01. 06. 2006

 

10.40 Uhr 

 


Fritzpunkt
in der Expositur E4
Eitelbergergasse 4
A - 1130 Wien
U4 Hietzing und zwei Stationen Strassenbahn 60 bis Gloriettegasse


Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
lädt zum

Weiterlesen Richtung Fritz-Manöver
Juni / Juli 2006

Beginn:
(NGI,S.1ff)
Donnerstag, Freitag und Samstag
1. 2. und 3. Juni 2006 , jeweils 14 - 18 Uhr


undsofort, bis Ende Juli...

 

 

19.36 Uhr 

 

www.fritzmanoever.at ist online.

 

 

23.51 Uhr 

 

MF FM
M
arianne F ritz F ritz- M anöver
Sogar die Anfangsbuchstaben sind einander eine Entsprechung. Ich glaube ganz unbeirrbar, daß für NG II keine adäquatere Aufführungsart zu finden ist.
Der 11.9.2006 ist zudem der 103. Geburtstag von Theodor Wiesengrund Adorno. "Auf der Wolke saß o-dorn-A, rezitierend, hört man ihn nicht, o-dorn-A: singt;"
Marianne Fritz Naturgemäß I, S. 456

 

02. 06. 2006

 

09.05 Uhr 

 

Ich würde Sanduhren nehmen, viel, ganz viele, fast abgelaufen sollen sie sein und in Formation stehen.

 

 

21.00 Uhr 

 

Das Fritz-Manöver kann auch als Altlastentilgung gelesen werden: wir tragen die Schuld ab, gegen Sätze wie "Marianne Fritz ist wahrscheinlich die ungelesenste Autorin überhaupt - noch vor Hans Henny Jahnn, Arno Schmidt und Robert Musil." (K.Cerny) nach über vier Jahren Beschäftigung mit dieser Autorin noch immer nicht genug unternommen zu haben. Jetzt endlich lernt Mann/Frau im Fritz-Manöver die Literatur der Fritz
kennen, und gleich 1357 Mann/Frau auf einen Schlag...

 

03. 06. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 100 Tage bis Fritz-Manöver

 

 

13.38 Uhr 

 


"... weil die komplexe Gesamtstruktur des Werkes so angelegt ist, daß diese Komplexität sich in jedem Ausschnitt zu spiegeln scheint." (Friedhelm Rathjen, Das innere Flußsystem, Lektürebericht zu Marianne Fritz: Naturgemäß II, S.43 in: Durch dick und dünn, Scheßel 2006 ): Zumindest ein starkes Argument für den Gedanken, daß eine Seite von Naturgemäß II das gesamte Textmaterial zu repräsentieren versteht. Und für eine ganze Reihe weiterer Vorgehensweisen...

 

04. 06. 2006

 

00.02 Uhr 

 

Fundstück:

"Demokratische Legitimation hat in der Kunst nichts zu suchen."

 

05. 06. 2006

 

17.02 Uhr 

 

Eine Art Anzeige:

Weiterlesen Richtung Fritz-Manöver , eine partizipatorische Reise durch den Roman
Naturgemäß I der österreichischen Autorin Marianne Fritz als (un)abdingbare Voraussetzung für das voraussetzungslose Fritz-Manöver , das am 11. September 2006 in Wien stattfinden wird. Das Fritz-Manöver : die postdramatische Selbstautorisierung par excellence. Mehr in Bälde auch auf diesem Kanal.

 

06. 06. 2006

 

12.22 Uhr 

 

...überall Zahlen sehen, Zahlen, nichts als Zahlen? Muß ich nun mein ganzes Vermögen einsetzen um sie zu vermehren, der Rest ist überflüssig? Grenzenlose Selbst-über-Schätzung! Wie soll ich diesem Muß entkommen? Das Muß ist nicht müde, das Muß ist nicht grantig, nichts ist das Muß, was ich bin. Sagenhafte Ordnung. Unvollkommenes Wesen. …muß ich nun…

 

 

21.01 Uhr 

 

Gespräch mit A. T. über das Fritz-Manöver : Stadtschulrat / Heute / Bezirkszzeitung / Lotte Tobisch, Paul und die Erzählung von Lenin und Marx / die progressive Paralyse als Zustandsbeschreibung eines österreichischen Verhaltens mit Namen Politik / gründliche Arbeit. Danke!

 

07. 06. 2006

 

11.11 Uhr 

 

wenn der krieg im text sitzt, wie kommt er dann vom text in den knochen? oder sitzt er da schon, im knochen, und will aufgescheucht werden? wenn sich der kieferknochen in den sitzknochen verlängert, ist das dann schon krieg oder eben gerade nicht? es sind doch verlängerungen und verkürzungen allenthalben, dehnungen, stauchungen, zerrungen im satzfleisch allenthalben, aber was dehnt sich dann in meinem kiefer oder dahinter, wenn der satz sich dehnt? und wer oder was wird satt, wenn das sitzfleisch schmatzt?

 

 

14.10 Uhr 

 

Gespräch mit D.B. und P.G. über das Fritz-Manöver : Kontextualisierungsnotwendigkeit
einer Dokumentation / Insistieren auf einem Anweisungsset im Manöver selbst / die Dokumentation von Einzelpersonen als pars pro toto / ein Wald von Telefonzellen. Danke!

 

 

20.12 Uhr 

 

Gespräch mit W.B. über das Fritz-Manöver :
Sicherheitspersonal, mindestens 50 / höchstens 100 werden kommen / der objektive Grund, um den (Wiesen)Grund aufzusuchen? / das Manöver als paradoxer Vorgang / und der alte Kater. Danke!

 

08. 06. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 95 Tage bis Fritz-Manöver

 

 

14.11 Uhr 

 

 

 

14.22 Uhr 

 

Gespräch mit B.F. über das Fritz-Manöver :
das Manöver nur für Theaterleute zugänglich machen! / das Wiener Zentrale Schauspiel-Register will angelegt sein / was hat der gemeine Soldat davon, einberufen zu werden? Danke!

 

09. 06. 2006

 

20.32 Uhr 

 

Wie soll ich die völlig verschiedenen Blickwinkel sortieren? Mein Feldherrenverhalten ist ja dank vieler
undurchsichtiger Gründe nicht voll entwickelt. Noch 94 Tage bis zum Geburtstagsfest auf der Stadtwildnis Gaudenzdorfergürtel. Was dort gewesen sein wird, muß noch Jahre später die Schatten vorauswerfen, aber wie soll das geschehen? (Aber man soll mit der Grausamleit nicht beginnen...)

 

10. 06. 2006

 

14.12 Uhr 

 

Erinnerung an die Äusserung von Sloterdijk am Mittwochabend: Kooperation als (hilfreiche) gegenseitige Behinderung. Na dann, laßt uns kooperieren!

 

12. 06. 2006

 

16.16 Uhr 

 

...muß ich nun überall Verbindungen sehen, Stricke, Spinnen, Li Tau en ? Denn wenn, ich mir z.B. den Otto Grünmandl anschaue ("Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn` ich mich aus) und er sagt: der Sinn ist im Unsinn und in der nächsten Szene kocht er kurios eine Suppe, lach ist Sup, und dann sprichter wieder vom Chaos und der Ordnung, dann muß ich nun überall Verbindungen sehen, Stricke, Spinnen...

 

13. 06. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 90 Tage bis Fritz-Manöver

 

14. 06. 2006

 

19.41 Uhr 

 


Zum Umgang mit und in der Festung, mit und im Fritz-Manöver:

"Legt die Festungsordnung diese unsäglich unförmigen Festungstatzen, die keinerwirklich von seiner Schulter klopfen kann, zumal sie tatzenlos, hinterhältigst zuschlägt und nicht sich fassen läßt, stets siegt und mustergiltig wird alles gelöst, falls kein allzu unbedacht rebellierender, der Widerrede schrecklich verhaftet bleibender ja schier unmöglicher eigener Gang zum Ausgang wird aus dem Festungskomplex; auf daß gefunden werde der Eingang zum Orte, der alles rollend in gleich=gültig rollende Bewegungsabläufe zu verstricken vermag, ohne daß es gäbe die Möglichkeit, es zu ahnen nicht nur, es zu wittern nicht nur, es gerade zu fürchten: diesem Raum mit seinen Tiefendimensionen sind zwei nicht gewachsen, zumal ihnen schon der Festungskomplex etwas zu undurchsichtig geraten ist; ..."
Marianne Fritz Naturgemäß I, S. 386

 

 

22.43 Uhr 

 

Aus dem Theorie-Forum zum Fritz-Manöver:

Jedenfalls fürs Fritz-Manöver schlagend:
von Fritzpunkt

"Denkt man die skizzierte Transformation des Theaters zu einem Möglichkeitsraum weiter - und die neuere Theaterentwicklung gibt dazu Anlaß - so muß man feststellen, daß Brechts Formel vom "Theater ohne (passive) Zuschauer" gar nicht weit genug geht. Will man die Transformation im Konzept der Inszenierung reflektieren, so stößt man vielmehr nach dem Theater ohne Zuschauer auf die darin implizite, aber noch nicht wirklich gedachte Formel eines "Theaters ohne Schauspieler". Es geht tatsächlich um die Eröffnung eines möglichen Theaters ohne - bloße - Schauspieler, also eine Weise der Inszenierung, die nur noch marginal - oder überhaupt nicht mehr oder nur als Katalysator - ein Schau-Spiel schafft. An seine Stelle tritt eine Szene, ein Environment, eine Situation, eine Präsentation, in der vor allem die Wahrnehmungen, Gesten, Einstellungen und Handlungen künftiger/potenzieller Zuschauer (aber sind sie noch Zuschauer?) zum Gegenstand der Inszenierung werden. In diesem Sinne scheint es, daß Brechts Lehrstückmodell und bestimmte neue Theaterformen sich gegenseitig zu erhellen vermögen. In beiden Feldern stellt sich die Frage der Inszenierung. Nur scheint unbestreitbar, daß die Schaffung der Möglichkeitsräume im neuen Theater nur sehr indirekt wenn überhaupt politisch gedacht oder von dem politischen Pathos begleitet ist, das die das Publikum aktivierenden Theaterformen noch der 70er Jahre und erst recht Brechts Lehrstückidee aufwiesen. Gerade aus diesem Grund aber scheint die theoretische Engführung des Lehrstücks mit den Formen des jetzigen "vor-läufigen" Theaters erhellend."
Hans-Thies Lehmann Das Politische Schreiben, 2002

 

18. 06. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 85 Tage bis Fritz-Manöver

 

 

20.33 Uhr 

 

Wie geht das zu! Ein Gedanke, eher ein trotziger Widerspruchsgeist, greift nach einer längst in Widerstandskämpfen Ermüdungserscheinungen ausgesetzten Form, und schon bestimmt die Scheinmaßnahme ihre wellenartige sich verbreitende
Charakteristik. Die Interpretationsvorschläge häufen sich schon vor dem eigentlichen Geschehen. Jede noch so befremdliche Deutung verlangt ihr Recht, ganz
ernsthaft in Betracht gezogen zu werden. Das Manöver hat begonnen, noch bevor man das Signal gesetzt hat.
Nur die kleiner werdende Zahl der Tage bis zum Ereignis - Noch 85 Tage bis zum Fritz-Manöver! - ist der Rest des objektiv wahrnemhbaren Druckes.

"Uf!
wir sind dumm
wir sind weibisch
wir sind zänkisch
wir sind neidisch
Uf!
wir sind verlogen
wir sind diebisch
wir sind drückebergerisch
wir stehlen wie die Elstern
Uf!
wir sind verfressen
wir sind versoffen
wir wollen weder lesen noch schreiben
wir sind so faul
und träge und"
MF NGI, S.309

 

19. 06. 2006

 

11.32 Uhr 

 

...muß ich nun all die Grausamkeiten entziffern? Was geht mich ein Oberst an, die Brigaden, Schwadrone oder der Feldschall? Was bitteschön R A S E N H U und warum muß alles immer auf dem Rad kreisen, rasen. Geburtszangen ?
A
AA
AUA
AUUA
AUUUA
AUUIUUA ...

 

20. 06. 2006

 

15.37 Uhr 

 

Telefongespräch mit Sabine Kock (IG Freie Theater)
wegen des für die Juli/August-Ausgabe des GIFT abgegebenen Textes (Seite eines fiktiven Lehrstücks mit dem Titel: Das Fritz-Manöver / Lehrstück mit Gesang , zusammengesetzt aus Texten verschiedener Leute aus der Wiener Theaterszene und Marianne Fritz-Zitaten und -Figuren):
Was mir - immer wieder - auffällt: Öffentliche Auseinandersetzung wird im Privaten vorformatiert und abgesichert, und in der sog. (sei es nun eine mediale oder körperlich vermittelte) Öffentlichkeit wird in der Folge ein Schauspiel der Pseudo-Kritik inszeniert, dieweil sich alle (scheinbaren) Kontrahenten offstage permanent ihrer Wichtigkeit (für den Erhalt des status quo?) versichern. Als müßt ich meine Privatheit (?) vor dieser (sedierten) Öffentlichkeit (?) schützen...

 

21. 06. 2006

 

18.57 Uhr 

 


Ein Fritz-Manöver mit etwa 15000 Teilnehmenden

 

23. 06. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 80 Tage bis Fritz-Manöver

 

 

11.11 Uhr 

 

"Auch wenn uns das Undurchdringliche, das sperrig Dichtgefügte, das geordnet Ungeordnete an Marianne Fritz` Riesenprojekt Naturgemäß (das wiederum Teil ihres Lebenswerks Die Festung ist) immer wieder absichtsvoll auszuschließen scheint: zumindest eine Annäherung ist immer möglich, und vielleicht kommen wir unverhofft doch hinein in die Festung, wenn wir sie nicht frontal zu stürmen versuchen, sondern die weiße Fahne schwenken und uns ihr ergeben."
Friedhelm Rathjen Durch dick und dünn , 2006

 

 

16.48 Uhr 

 

Aus dem Theorie-Forum zum Fritz-Manöver:


Das Fritz-Manöver
Lehrstück mit Gesang

Besetzung:

Der Zeitgott: Josef Szeiler
Die Tite-Tute-Tete-Sphinx: Claudia Bosse
DennWenn: Miki Malör
Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber:
Chor der Fritzpunkte

Im folgenden geben wir S. 17 aus dem noch unveröffentlichen Manuskript wieder:

.....

Der Zeitgott:
(rauchend) Grundprinzip ist, daß man das Theater verändern muß. Ich glaub dir; glaub du mir. Und machen wir einen Zeitenwirbel. Das ist der Ausgangspunkt, und wenn man das will, muß man die Grundstruktur verändern. Du leihst mir die Kostüme und ich leih dir mein Zeitgefühl.

Die Tite-Tute-Tete-Sphinx:
(schnippisch) im aufeinandertreffen von ästhetischen interventionen an orten mit benutzerinnen und zuschauerinnen wird raum produziert: soziale prozesse werden ausgetragen, analysierbar, im besten falle agierbar gemacht im aushandeln von rhythmen, raumvorstellungen und nutzungskonventionen.

Chor der Fritzpunkte (als Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber):
10 Minuten. In 10 Minuten ist alles vorbei.

Der Zeitgott:
(rauchend) Es geht darum, das Reden zu verschieben.

Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber (als Chor der Fritzpunkte):
Wir wollen eh nur singen: und das unbedingt!

Chor der Fritzpunkte (als Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber):
1357. Das sind ja nicht wenig. 1357 Personen. Lesen. Nicht reden. Oder singen.

Die Tite-Tute-Tete-Sphinx:
(insistierend) theater ist ein kollektiver prozess der autorisierung.

Der Zeitgott:
(immer noch rauchend) Ich habe immer versucht, die Theaterzeit zu verändern, die Arbeit der Schauspieler und Zuschauer, sie wurden provoziert, in einer anderen Weise zu kommunizieren.

Dennwenn:
Ich bin sehr empfindlich und sehr misstrauisch gegenüber interpretatorischen "Vorarbeiten" für das Publikum.

Die Tite-Tute-Tete-Sphinx:
(gewinnend) die eine strategie kann mit der anderen gegengelesen werden, dies aber nur in offenen räumen, in denen jeder die situation teilt und akteur wird.

Der Zeitgott:
(steckt sich eine neue Zigarette an) Die Stadt ist ein theatraler Raum, das sollte man besser verstehen lernen und viel mehr benutzen. Man muß die ganze Stadt als theatralen Raum begreifen. An der Donaublau. Die Stadt mein ich. Genau die.

Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber (als Chor der Fritzpunkte):
Die Stadt des mächtigen was-er-tat? Die Stadt des gepriesenen was-er-tat? Die Stadt des unvorstellbaren Reichtums, der in was-er-tat zu seiner Darstellung gekommen war.

Der Zeitgott:
(wieder rauchend) Man begreift nicht, daß das Theater einer der letzten Orte ist, wo es noch utopische Versuche geben kann.

Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber (als Fritzpunkt-Chor):
Entnehme einer nicht leichtfertig dem Zeitloch die Hoffnung, nun kommt aber er: der Aufstand der Fratze ist das. Da fehlt was, das Zeitloch hats verschluckt? Nicht einmal verschlungen hat das Zeitloch; auf das Verschlingen weist der hin, der Verdacht, haarsträubender Unsinn türmt sich im Sinn auf, da stimm noch etwas, nichts ist hier mehr Stimme und nichts stimmt mehr.

Der Fritzpunkt-Chor (als Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber):
Das hat der 11. September so an sich. Schliesslich feiern wir dieses Jahr am 11. September den 103. Geburtstag von Theodor Wiesengrund Adorno. Oder den 200.
Jahrestag der gewaltsamen Verschleppung von Hölderlin in die Autenriethsche Klinik in Tübingen. Oder das Fritz-Manöver. Oder, noch mehr Daten?

Dennwenn:
Ich bin dafür, komplexe Zusammenhänge einfach rauszugeben - das Wesen der Streitfrage und die Methoden ihrer Behandlung - sodaß die Leute denken mögen: jetzt weiß ich nicht, was soll man denken.

Der Fritzpunkt-Chor (als Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber):
Gehen wir von der Annahme aus, daß die Abspaltung der sog. Freien Wiener Theaterszene in Hunderte Klein-Gruppen ein grundlegender Fehler war, so könnte ein mögliches Postulat des Fritz-Manövers in der Forderung nach der Wiedervereinigung der Freien Szene bestehen. Bilden wir also am 11. September 2006 wieder die eine Großgruppe, die wir im Grunde unseres reformatorischen Eifers doch alle anstreben.

Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber (als Fritzpunkt-Chor):
Wenn du mein Hirn gefunden hast, erzähle ihm Vertrautes, schmeichle ihm, gib ihm die Gewissheit wieder, es hat alles im Griff, es dauert nur ein bißchen, dann ist es wieder, als wäre ihm nie etwas geschehen, als wäre es wie immer, sage ihm, es hat alles im Griff, bald wieder, sieht es, was es kennt.


Die Tite-Tute-Tete-Sphinx:
(träumerisch) die produktion theatraler räume produziert räume, die als kodifizierte orte, als zeitlich und optisch begrenzte spielflächen regeln des gebrauchs zunächst ent-setzen...

Xaver Jelängerjelieber (als Fritzpunkt-Chorführer):
Wenn mein etwas begrenztes Denkvermögen nicht allzu bescheiden ausgestaltet worden sein dürfte; anno dazumal; so müßte ich mir doch auch etwas denken dürfen: zu der gegenwärtig geübeten menschlichen Entscheidungsfindung an sich. Und wenn sich mein Hirn nicht auswuchert zu dem Hirn von einem Dodl, so muß ich ja nix sagen, aber mir denken dürfen!

Die Tite-Tute-Tete-Sphinx:
(noch immer träumerisch) diese theatralen räume markieren eine spielfläche mit anderen regeln, die nicht bekannt sind, im aufenthalt herausgefunden werden müssen und sich verändern.

Der Fritzpunkt-Chor (als Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber):
Fritz-Manöver! Fritz-Manöver!

Der Zeitgott:
(tötet die Zigarette) Die Stadt ist ein theatraler Raum, das sollte man besser verstehen lernen und viel mehr benutzen!

Der Fritzpunkt-Chor (als Xaver, Oskar und Ladislaus Jelängerjelieber):
Fritz-Manöver! Fritz-Manöver!

Ladislaus Jelängerjelieber:
(verläßt den Chor) Ich hasse das Wort Manöver, immer dieses Kriegerische! Maßnahme sollte das heißen oder ultimatives Volkstheater, eine Post-Kuratoriums-Frucht oder ....

Xaver und Oskar Jelängerjelieber:
(stürzen sich über Ladislaus, halten ihm den Mund zu) Das ist kein Chor!

DennWenn:
Ich halte das für ein Denktraining... Denkarbeit ans Publikum zurückgeben, um zu eigenen Meinungen zu kommen. Meine Lage wurde ähnlicher Ihrer Lage oder wurde Ihre Lage ähnlicher meiner?
.....


Zitate und Figuren aus:
Marianne Fritz, Naturgemäß I und II, Suhrkamp Verlag 1996 und 1998
Josef Szeiler, HamletMaschine.Tokyo.Material, Alexander Verlag, 1996
Claudia Bosse, theatrale räume, kulturrisse 2/2006
Miki Malör, Freies Theater im Gedenkjahr, GIFT März/April 2006

Der gesamte Stücktext mit exakten Quellenangaben wird anläßlich des Fritz-Manövers als Prachtband der Edition "Kothurn und Maske" vorgestellt.

Näheres und Weiteres zum Fritz-Manöver
11. September 2006, 19 Uhr
unter www.fritzmanoever.at

Naturgemäß ein verantwortungsvolles Projekt von
Fritzpunkt
Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
buero@fritzpunkt.at
+43 (0)699 11685616

 

25. 06. 2006

 

14.32 Uhr 

 


Zur Aufhebung der Unterscheidung Publikum - Akteure

 

 

17.05 Uhr 

 


Ja, es ist soweit! Der Versuch ging auf! Es will ein Dèja-vu-Platz gefunden werden! Er ist der eigentliche Ort, an dem der Roman spielt. Die naturgemäß eingeschränkte Sprache der Menschen, die sich in einer Demonstration zusammengefunden haben, bildet einen Sprachraum, in dem die laut gesprochene Sprache der Fritz ihre Erfüllung findet. Sie wandelt und anverwandelt sich alle auftauchenden Situationen. Sie platzt von dramatischer Spannung und straft die weiterverbreitete Meinung Lügen, sie wäre zwischen den eleganten Buchdeckeln, unhörbar gelesen, am besten bedient.

 

 

20.52 Uhr 

 

Aus dem Theorie-Forum zum Fritz-Manöver:

Das Fritz-Manöver als diskursive Intervention
von Fritzpunkt

Erfüllt sich das Fritz-Manöver nicht schon vor dem 11. September 2006 in diskursiven Interventionen, zb. in der (lesenden) Teilnahme an Massenveranstaltungen (Anti-Bush-Demonstration, Donauinselfest, Regenbogenparade....), die nur mit dem Transparent "Herzlichen Dank für Ihre so zahlreiche Teilnahme am Fritz-Manöver" bestückt und dokumentiert werden müssten? Anders gesprochen: Geht das Insistieren auf dem einen einzigen, tatsächlich stattfindenden Fritz-Manöver am 11. September nicht eigentlich am Manöver-Charakter (als Scheinmaßnahme) vorbei? Es finden zur Zeit ja viele Fritz-Manöver statt...


Antwort auf dieses Posting von internil:

das kommt darauf an, ob das manöver eher im sinne einer veranstaltung zum austestung einer vorher definierten situation (also kriegsmäßiger bedingungen) oder als spezifische bewegung gemeint ist. sind die vorgeblich allerorten auszumachenden manövrierungen spezifische fritz-bewegungen, also sozusagen naturgemäß vorb/geschrieben?


Antwort auf dieses Posting von Fritzpunkt:

Diese Frage nach dem Prinzip des Fritz-Manövers muß- naturgemäß ­ in Richtung der zweiteren Definition der "spezifischen fritz-bewegung" beantwortet werden:

"Unauflöslich war der Den-kenn-ich-doch-Moment mit Den-kenn-ich-doch-Begriffen verbunden. Insschlepptaunehmen beherrschte der Den-kenn-ich-doch-Moment und keine, noch so gesicherten Begriffe behaupteten sich. Bis zur Unkenntlichkeit entstellt kehrten sie wieder." Marianne Fritz

Die spezifische Sprachbewegung/Begriffsbenutzung in den Texten der Marianne Fritz verwandelt sich Welt an, kostümiert sich mit Welt und kreiert keine ein-deutigen Situationen.....

Wo das Verweigern des Eindeutigen, der Bedeutungsgrube (Grab), Inhalt und Form des Ausdrucks schon ist, ist ein situativer Zugriff auf ein solches hochbrisantes Textmaterial unangebracht (sonst ist das Grab nicht leer).....

Theaterversuche, die sich der ein-deutigen Situation vorsätzlich berauben, spielen mit der Mehrdeutigkeit für den Betrachter. Konsequenter wird diese Bewegung, wenn sie mit ausschließlich Machenden eingegangen wird, es also gar keine Zuschauer gibt.....

 

28. 06. 2006

 

00.00 Uhr 

 

noch 75 Tage bis Fritz-Manöver

 

29. 06. 2006

 

10.08 Uhr 

 

Muß ich mich nun um jede Form der Bewegungen kümmern, sie beobachten, mich um sie sorgen, Zitterbewegungen haben wir ja schon kennengelernt, Brownsche, sichtbar gemacht durch Staubkörnchen, Staubkörnchen im Auge - Fremdkörper! Was Alswüsste in die Mulde zog, natürlich wußte Alswüsste, Obernenja wußte: Keine Regung ist die beste Bewegung, Mulde wie Bank, Bett wie Ebene und Fastebene gehören zur Geomorphologie wie die Ab-Lagerung, Ab-Stülpung, Ab-Tragung, wie das Geschiebe, das Kriechen… Es wird sich aber auch nach all den gelesenen 2030 Seiten von Naturgemäß I - angekommen in Die vollkommene Ebene nicht vollkommen vorstellen lassen, welche Bewegung nun in Gang gesetzt werden wird, gesetzt werden muß! Ingang Bin ich dick? Ja. Sehr. Bin ich lustig? Ja. Sehr. Hätten wir doch ein abgeschlossenes System! Dann könnten wir uns zumindest sicher sein, dass sich im Zustand der maximalen Wahrscheinlichkeit die maximale Unordnung einstellt. Unsinn! Der Sinn ist im Unsinn. (Nein.)

 

 

10.17 Uhr 

 

Wenn nun einer beginnt beispielsweise einer von denen mit den weißen Leiberln und der bringt nun einen anderen beispielsweise einen mit einem roten Leiberl zu Fall böse zu Fall und dem Zufallbringenden wird nun von einem Dritten sagen wir der hat ein gelbes Leiberl eine Karte gezeigt sagen wir die wäre gelb aber gleich danach eine die ist dann rot dann ärgert sich zwar der mit dem weißen Leiberl weil er findet das entweder blöd von dem Gelbleiberl oder er fühlt sich ertappt mindestens von dem Gelbleiberl aber inzwischen hat das Rotleiberl sich erhoben und haut dem Gelben eine auf den Kopf mit dem Kopf AUUUUUA aber hinter dem Kopf von dem die übersichthabenwollenden Gelbleiberl der nun seinerseits arglos und glücklich den richtigen Missetäter bestraft zu haben seine Karten wieder einpackt ehe er erfahren muß von einem Abkömmling seines Leiberls quasi ein Untergelbleiberl dass das Rotleiberl kurz Roter ganz und gar nicht kein Missetäter war sondern nur seine Lage genutzt hat die man angesichts seines Leides zwar mitleidig quasi wie am eigenen Leib erfahren hat und eine sichtbare Stelle gab es auch jeder hat’s gesehen aber nun das geht ja wirklich zu weit so hinterrücks über dem Erhabenen dem Gelben einfach so mit dem Kopf um sich hauen nein da muß der Gelbe nun aber wirklich wieder so eine Karte herausholen und diese ganz ordentlich dem Roten zeigen der nun so sagen es nicht nur die Untergelben die ja Schuld sind dass der Rote nicht ungeschoren davonkommt aber Glück gehabt hat dass der Gelbe nur die eine die gelbe Karte herausgeholt hat aus dem Leiberl dem gelben und nicht auch noch die rote aber dann hat weil sich die Stimmung schon vermutlich wellenförmig ausgebreitet hat kurz darauf ein anderer war’s nun zuerst der Rote oder wieder so ein Weiszer ach ja dazwischen hat sich der Weisze dann doch die Rote nein die hat er schon g’habt also ganz zum Schluß hat sich dann noch der Schwarze der mit dem schwarzen Leiberl der eigentlich gar niemanden zum Schubsten gehabt hat aber einfach sich die Zeit geholt hat und die hat er nicht mehr hergeben wollten und dann hat sich der also unfreiwillig auch noch so eine Karte geholt gelb glaub ich und dann hat man auch frau sich schon vorstellen können wie das weitergehen hätte könnte vielleicht nämlich wenn alle nun irgendwelche Karten gekriegt hätten nacheinander dann würden sich weil ja niemand mehr ohne ist alle zusammen irgendwie bewegen zittern oder wegbewegen oder sonstwie vereint sein und alles könnte ganz glücklich zu Ende gehen wenn da nicht die wären die dem Ganzen zugeschaut hätten rundumadum und die hätten vielleicht ganz andere Bewegungsformen im Sinn und jetzt würden die einen auf die anderen treffen viele andere das muß man sich einmal vorstellen dieses Geschiebe und Geschichten...