01. 08. 2006

 

16.34 Uhr 

 

Es sieht ganz so aus, als ob die, zugegebenermaßen aufreibende Arbeit mit dem Fritz-Manöver, von mir nicht als Arbeit angenommen werden kann. Immer befinde ich mich im Davor oder Danach. Die ständige Auseinandersetzung mit dem Außen, dem Öffentlichen, sieht lediglich aus wie Arbeit, ist aber ein Beschäftigungsnotstand, der keine Gegenwärtigkeit hat, füllt aber bravourös die Tage.

 

02. 08. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 40 Tage bis Fritz-Manöver

 

04. 08. 2006

 

23.41 Uhr 

 


In den letzten Tagen die Einladung in das Camp.Lab 1 im fluc am Praterstern zum Anlaß genommen, ein modellartiges Arbeitsinstrument zur Untersuchung architektonischer und rauminstallativer Aufgabenstellungen zu entwickeln, einen vollen Koffer, der am heutigen Abend in einem ersten Test als PocketCamp der spielerischen Untersuchung des Lager-Begriffs dient. Eine in den vollen Koffer eingebaute webcam wirft die auswechselbaren Arbeitsfolien der einen Kofferseite per Beamer auf eine große Projektionsfläche, während die beiden Betreiber, Ulrich Beckefeld vom office for subversive architecture (osa) und Fred Büchel von Fritzpunkt - Büro für theatralische Sofortmaßnahmen, die Folien je nach Stand der Untersuchung mit Bau- oder Zeichen-Material aus der anderen Kofferhälfte bestücken. Der viel begehrten Interaktivität sind einige weiße Folien gewidmet, auf denen in diesem speziellen Fall zB. die Lieblings-Lager des Publikums aufgezeichnet und bearbeitet werden könnten. Sie werden heute Abend jedoch nicht benutzt.

Am heutigen Abend hat das Team des PocketCamps
folgende Arbeitshypothese verfolgt: Das Lager ist ein Sonderfall des Manövers, ein aufgehaltenes Manöver, eine gestockte Bewegung, eine bloße Durchgangssituation. Denn alle die im Lager sind, gehören ja eigentlich weg. Und die im Lager wollen alle immer ausbrechen, es geht also um Ver-Lagerung, um Aus-Lagerung.

Unterstellt wurde zudem ein unfreiwillig-freiwilliger Hang zum Lager, aber die Notwendigkeit des Manövers. Mann/Frau ist immer im falschen Lager, deswegen will Frau/Mann raus, um ins richtige Lager zu kommen.

Einige der bearbeiteten Lagertypen: die Wohnung / das Fussballstadion / die Halbinsel mit Bucht / das Schiff, das Flugzeug / der Stau / Camping / das Ferienhaus / die Stadt des Kindes / die Künstlerkolonie / das Kloster, die Kaserne, die Schule / das Manövergelände / die Nation, denn : Wo das Lager den Schulterschluß wagt, entsteht der Nationalstaat.

Die Betreiber erachten das Pocket-Konzept nach diesem ersten Test für durchaus ausbaufähig und zukunftsträchtig. Anfragen bitte an das PocketCamp -Team. Danke.

 

05. 08. 2006

 

17.56 Uhr 

 


Stützpunkt Wunderbar.

 

07. 08. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 35 Tage bis Fritz-Manöver

 

08. 08. 2006

 

14.22 Uhr 

 

Als Auszug aus der täglichen Manöver-Kleinarbeit ein kleiner mail-Verkehr mit dem KünstlerInnenservice des Team4:

Sehr geehrte Frau Miklauc,
wie wir letzten Mittwoch in Ihrem Büro schon angesprochen haben, bitte ich Sie, das (gleichnach)- folgende email über Ihren Verteiler zu verschicken. Da wir dringend Schauspieler und Schauspielerinnen für unser nächstes Marianne Fritz-Projekt im Jahr 2007 suchen und die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit in der Begeisterungsfähigkeit für die Sprache von Marianne Fritz besteht, sehen wir das Fritz-Manöver unter anderem auch als ideales anonymes Casting.
So sich Kollegen und Kolleginnen nach dem Fritz-Manöver für die außerordentlich anspruchsvolle Arbeit zu interessieren beginnen, geht es um neun Monate durchbezahltes Arbeiten (Januar - September 2007) mit dem Stadt TheaterWien / Fritzpunkt. Die Arbeit des Stadt Theater Wien wird gefördert von der MA7 Kultur der Stadt Wien.

Mit freundlichem Gruß und Dank für Ihre Unterstützung,
Anne Mertin Fred Büchel


Diesem Ansinnen folgte heute die Antwort:


Sehr geehrte Frau Büchel!
Es tut mir leid, aber diese Meldung kann ich nicht weiterleiten. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, vermitteln wir an SchauspielerInnen nur bezahlte genau definierte Jobs.
Aus Ihren beiden mails entnehme ich, dass es sich um eine Monsterveranstaltung mit über 1000 Personen handelt. Das kann man wirklich nicht als Casting beschreiben.
Für eine Aussendung dieser Art stehen wir nicht zur Verfügung da es ein Missbrauch der Kundendaten darstellen würde.
Es tut mir leid, Ihnen nicht helfen zu können!

Mit freundlichen Grüßen
Brigitte Miklauc


Was soll man da machen.

 

 

17.10 Uhr 

 

Aus dem Theorie-Forum zum Fritz-Manöver:

Von Katherina Zakravsky:

Die Stadt soll durch die Armee geschützt werden. Die Stadt soll durch die Armee vor ihren äußeren Feinden geschützt werden. Die Armee, die die Stadt zu schützen hat, sobald äußere Feinde sich der Stadt nähern sollten, soll die Stadt nicht betreten. Die Armee muss vor den Mauern der Stadt haltmachen. Die Armee soll vor der Stadt und außerhalb der Stadt ihr Lager aufschlagen und warten, bis die Stadt die Armee zu Hilfe ruft. Wenn die Armee im Kampf zum Schutz der Stadt aber siegreich gewesen sein sollte, dann muss es schon zu einem Triumphzug kommen. Damit der Triumphzug einigermaßen sichtbar ist, muss die Armee in die Stadt hineingelassen werden. Die Armee muss dann all ihre Waffen, ihre Uniformen, Ihre Pferde und Wagen, ihre Beute und ihre Kriegsgefangenen durch die Straßen führen, so dass deutlich wird, dass sie die Stadt nicht bedrohen, sondern ihr zum Geschenk gemacht werden. Alles andere wäre ein trojanisches Pferd.
Obwohl die Stadt und die Armee einander brauchen, dürfen sie sich im Raum nie vermischen ­ es sei denn im Triumphzug. Der Triumphzug ist eine reine Präsentation der Macht, die sich nicht aktualisieren darf. Im Triumphzug simuliert die Armee die Macht, die sie zugunsten der Stadt aus der Stadt fernhalten muss. Wenn der Triumphzug, der einen realen Sieg nachträglich feiert und unter Beweis stellt, plötzlich innerhalb der Mauern der Stadt zu einem realen Einsatz der Armee umschlagen würde, dann wäre die Anwesenheit der Armee in der Stadt ein Zeichen, ein Signal für das Ausbrechen des Bürgerkriegs.


Antwort auf dieses Posting von Franz:

Wie sollte aber dann ein Stadtraum für solch eine Übung für den Ernstfall wie das Fritz-Manöver aussehen?


Antwort auf dieses Posting von Katherina Zakravsky :

Die Manöver sollten auf neutralem Gelände stattfinden. Das Gelände sollte sozusagen Niemandsland sein, so dass alles, was auf ihm stattfindet, und sei es noch so brutal, und brutal muss es sein, denn sonst könnte es ja nicht als Aufbau von Stressresistenz für den Ernstfall dienen, im Niemandsland geschehen ist, als wäre es nicht wirklich geschehen.


Antwort auf dieses Posting von Fritzpunkt:

Den Verlauf des Fritz-Manövers bestimmt der abgegrenzte Zeitraum, der vonnöten ist, die Waffengattung "Lesen" zu steuern.


Antwort auf dieses Posting von Katherina Zakravsky:

Das Manöver soll sich für alle Beteiligten so echt wie möglich anfühlen, aber es darf keine wirklichen Konsequenzen haben. Die Gewalttätigkeiten, die an den Rekruten begangen werden oder die Rekruten an anderen Rekruten begehen, werden nicht geahndet. Das Niemandsland kennt keinen Richter und keine Gerichtsverhandlung. Dieses Gelände ist nicht umkämpft, nicht Gegenstand eines wirklichen Krieges, es gehört niemandem und niemand beansprucht es. Es ist nicht strategisch umkämpft, das Niemandsland ist der Ort, wo die Taktik in reinster Form zutage tritt. Ein Ort ohne Namen, ohne Bedeutung...


Antwort auf dieses Posting von Fritzpunkt:

oh nein doch, ein adornitischer Wiesengrund...
"Die Taktik als die Kunst, mit Hilfe lokalisierter Körper, codierter Tätigkeiten und formierter Fähigkeiten Apparate zu bauen, ... stellt zweifellos die höchste Stufe der Disziplinartechnik dar."
Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main 1994, S. 216

 

10. 08. 2006

 

13.39 Uhr 

 


Leicht aussichtslose StellungNahme oder GegenüberStellung im öffentlichen Raum. Oder: Manöver gegen Burger. Oder einfach nur ein Messverfahren zur Errechnung der adäquaten Größe eines Fritz-Manöver-Transparents. Das bisher bei öffentlichen Kundgebungen angewandte tragbare Transparent scheint jedenfalls - wie figura zeigt - auf der sog. Stadtwildnis etwas zu klein geraten zu sein...

 

 

18.59 Uhr 

 


Die Notizen werden fahriger, die Entzifferungsleistung höher...

 

11. 08. 2006

 

14.55 Uhr 

 


1. Aufruf zum Fritz-Manöver am Margaretengürtel

An alle potentiellen Fritz-Manövrantinnen und -Manövranten:

Sie und 1356 Personen lesen am 11. September 2006, dem 103. Geburtstag von Theodor Wiesengrund Adorno, gleichzeitig 1357 Blätter des Romans Naturgemäß II der Autorin Marianne Fritz auf der Stadtwildnis Gaudenzdorfergürtel. Nur heute, nur einmal.

"Die Struktur des Roman-Ganzen - ebenso diejenige der einzelnen Bücher und Kapitel, und letzlich sogar die des einzelnen Satzes - ist bestimmt durch die Erfahrung der "unendlich verwobenen Fläche" und hat sie wiederzugeben und aufzuzeigen; dies dann mit aller denkbaren Radikalität und Konsequenz."
Heinz F. Schafroth

WWW.FRITZMANOEVER.AT
11. September 2006, 19 Uhr
U4 Margaretengürtel, Wien

 

12. 08. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 30 Tage bis Fritz-Manöver

 

14. 08. 2006

 

14.07 Uhr 

 


Zeichnerische Vorstellung propagandistischer Machinationen auf dem Wiesengrund (mit anschliessendem heftigen Disput über
Werbestrategien vor Ort)

 

 

17.20 Uhr 

 

Aus dem Theorie-Forum zum Fritz-Manöver:


2064 Theorieanwendungs-, Urteils- und Leerzeichen
von Elisabeth Steger

Das Fritz-Manöver des Fritzpunkt
zu "Nein Illäwen"
handelt vom Manövrieren von Teilen.
( eben NICHT "elfter September":
es gibt keinen Übersetzungs-Fehler,
sondern einen Übersetzungs-Überschuss,
nicht tolerierbaren
Übersetzungs-Überschuss )

Es ist in gewisser Hinsicht so,
dass geordnete sprachliche Mengen
geordneten Menschen Mengen entsprechen
( nach Ralf B. Korte / Bombenpost und
andere Flyer / Statement zwei )
Dies angenommen und vorausgesetzt,
beschließe ich mit dem Schluss:
Aus einem Subjekt zentrierten,
selbst bezüglichen, Dichterinnen
Gang durch einen Garten
nein, ein Feld, nein,
eine Schlacht, nein
einen Krieg, nein,
ein Kriegsschlachtfeld
( und dieser Gang definiert sich
durch emotionale Vertiefung )
zieht die Manöver-Leitung
Interpretationen für ein
Objekt zentriertes,
Nutzer bezogenes Ding,
dessen Reiz in der Vermittlung
verfolgbarer Struktur Merkmale liegt.
Das Manöver repräsentiert Zugangs
Bedingungen zur Sphäre des Austausches
geordneter sprachlicher Mengen:
ist also hierarchische Pforte.
Diese Objekt zentrierte Menge,
die entstehen soll, kann als
außen gelenkt definiert werden -
der Reiz liegt eben in der Herstellung
geordneter Formationen
zur Strukturierung,
in deren Entwurf.
Es gibt einen Lageplan,
Bedienungsanleitung,
Index.
Zeit wird eingefroren
- "Nein Illäwen" -
für die Draufsicht
( der nächste Schritt nach transparenter
selbst-repräsentativer
Durchsicht/ Verschleierung )

"Nur militärische Subjekte:
in die anstelle der Subjekt Zentrierung
eine Kombination von Subjekt Motivation
und Projekt Bezogenheit eingepflanzt wird:
sind imstande: für eine Weile Waffen
Subjekte zu steuern oder zu sein.
Der Rest ist Zielgebiet" ( Statement sechzehn )

Da ich nicht Gast war,
weder militärisches Subjekt sein kann
( da ich nicht motiviert arbeite
und auch nicht projektbezogen )
noch zum Zielgebiet gehören möchte,
habe ich mich also innerhalb
und rund um das Fritz-Manöver
herum aufgelöst.
Und fühle mich in diesem Zustand
zuhause und wohl.

Statement
Elisabeth Steger, geb. 19.9.1964

 

21. 08. 2006

 

14.01 Uhr 

 


Das Manöver scharf machen!
und
Regeln für die Nachbereitung

 

22. 08. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 20 Tage bis Fritz-Manöver

 

23. 08. 2006

 

15.39 Uhr 

 


2. Aufruf zum Fritz-Manöver am Margaretengürtel:

An alle potentiellen und tatsächlichen Fritz-Manövrantinnen und -Manövranten:

1
Sie und 1356 Personen treffen einander am 11. September 2006, dem 103. Geburtstag von Theodor Wiesengrund Adorno, auf der Stadtwildnis bei der U4-Station Margaretengürtel. Ihr laminiertes Faksimile-Blatt aus dem Roman Naturgemäß II der österreichischen Autorin Marianne Fritz erhalten Sie spätestens um 19 Uhr unter dem Transparent "Fritz-Manöver", werden einem von drei "Taillenbaonen" zugeteilt und lesen gleichzeitig mit den anderen 1356 Personen Ihren Text.

2
Dies getan, nehmen Sie und 1356 Personen in der Fritz-Dämmerung das jeweils gelesene Blatt mit nach Hause, ins Büro, in die Datscha usw., geben unter buero@fritzpunkt.at oder telefonisch unter 0699 11685616 Seitenzahl und Adresse des Orts an, wo sich die Seite Ihrer Meinung nach befindet. Der Fritzpunkt macht aus diesen Informationen eine über http://www.fritzmanoever.at zugängliche Landkarte der auf Reise gegangenen Fritz-Seiten. Jede rückgemeldete Seite wird in diese Landkarte eingescannt, sodaß mit der Zeit eine für alle Lesenden zugängliche Fritz-Manöver-Fassung des Romans Naturgemäß II von Marianne Fritz ensteht. Je mehr Rückmeldungen, desto vollständiger die für Sie und 1356 Lesende erstellte Fritz-Manöver-Textfassung im Netz.

3
Wer das Fritz-Manöver gerne im voraus gedeutet haben möchte, möge mit der folgenden kleinen Auswahl vorlieb nehmen:

Das Fritz-Manöver: Eine statistische Sofortmaßnahme / Eine beinahe soziale Plastik / Ein Wörtersee / Eine innerstädtische Textniederlage / Ein Wirklichkeits-Tagging / Ein zeitgenössischer (Theater)Chor / Ein ultimatives Volkstheater / Eine postdramatische Selbstautorisierung / Eine Übung für den Ernstfall / Eine Altlastentilgung / Eine Marianne Fritz-Maßnahme / Eine Mobilisierungs-Strategie / Ein Bildungsablaß / Eine Alphabetisierungskampagne für Zeichenleser.
Oder einfach die einzig mögliche Umsetzung des Romans Naturgemäß II.

Eine Handreichung zur (Fritz)Manöver-Praxis von
Fritzpunkt
Büro für theatralische Sofortmaßnahmen

WWW.FRITZMANOEVER.AT
11. September 2006, 19 Uhr
U4 Margaretengürtel, Wien

 

25. 08. 2006

 

17.31 Uhr 

 

Aus dem Theorie-Forum zum Fritz-Manöver:

von Andi M-P:

Wenn sich die vielen versammeln, bilden sie dann eine Gemeinschaft für kurze Zeit, eine Art Instant-Ritualgemeinschaft, oder sind sie nicht vielmehr ­ Manövriermasse?


Antwort auf dieses Posting von Katherina Zakravsky:

Ein Ritual ist wie ein symbolisches Manöver, das nicht auf den Ernstfall vorbereitet, sondern den Ernstfall ersetzt. Wenn eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen zwei Dörfern durch ein Fest ersetzt wird, auf dem "Kriegstänze" aufgeführt werden, ist das eine klare metaphorische Entschärfung der kriegerischen Handlung. Es ragt aber oft genug noch ein Klumpen des Ersetzten bedrohlich in den metaphorischen Ersatz hinein, so wie bei jenem großen Schweineschlachtfest "Kurumugl" auf Neuseeland, wo im Zuge der ziemlich aggressiven Tänze dann doch ein üppiges Feld des Gastgeberdorfes wirklich zertrampelt wurde, wie Richard Schechner in "From Ritual to Theatre and Back" berichtet.

 

30. 08. 2006

 

14.05 Uhr 

 


Grundsätzliche Bemerkungen zur Arbeitsmethode des Fritzpunkts und je 1 Statement zum Fritz-Manöver