uhr
Auftritt der Kommentartextagentinnen,
16.05 Uhr
Während einer der Abhandlungen über das "Normale"
16.23 Uhr
Hörsituation im Löwenhof, mit dem Text
"Der Sinn ist im Unsinn" aus Naturgemäß I von Marianne Fritz
16.39 Uhr
Einzelner Zuschauer im Renaissance-Stall
16.50 Uhr
Kommentargerätschaften im Gruppeneinsatz.
16.55 Uhr
17.03 Uhr
17.12 Uhr
17.21 Uhr
Das zentrale Steuerungspult aller akustischen Signale
17.26 Uhr
Und aus. Ende der Wiener Zwangsvorstellung.
15. 09. 2009
15.14 Uhr
Kurzfristiges Fazit der Zwangsvorstellung: Durch das Weglassen des Singens im Renaissancestall und das stetige Zurückkehren der Fritzpunkte nach jedem Einzel- oder Gruppenkommentar in den Treppenturm neben dem Ballhaus (wegen befürchtetem Schlechtwetter) entfiel der Aspekt der Darstellungsermattung völlig. Also keine Schauspielerinnen, die im Gelände verteilt zusammensinken, liegen bleiben und irgendwann, von verschiedensten Punkten aus, wieder in das Textinstallationsgeschehen live eingreifen. Wobei zu sagen ist, das selbst eine solche Eingreiftechnik in die permanent laufende Textinstallation das Problem des Aufeinandertreffens von Live- und Installationstext nicht einfacher gemacht, sondern wahrscheinlich bloß besser verschleiert hätte. Zudem wäre eine GESPIELTE Darstellungsermattung so ungefähr das allerletzte auf dem Theater - was im Grunde eine ganz andere Dauer einer solchen Zwangsvorstellung impliziert. Für die Weiterentwicklung des Prinzips Zwangsvorstellung muß also das Verhältnis von Live-Kommentartext zum Text der Lautsprecherinstallation genauer ausdifferenziert werden. Dabei spielt der Gegensatz “Schauspieler als Kolporteure eines logischen (Kommentar)Textes versus literarische Qualität der Installationstexte” eine zentrale Rolle. Weiters können die einzelnen Textinseln der Gesamtinstallation kompositorisch viel mehr verdichtet werden (im vorliegenden Fall vor allem diejenige des Ballspielhauses) und alle vier Inseln im besten Fall auch ineinander komponiert werden. Die Kompositionsfähigkeit des Fritzpunkts ist also explizit gefordert. Erreicht wurde ein guter Ausgangspunkt einer Arbeitsmethode, die der Fritzpunkt sicher weiter verfolgen wird. Heissen Dank an Wolgang Musil, Alexander Mairhofer und Caroline Profanter, ohne die die Textinstallation nicht möglich gewesen wäre und nie diese Qualität erreicht hätte!
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