15. 07. 2004

 

22.11 Uhr 

 


Fritzpunkt mit Hammer und Amboß
Alte Schmiede Wien
15. 19. und 20. Juli 2004, jeweils 19 Uhr


Fritz anwenden , wieder einmal in der Fremde.
Um die Ecke unserer jetzigen Postgassen-Homebase, in der wiedereröffneten Schmiedewerkstatt in der Schönlaterngasse. Ein gänzlich ausdefinierter Raum der Arbeitswelt des 19. Jahrhundert gibt Gelegenheit, Texte des 1. Weges aus Naturgemäß I , die sich mit Kinderabeit im Galizien des ausgehenden 19. Jahrhunderts befassen, als szenische Litanei anzuwenden. Die Mischung aus gelesenem und frei gesprochenem Text endet mit dem folgenden Text und bleibt diesmal - vom Abgang aus der Schmiede abgesehen - frei von umgangssprachlichem Eingehen auf das Publikum:


"Und nun erhebe ich mich, dem Huf habe ich meine Fratze abgerungen, diese Verstiegenheit, wie sie die die Ohnmacht in ihr Gegenteil versteigt, bis sich die Ohnmacht erkennt nicht wieder, zerfließe der Vorgang, ihn heben: den Kopf; das Zeitloch dann zuweben, anfüllen, das Zeitloch anfüllen mit Sinn? Da ist kein Sinn im Zeitloch zuhause, im Zeitloch ist das Nichts nicht zuhause, nichts ist im Zeitloch zuhause, entnehme einer nicht leichtfertig dem Zeitloch die Hoffnung, nun kommt aber er: der Aufstand der Fratze ist das. Da fehlt was, das Zeitloch hats verschluckt? Nicht einmal verschlungen hat das Zeitloch; auf das Verschlingen weist der hin, der Verdacht, haarsträubender Unsinn türmt sich im Sinn auf, da stimm noch etwas, nichts ist hier mehr Stimme und nichts stimmt mehr. Nicht suchte einer die Ordnung im Chaos, im Chaos die vollkommene Ordnung ungeschützt sei? Das Gegenteil ist der Fall; nirgendwo war die Ordnung so vollkommene Ordnung wie im Chaos. Diese vollkommene Ordnung erträgt kein unvollkommenes Wesen, es begreift sie schlicht nicht, denn es ist angewiesen auf den Vergleich und die vollkommene Ordnung läßt sich nicht vergleichen. Sie ist der vollkommene Stillstand und die vollkommene Bewegung in einem; was alles die vollkommene Ordnung sein mag, weithin war diese Ratlosigkeit nicht zu sehen, auch diese Hilflosigkeit nicht, die versuchte, mühsam zu ordnen, was perfekt geordnet: jedem Ordnungsbemühen die Grenzen anzeigte. Das Chaos. Es ist deine Grenze! Merk sie dir endlich! Wie kann das ein unvollkommenes Wesen begreifen? Was es nicht begreifen kann, wird es rasch wieder vergessen; denn das Begreifen ist an den Begriff gebunden, an das Wort, an die Sprache, nicht an das Bild. Die Verbindung des Begreifens mit dem Bild ist so vergeblich wie die verzehrende Sehnsucht des Nichtsehens, es könne sein: ohne Sehvermögen. Das Nichtsehen verweist auf das Sehvermögen, wie kommt das Nichtsehen dazu dermaßen unauflöslich mit dem Sehvermögen verknüpft zu sein? Wie kommt das Dasein des Nichtsehens dazu, das Dasein des Sehvermögens zu sichern? Gleich wie immer das sei, es leichter war, dem Sehvermögen und dem Nichtsehen die Triebkräfte zu übertragen und sie zu beleben mit dem, was gewesen sein wird."
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996

 

20. 07. 2004

 

19.20 Uhr 

 


Die Titel der Naturgemäß - Trilogie,
Bestandteil des Festungsprojekts der
Marianne Fritz:

Naturgemäß I
Entweder Angstschweiß
Ohnend
Oder Pluralhaft

Naturgemäß II
Es ist ein Ros entsprungen
Wedernoch
Heißt sie

Naturgemäß III
Oder doch
Noli me tangere
"Rührmichnichtan!"