05. 06. 2007
20.20 Uhr
Klandestine Notizen,
zur Entzifferung freigegeben.
Tippt sich da einer an die Stirn?
12. 06. 2007
20.43 Uhr
Nach mehrmaligen Besuch des Recyclinggeländes wird die Etablierung einer "Wortgrube" inmitten des
Geländes endgültig verworfen (damit auch die bereits erwähnte Tournee-Anordnung); die schon angedachte Benutzung von Funkgeräten auf dem etwa 70 000m2 grossen Areal wird erstmals getestet und für gut befunden. Der Einsatz von technischen Geräten impliziert grundlegende Haltungs-Veränderungen des September-Projekts, dessen Titel Der Unterschied wird nicht verschieden - Im Stellungskrieg der Zuschaukunst immer augenfälliger wird. Dank an Marcelo Gama, Ulrich Beckefeld und Arne Vogelgesang!
16. 06. 2007
12.16 Uhr
12.17 Uhr
Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen präsentiert:
Ein kurzer, zweiteiliger Briefverkehr in zeitgenössicher Bettelei mit allzuvoraussehbarer, verwerflicher Frage
und allzuvoraussehbarer, korrekter Antwort
als Kommentar zum 11.5.2007 .
18. 06. 2007
12.36 Uhr
Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
zeigt an:
Ausfall 2
Maßnahme Marrakesch
Im Januar dieses Jahres hat das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen im Rahmen seiner langfristigen Privatisierungsstrategie die Dachmarke "Stadt Theater Wien" zur Weiterführung der bisherigen Geschäfte offiziell der Stadt Wien überantwortet (siehe: www.stadttheaterwien.at ). Zur Ermöglichung einer Konzentration auf unsere Kernkompetenzen war es in einem zweiten Schritt notwendig, unsere Kapitalisierungsstrategien von denen der öffentlichen Hand zu entflechten und das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen durch Ablösung der MA7 zu verschlanken. Dank des erfolgreichen Downsizings sind wir nun in der glücklichen Lage, den komplexen Herausforderungen des globalisierten Zeitalters mit einem ressourcenorientierten und flexiblen Reagieren zu begegnen.
Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen freut sich, die Verlagerung seiner Aktivitäten in ein globales Umfeld bekanntzugeben. Nach dem ersten Ausfall, in dem es im Wiener Globenmuseum noch um häusliche Darstellungsarten von Welt ging, präsentieren wir Ihnen im Rahmen des zweiten Ausfalls das erste Etappenziel unserer langfristigen Reise in die Privatisierung, die das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen rund um den Globus führen wird:
Der erste Arbeitsaufenthalt im globalen Markt findet vom 18. - 28. Juni 2007 im marokkanischen Marrakesch statt. Untersucht werden mit der Maßnahme Marrakesch vor allem Rituale der Handelns mit knappen Gütern, Auswirkungen des freien Waren- und Dienstleistungs- Verkehrs am Rande des Festungsprojekts Europa, Tourismus- und Migrationsproblematiken sowie die Belastbarkeit der eigenen Human Resources unter wüsten Bedingungen.
Sie erreichen uns in Marrakesch am besten unter
+43 699 11685616 . (Noch nicht gesenkte Roaminggebühren beachten!)
Mit Dank für langanhaltende Aufmerksamkeit
und besten Wünschen auf Ihrem privaten Weg,
Ihr Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
Informationen und Impressionen unter:
+43 (0)699 11685616
buero@fritzpunkt.at
Fritzpunkt
Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
Ein Konzept des überantworteten Stadt Theater Wien
Büchel Hahnl Mertin und Co.
PS. Entweder zu viel. Oder zu wenig. Der Unterschied wird nicht verschieden.
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996
19. 06. 2007
12.01 Uhr
Einstieg zur Maßnahme Marrakesch :
"Obzwar er kein Wort verstand, wurden sie rasch handelseinig, im übrigen ließ sich nicht viel zu der Kundschaft sagen, wahrscheinlich kam sie von weither, wahrscheinlich war sie das, was am besten erfaßt wurde mit der Aussage, ein Weltenbummler? Ein Reisender, aufgeschlossen, freundlich, zuvorkommend, bezahlend,
im übrigen die Menschen begutachtend, als wären sie seltsame Tiere und er mitten unter ihnen der einzig erhabene Anblick, der einzig wahrhaftige Mensch."
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996
20. 06. 2007
14.32 Uhr
Namensüberlegungen:
Stadt Theater Wien mit horizontal durchgestrichenem Wort Wien als neue Schreibweise unseres Ursprungsnamens, einhergehend mit der zwangsweisen Entbindung von der sog. öffentlichen Hand ? Bedeutet das Arbeiten auf privatem Fuß ? Oder noch kürzer, treffender dem methodischen Interesse angenähert, einen Hinweis von Peter Waterhouse aufnehmend: Stadt Theater Wie ?
22.40 Uhr
Im folgenden die (unkommentierte) Wiedergabe einer email-Nachricht, die das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen heute abend erreicht hat, mit der beigefügten Anmerkung, daß ein "Freund aus dem Waldviertel folgende Geheimbotschaften" zu unserem Marokkoausfall empfangen habe:
Soziale Tragödie - 300 Arbeitsplätze gefährdet
Wien. Eine soziale Tragödie von ungeheurem Ausmass erschüttert zur Zeit die Öffentlichkeit. Durch die Unverantwortlichkeit eines berüchtigten Künstlerkollektives sind über dreihundert Arbeitsplätze gefährdet. Das besagte Künstlerkollektiv hat in einer Nacht-und Nebelaktion die allseits beliebte Magistratsabteilung 7 einfach abgestossen ! (`Downsizing` nennt man das im Künstlerjargon ...)
Trotz sofort eingeleiteter Umschulungsmassnahmen seitens des AMS bleibt die Lage weiterhin enst. Zur Zeit können den, fassungslos vor ihrem Ruin stehenden, Magistratsbeamten nur ein Diabolokurs angeboten werden sowie eine Astronautenausbildung in besonderen Härtefällen. (Der namhafte Architekt Hohlhand hat sich spontan bereiterklärt, in Zeltweg eine provisorische Abschussrampe aus Plexiglas dafür zu entwerfen - Kosten ca. 15 Mill. Euro).
Nach bislang unbestätigten Meldungen wurden die dreiunddreissig Kuratoren und Kuratorinnen, die nun ebenfalls arbeitslos sind, in den Wäldern rund um Sibiu (Hermannstadt) gesichtet, wo sie verzweifelt versuchen, einer ahnungslosen Bevölkerung Schnürsenkel als Kunst zu verkaufen.
(Es folgt ein Foto eines einsam irrenden Kurators in den transsilvanischen Wäldern)
Die Angehörigen der Betroffenen haben sich in der Zwischenzeit an das Europäische Amt für Harmonisierung in Brüssel (vormals Salzamt) gewendet und es wurde in einem ersten Verfahren die mögliche Einleitung sofortiger Hilfsmassnahmen ab 2014 in Aussicht gestellt. EU-Prediger Balthasar Vischler ist dazu eigens von Hütteldorf nach Heiligenstadt geflogen, um sich persönlich vom Ausmass der Katastrophe zu überzeugen.
Das Künstlerkollektiv hingegen hat fluchtartig die Stadt verlassen und befindet sich zur Zeit angeblich in Casablanca, nachdem ihm, wegen der mitgeführten kubanischen Zigarren, die Einreise in die USA verweigert wurde.
eine apa-Meldung (art, poor art)
29. 06. 2007
21.30 Uhr
Ein Umsichschauen auf einem europäischen Markt
(des frühen 20. Jahrhunderts):
"Pulverhörner aus Holz, Pulverhörner aus Horn, ob er nicht dort auftauchte, zogen ihn die Waffen an, die kleinen Fäßchen, die Dosen? Oder war er, wo die Fässer waren; die Tröge, Kannen; die Kübel, Schüsseln und Teller? Nein? Schnapsfäßchen, Schubkarren, Rechen und Heugabeln, dazwischen er? Nein? Bei den Spindeln, auch nicht? Stöcke griffen andere an, er nicht? Weder bei den Pfeifen noch bei den Stiefeln; er könnte Strohmatten betrachten, feilschte er nicht bei den Bienen- und Fruchtkörben? Nein; in der Gasse der Korbflechterei war er auch nicht. Korallen, ob echt oder unecht, Glasperlenketten, Ringe: zog ihn der Schmuck an, trieb er sich beim Schmucktisch herum! Ließ er sich gehen, ließ er sich hinreißen; studierte er, was sie anzubieten hatte, für wen? Ob er nicht bei den Sensen war? Das war doch sein Reisesack! Zwar war der Reisesack aus Rehhaut, der trug ihn wie er, aber war es nicht. Weder bei den Sensen noch bei den Holzgefäßen; weder bei den Besen aus Fichtenreisern noch bei den Branntweinfäßchen; weder bei den Scheren noch bei den Pelzen; weder bei den Mausefallen noch bei den Gehstöcken; weder bei den Viehtrögen noch bei den Schleifsteinen; weder bei den Ziergefäßen noch bei den Schöpflöffeln?! Weder bei den Wiegen auf Stricken noch bei den Handmühlen; weder bei den Tragbahren noch bei den Mörsern. Aus Holz waren sie und für Salz, mit einem Stein als Stempel. Hielt er nicht den Mörser für Pfeffer in der Hand? Hielt er nicht."
Marianne Fritz Naturgemäß I, 1996