03. 09. 2002

 

18.41 Uhr 

 

Der September ist der praktischen Arbeit am Versuch zur Bedeutung des brennend Wachen (S. 4-7) gewidmet. Probenarbeit auf kleinstem Raum, freigesprochener Text und die Benutzung der vorhandenen Holzkisten als Raumelemente verändern den Fritzpunkt. Die Präsentation dieses "verlängerten Augenblicks" ist für Anfang/Mitte Oktober unter dem Titel Gräten im Fritzpunkt geplant.

 

05. 09. 2002

 

12.07 Uhr 

 

Der Fritzpunkt als Werkstatt der Fritz-Natur.

 

07. 09. 2002

 

18.45 Uhr 

 

TextLesen
TextSprechen
ÜberdenTextSprechen
ÜberdieDarstellungdesTextesSprechen
AufgenommenenTextAbspielen
(Fremd)TextSchreiben

In den Versuchen jeden Zugang einzeln eingehen, in der Aufführung die Zugänge verbinden/vermischen (mit verschiedenen Gruppen von Akteuren).

 

17. 09. 2002

 

21.13 Uhr 

 

Gespräch über den Chor im Fritzpunkt

A: Ich mache noch immer den Fehler, die Bedingungen des Sprachchores mit denjenigen des Gesangschores zu vermischen. Ich glaube noch immer, wenn ich an der Sensibilisierung, an der Aufmerksamkeit arbeite, entsteht Chor. Aber das ist falsch.
F: Wieso soll das falsch sein?
M: Sensibilität ist nicht die Grundbedingung für den Chor.
F: Was ist dann die Grundbedingung?
M: Grundbedingung ist die Selbständigkeit des Individuums. Das bedeutet aber nicht, dass jeder bloß seiner eigenen Welt nachgeht.
F: Das heißt, ich hätte zu sprechen beginnen müssen, als ich beginnen wollte und nicht warten sollen auf die anderen, auch wenn wir dann nicht gemeinsam zu sprechen begonnen hätten.
M: Wichtig ist aber die Aufmerksamkeit.
A: ...eine Aufmerksamkeit, die nicht auf den einzelnen ausgerichtet ist. Es führt zwar z.B. im Rahmen unserer Arbeit, S. als Stimmlage, das bedeutet aber nicht, dass sie Chorführerin ist. Wenn sie durch uns zur Chorführerin verkommt, ist der Chor im argen, dann ist das Prinzip Chor gestört. Das chorische Verhalten des Tai Chi-Trainings läßt sich gut auf die Chorarbeit übertragen. Man hat beim Tai Chi eine klare Abfolge von Vokabeln, von Formenspielen, von Richtungen, von Entwicklungen, man kennt diese Sprache des Kampfsports. Den Chor kennen wir auch, wir haben diese Sprache auswendig gelernt, das heißt, wir haben auch da eine gemeinsame Sprache. Jetzt gibt es aber den Täuschungsfaktor Wohlklang im Chor, in dem man sich badend verlieren kann. Um dieser Täuschung entgegen zu arbeiten, muss man den Schritt vom Zuhören zum Wahrnehmen vollziehen.
F: Den Zusammenklang dürfte ich gar nicht hören. Es ist dasselbe, wie wenn du allein einen Text sprichst, da darfst du auch nicht auf den Text hören, nicht auf seine Wirkung achten.
A: Ja, nur beim Chor ist es noch viel schwieriger, weil du auf die strukturbildende Wirkung des Chors baust.
M: Idealerweise: ich höre die gesamten Stimmen wie meine Stimme und nicht mehr "ich existiere", sondern "wir sind". Obwohl selbständig, beschäftigt man sich nicht mehr mit sich. Das ist das Paradoxon.
A: Ja, daher ist es ideal für uns, wenn wir uns z.B. auf die Tonhöhe von S. konzentrieren.
F: Aber ich weiß nicht, ob es das schon bringt? Mir kommt es ein bißchen wie eine Ausrede vor, wenn ich das mache, Ausrede bei mir selber. Ok, ich stelle mich auf eine andere Tonhöhe ein, aber damit ist doch die Aufgabe noch nicht gelöst?
A: Nein, man müßte mit der Tonhöhe, auf die man sich eingestellt hat, noch als eigene Tonhöhe umgehen. Es ist ja eine andere Tonhöhe, als man selber hat. Man geht auf einen fremden Ton ein und versucht, mit diesem fremden Ton als eigenem Ton umzugehen. Das ist "gefährlich", weil man nicht eine andere Stimme imitieren sollte, nicht an eine andere Stimme sich anpaßen sollte. Wenn ich nur eine Stimme mehr beachte als die anderen, ist der Chor kaputt.
F: Daher meinte ich "Ausrede", wenn man sich auf eine andere Stimmhöhe einstellt, kann man das leicht als Ausrede benutzen, eine Aufmerksamkeitsausrede sozusagen, die so tut, als hätte sie das Problem des Chors schon gelöst.
A: Es ist im Grunde so, wie wenn wir im Tai Chi die Füße schließen, bevor wir anfangen. Man beginnt ja das Tai Chi mit dem Schließen der Beine, weil man ja irgendwie herumsteht und dann stellt man sich hin. Und dieses Schließen der Beine, der Füße entspricht der Einstellung auf den Ton. Und dann beginnt der Ton zu arbeiten, und hat die Formen der Zeilen und die Verabredungen, aber der Ton müßte frei schwebend arbeiten, der kann nicht gebastelt werden. Der Ton macht mit dir etwas, nicht du etwas mit dem Ton. Das ist der Unterschied zum nicht-chorischen Text, wo ich mit der Sprache umgehe, ich setze sie z.B. in Kontakt oder Kontrast oder in eine andere Situation usw. Beim Chor macht die Sprache etwas mit mir und das verändert auch die Spannung.
M: Das wäre das Wunder, wenn alle gleichzeitig zu schweben beginnen.
F: Chor als institutionalisiertes Wunder?
A: Das ist es sicher. Deswegen beschäftigt sich ja Marianne Fritz mit dem Wort Chor und dem Begriff Chor und dem kollektiven Gedächtnis Chor....
F: Das kann man aber nicht direkt angehen...
A: Nein, das nicht; die gleichzeitige Erinnerung ist wahrscheinlich der Chor. Weil das Individuum macht dich zum "Nachzeitigen", du zeichnest vor und derjenige, der damit konfrontiert ist, egal ob Partner oder Publikum läuft nach, geht mit. Aber es ist nicht das Gleichzeitige.
F: Das Phänomen Chor als gegenwärtiger Moment der gemeinsamen Erinnerung. Das ist Geschichte machen.
A: Noch mehr. Weil du kannst das nicht mehr notieren.

 

24. 09. 2002

 

18.11 Uhr 

 

Für eine Aufführung:
"Räumliche Vorurteile" schaffen, um die darin stattfindenden Handlungen "aufheben" zu können, also das Paradox (in Handlung und Raum) zu ermöglichen.

 

 

19.14 Uhr 

 

Anstelle der Berufsbezeichnung "Schau-Spieler" oder "Ver-Äusserer" : lebender "Er-Innerer" ?