01. 06. 2002
15.36 Uhr
was-er-tat, Fass-ad, Block-ad,
Seine Exzellenz und ein e?
02. 06. 2002
09.32 Uhr
"Hat Fass-ad verloren das Sagen, ist der Verdacht nahe, Verrat?" (S. 118)
"...das Leben wird genommen werden und dann ist da kein Einverständnis. Auch an die Gedanken hält er sich nicht: die Gedanken können auch genommen werden, und dann ist da auch kein Einverständnis"
Bertolt Brecht, Das Badener Lehrstück vom Einverständnis
04. 06. 2002
09.02 Uhr
Edwin A. Abbott, Flächenland
09.15 Uhr
Langsam denke auch ich, daß der Kulturverfall rasend "voranschreitet": "Schreitet die Verwesung zügig voran oder tut es die Fliege?" Das Warum ist grell lesbar geworden im "Ab-endland". Wie wir damit umgehen sollen, bekommt das ganze Gewicht. Die Folie, auf der die Gedanken reflektiert werden können, muß zusätzlich erfunden werden, da keine kulturelle Selbstverständlichkeit gemeinsam "gewesen sein wird". Verhaltensstudien anhand mathematischen Systemdenkens (zB. Abbotts "Flächenland") haben für mich in diesem Desaster Erlöserfunktion.
09.20 Uhr
Inhaltsverzeichnis Abbott, Flächenland
(Teil 1)
09.21 Uhr
Inhaltsverzeichnis Abbott, Flächenland
(Teil 2)
09.29 Uhr
Eine andere Verwendung von Ressourcen
(Zeit, Material, Geld) als einzig mögliche Form von konkretem Widerstand gegen die entsolidarisierenden Zeitströmungen.
Erst wenn die Abkoppelung von Öffentlichkeit möglichst gross ist, kann ein Bezug zu ihr wachsen?
Einen sicht- und hörbaren Umgang mit der aktuellen politischen Situation in die Theateraufführung integrieren, ein Fenster in die Ist-Zeit einbauen.
05. 06. 2002
13.57 Uhr
"Dich erbost, empört das Schreien; wie jemand dazukommt, zu schreien, das lehrt dich hassen statt denken! Was du haßt, das ist das Gewalttätige, mit dem es verteidigt wird, was du hast." (S.111)
06. 06. 2002
13.24 Uhr
Der Fritzpunkt: Ein auf zumindest zwei Jahre angelegter, organischer Verdichtungsprozess, der zu einer einfachen, starken theatralischen Form führen kann, die die Fritzsche Komplexität transportiert. (zB. das Bild der 1000 gleichen Puppen).
Umschreibung von Langzeitarbeit als Differenz von Wunsch und Bedürfnis:
Ein Wunsch generiert ein starkes Verhalten, dann
wird der Plan (= organisiertes Bedürfnis) überflüssig.
08. 06. 2002
08.20 Uhr
Eingeführt sei hier der längst überfällige Begriff der Topographie , sowohl als Topographie des Textes (Schriftbild) als auch in der inhaltlichen Beschreibung von Landschaften.
08.21 Uhr
Topographie 1
08.22 Uhr
Topographie 2
11. 06. 2002
18.50 Uhr
Schreiben als vorsätzliches Vergessen der Dinge, die nicht weitergegeben werden sollen: So entsteht Herrschaftsgeschichte. Diese Benutzung des Schreibvorgangs als Selektionsinstrument versucht Marianne Fritz zu umgehen. Das aufgeschriebene Mündliche bezieht sich auf Erinnerung und hat damit die Chance, nicht nur Herrschaftsgeschichte zu werden.
Wichtig wird immer mehr die Unterscheidung zwischen Interpretation (Beziehung, die das Subjekt zum Text hat, eine Bewegung hinein) und Deutung (Beziehung, die der Text zu etwas hat, eine Bewegung hinaus).
18.55 Uhr
"Schmerzknoten müssen sich immer so vermehren, daß sich herausstellt: Die Bücher der Weisheit lügen nicht. In ihnen steht das Skelett geschrieben und es spricht. Fass-ad ist mein Fleisch, Fass-ad ist mein Blut. Fass-ad ist mein Auge. Fass-ad ist mein Ohr. Fass-ad ist mein Fuß. Fass-ad ist meine Hand. Fass-ad ist in den Büchern der Weisheit angekündigt worden als jener, der sie erschuf, die Tat. Das Sagen war seine Schöpfung, in was-er-aufnahm sind sind die Bücher der Weisheit sorgfältig bewahrt, aufgeschlagen werden sie nur von Ratgebern, die dazu auserwählt sind, in diesem Buche Buchstaben sorgfältig so zu klauben, daß die Weisheit zum Vorschein kommt und die Weisheit: Fass-ad ist mit ihr untrennbar verschmolzen. Diese Verschmelzung verdankt Fass-ad seiner Dummheit: Er schenkte sie dem Tod und entwand diesem das Wesentliche. Die Übersicht über den eigentlichen Fluß der Dinge. Und den schafft die Tat, die das Sagen hat, den Überblick schafft das Sagen. Fass-ad hatte also, keinen Grund zur Unzufriedenheit." (S.120)
18.58 Uhr
Tetralemma (Sanskrit: "vier Ecken")
Urspr. Struktur aus der indischen Logik zur Kategorisierung von Haltungen und Standpunkten. Erweitert um die 5. Position (von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer) "zur Überwindung verfestigter Denkmuster".
Die Positionen:
1. Das Eine
2. Das Andere
3. Beides
4. Keines von Beiden
5. All dies nicht und selbst das nicht
Es gibt keine an sich richtige und falsche Position.
Jede Position hat ihren Wert und ihre eigenen Gefahren.
12. 06. 2002
07.15 Uhr
Wie muss eine Aufführung nach aussen in die Öffentlichkeit gerichtet sein (im Gegensatz zum Öffentlichkeitsansatz im Fritzpunkt und auf der Homepage)?
"Die Tat hat das Sagen": ein zweifelhafter Titel
für diese Aufführung.
Untertitel: "Eine Versagung"
Thema: Kontrolle
11.09 Uhr
Teufelskreis - der Mythos von der ewig wachsenden Wirtschaft
13. 06. 2002
09.29 Uhr
Die Selbstumzingelung von Machthabern. die den Austausch nach aussen vermissen. Das System legitimiert sich nur noch nach innen, hat irgendwann keine Bezüge nach aussen mehr. Der Kapitalismus ist "umzingelt" und betreibt Forschungsabteilungen, die ausschliesslich dazu da sind, das bestehende System zu legitimieren.
09.30 Uhr
Wohin siehst du?
09.31 Uhr
"In Fass-ad kommt die Gier zu ihrer Grenze. Seine Gier ist nämlich grenzenlos. Grenzen läßt Fass-ad nicht gelten; nur dann, wenn sie ihn nicht stören, beruft Fass-ad sich auf Grenzen, Fass-ad kontrolliert alles. Auch das grenzenlose Dasein seiner Gier, das gab Fass-ad manchmal zu! erschreckte Fass-ad, zumal er in dem grenzenlosen Dasein seiner Gier die unheimliche Grenze sah: Überdruß. Was beginnt Fass-ad mit dem grenzenlosen Dasein seiner Gier, fehlten seiner Gier die Grenzen? Ob mit Grenzen, ob ohne Grenzen; Fass-ad war ausserordentlich tapfer, er ließ sich weiterhin mit seiner Gier verbinden? Er ließ es zu; nicht einer wußte, wie Fass-ad zum Verschlingen geradezu gedrängt ward, nicht, weil seine Gier unersättlich war, gerade das Gegenteil war der Fall. Fass-ad fand es zunehmend unbegreiflicher, erschreckt floh er in den Zorn ob der Gräten, als könnte der Sieg jemals sie wiederbringen: die Gier; das hätte sich ja wieder vergessen lassen, zumal es dermaßen unbegreiflich war, wie das grenzenlose Dasein seiner Gier die Grenzen an-zeigte: Fass-ad, du bist unser überdrüssig. Kannst es nicht fassen, kannst es nicht packen, aber es ist so. Fass-ad, merk es nicht; fang nicht an zu sehen, zwar verschlingst du in einem zu, immerzu frißt du, aber der Ekel schaut dir über die Schulter und lacht? Der Ekel lacht: Ich wachse, Fass-ad. Und das grenzenlose Dasein deiner Gier hat mich erhöht; ist das nicht erhebend, Fass-ad. Ich blicke aufs Fass-ad-Fressen hinab und ich sehe, Fass-ad frißt, aber der Genuß, ist ihm abhanden gekommen die Freude am grenzenlosen Dasein seiner Gier?!" (S. 122/123)
10.19 Uhr
Suchbegriff: russische Puppe
Was erscheint?
Aufsätze über Fraktale.
Was sind Fraktale?
Figuren, die keine ganzzahlige Dimension haben, sondern "gebrochene", z.B. 1,425. Küstenstrecken werden beispielsweise eine Dimension zwischen 1 und 2 zugewiesen, Bergen eine Dimension zwischen 2 und 3.
Wie schafft man künstlich Fraktale?
Man "schachtelt" einfache Grundelemente immer ineinander -
Vorlage: die russische Puppe, in jeder Puppe verbirgt sich eine kleinere.
14.35 Uhr
S.123
"Der Ekel lacht: Ich wachse, Fass-ad. Und das grenzenlose Dasein seiner Gier die Grenzen an-zeigte;"
Vielleicht doch die richtige Medizin für den Kapitalismus: ihn zu mästen? Die schöne Variation Neu-Gier hat in diesem Vorhaben keinen Platz. Blindes Verschlingen macht vielleicht platzen? Gerade an dieser Grenze tritt Naturgemäß Ekel auf. Dieses verhältnismäßig junge Wort läßt den Mast-Plan scheitern.
Ekel und Gier sind ein unzertrennliches Paar.
EKEL : m. fastidium, taedium, nausea, eins der auffallendsten wörter unserer sprache, heute feststehend und besonders im adj. zu feinen unterscheidungen ausgeprägt, war es ehmals unerhört, tritt auch in den übrigen deutschen sprachen fast nirgends auf.
Grimm, Deutsches Wörterbuch
14.40 Uhr
Ganz deutlich spielt sich Hofmannsthals "Jedermann", diese leichte Sorte Welttheater, in den Vordergrund. Eine Versuchsanordnung ersetzt heute die Tafel des reichen Mannes und verlangt ganz deutliche Zeichen nach außen. Da der Versuch nur aus den Versuchenden und den zu Untersuchenden besteht, braucht es viel Vorsicht an den Berührungsflächen mit dem Zuschauer. Eine Schleuse anstelle der Initiation? Dort sammelt sich die Menge und jeder fällt wieder auf sich zurück. Sind einzeln begehbare, dunkle Röhrensysteme, wie sie in Christoph Büchels Installation "Shelter II" Anwendung finden, nicht zu sehr Ereignisraum? Die perfekte Ordnung scheint mir eher als Nullraum bzw. Schleuse geeignet. Am Ende dieser Waschstraße hat die "Tat das Sagen.... In schwebenden Verhältnissen ordnet das Sagen sehr rasch;" (S.128)
15. 06. 2002
19.39 Uhr
" 16.Szene
Ein anderes Bureauzimmer
EIN GENERALSTÄBLER (erscheint und geht zum Telephon): --- Servus, also hast den Bericht über Przemysl fertig? -- Noch nicht? Ah, bist nicht ausgschlafen -- Geh schau dazu, sonst kommst wieder zum Mullattieren zu spät. Also hörst du -- Was, hast wieder alle vergessen? -- Ös seids -- Hör zu, ich schärfe dir nochmal ein -- Hauptgesichtspunkte: Erstens, die Festung war eh nix wert. Das ist das Wichtigste -- Wie? man kann nicht -- Was? man kann nicht vergessen machen, daß die Festung seit jeher der Stolz -- Alles kann man vergessen machen, lieber Freund! Also hör zu, die Festung war eh nix mehr wert, lauter altes Graffelwerk -- Wie? Modernste Geschütze? Ich sag dir, lauter altes Graffelwerk, verstanden? No also, gut. Zweitens, paß auf: Nicht durch Feindesgewalt, sondern durch Hunger! Verstanden? Dabei das Moment der ungenügenden Verproviantierung nicht zu stark betonen, weißt, Schlamperei, Pallawatsch etc. tunlichst verwischen. Diese Momente drängen sich auf, aber das wirst du schon treffen. Hunger is die Hauptsache. Stolz auf Hunger, verstehst! Nicht durch Hunger, sondern durch Gwalt, ah was red ich, nicht durch Gewalt, sondern durch Hunger! No also, gut is -- Was, das geht nicht? Weil man dann merkt, daß kein Proviant -- wie? -- und weil man dann einwendet, warum nicht genügend Proviant? Alstern gut, gehst drauf ein und sagst: unmöglich, so viel Proviant als nötig aufzuhäufen, weils eh der Feind kriegt, wann er die Festung nimmt -- Wie er sie dann genommen hätte? Durch Hunger? Nein, dann selbstverständlich durch Gewalt, frag net so viel. Verstehst denn net, wenn er also die Festung durch Gewalt nimmt und mir hamm an Proviant, nacher nimmt er auch den Proviant. Darum dürfn mr kan Proviant haben, nacher nimmt er kan Proviant, sondern er nimmt die Festung durch Hunger, aber nicht durch Gewalt. No wirst scho machen, servus, muß in die Meß, habe nicht die Absicht, mich durch Hunger zu Übergeben -- Schluß!
Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit
20.04 Uhr
"Der Meister der Blendung": eine Referenz und Ausflug zu Canettis "Die Blendung":
Erster Teil: Ein Kopf ohne Welt
Zweiter Teil: Kopflose Welt
Dritter Teil: Welt im Kopf
"...wenn eine Wirklichkeit ihrem Urbild im Druck entsprach..."
Elias Canetti
S.130
Wirklichkeiten werden in den Schatten des als-ob gewirbelt und gehen zugunsten der (W)"Örtern"
- "Alswäre" , "Alswüßte" - ganz in Zeitlosigkeit auf.
18. 06. 2002
19.47 Uhr
S.129
Aufwärtsschreitende und abwärtsschreitende Gestalten signalisieren Sieg und Niederlage und
deren austauschbare Position (vgl. M.C.Escher).
Der große Schauspieler Walter Schmidinger hat die Rollenarbeit an Shakespeare`s Königsdramen am System eines Wasserrades befestigt. Er hat somit die Treppe zum Kreis gebogen und dem Schicksal die Wasserkraft anverwandelt. Daß dieses drastische Bild eine Entsprechung in der dramatischen Szenefolge
hat und bis zum körperlichen und daher emotionalen Zustand Verwendung findet, beweist die Kapazität solcher Fantasien.
19. 06. 2002
11.55 Uhr
"Der Sinn ist im Unsinn"
Bild für eine Aufführung:
Die Schauspieler/innen sind Maschinisten einer Maschine, ihr Sprechen miteinander läuft statt über "Gib mir den Hammer" über "Kennst du den Urdarm?" (S. 148). Diese Maschinisten sind blosse Funktionen der Maschine, die in ihrer Aktion Zeichen und Bezeichnetes trennt; damit stellt sie die Frage: "Was produziert, in welche Richtung geht Sinn?". Die Maschine schafft die Situation; die Körper der Schauspieler/innen werden Teil einer Gesamtaktion, sind nicht mehr ausschliesslicher Bedeutungsträger.
Genauer zu untersuchen wäre die Funktion des Textes innerhalb einer solchen Maschine. Ist das eine Ideologie-Maschine?
12.03 Uhr
S.146
"...Im Blütenstaub die Seelen der Verstorbenen..."
Dieser poetisch-romantische Seufzer scheint mir zu den Wurzeln der Konkreten Poesie die "Arme" ausstrecken zu wollen. Das Urmodell der Wirbeltierentwicklung läßt die melancholische Betrachtung zu, daß der stolze Homo sapiens jenseits seiner eigentlichen Potentialität bis heute bloß als "Urdarm" funktioniert. Leben - Tod - Leben:
Der Mensch als "Luftmasche der Vergänglichkeit". Eine kleine Zäsur dieser Kreisbewegung scheint die Liebe sein zu wollen. Zwischen "Rad" und "Re!dr!" taucht aus dem fatalistischen Bild der Klang der "Schönen Müllerin" auf. Die Steine, das Rad, das Wiegenlied des Bächleins sind die deutlichen Bezugsmotive des Liedzyklus. Ist die Liebe die Folter, auf deren Rad der "erdfarbene" Müller geflochten wird? Die Hoffnung, eine Art der Erpressung? Nur die Musik verwandelt diese unerträgliche Welt in ein Glück der Ohren.
S.149
"melancholischer Stupor":
Stupide Literaturbeschimpfung eines Kritikers wird
zum "Buchstabenflug"-Zeug und somit ein Modell
der Zwänge aufhebenden Selbstironie.
Der hopsende Tanz, den die Buchstaben feiern, erinnert in seiner Struktur an den "Zwiefachen", ein lachendes Spiel zwischen 3/4 und 4/4-Takt, wobei sich jeweils zwei Taktgruppen abwechseln.
20. 06. 2002
17.55 Uhr
"In ihm suchte der Unsinn den Sinn nicht, nie hätte er dem Sinn diese Unverfrorenheit zugetraut, sich justament in seinem Erzfeind zurückzuziehen, auf die nächstliegende Lösung kam der Unsinn nicht. Im Unsinn ist der zuhause und deswegen verfolgst du ihn vergeblich, du schaust den Sinn an und kannst ihn nicht deuten, weil du ihn gefesselt liest, und der Sinn er kommt erst zustande, wenn einer im Unsinn tanzt. Dann ist er rasch zu sehen, das ist das Unheimliche, die verwundbare Seite des unsichtbaren Sinns. Wenn der Unsinn lange genug hinter ihm herwirbelt, könnte er geradezu dem Tolpatsch gleich, mehr zufällig, ihn entziffern: den Sinn? Beginnt dann die Selbstzerfleischung des Unsinns, auf daß er aus sich herausreiße den Sinn; keine Anzeichen gab es dafür. Alswüßte sah sie nicht, die Gründe, die dafür sprachen, der Unsinn könnte sich noch verrückt suchen, es nicht fassend, daß er nicht zu stellen war, der Sinn. Denn daß er am Werke war, spürte der Unsinn sehr wohl. An allen Ecken und Enden, in allen Fugen und Nischen des Unsinns nistete sich der Sinn ein, aber immer so, daß der Unsinn wähnte, das ist meine Zusammensetzung, die habe ich dem Sinn abgerungen. Auf der Seite des Unsinns drehten immerzu die Räder sich, auf der Seite des Unsinns kam alles weiter, nur einer nicht: der Sinn. Die Sinne waren zwar Verbündete des Sinns, aber ihre Furcht war groß. Sie waren unzuverlässig, oftmals verbündeten sie sich mit dem Unsinn und sagten: Sieh, dort lauf der Sinn, ihm hinterher und waren froh, wenn sie selber nicht die Gejagten sind. Sodaß der Sinn oftmals struppig wirkte, gerade so, als wäre er der Unsinn. Jedenfalls war er besiegbar, das stand fest: blind ist die Stadt." (S. 151)
23.05 Uhr
Ur (akkadisch), sumerisch Urim, nach einer biblischen Überlieferung waren Abraham und seine Vorfahren in Ur beheimatet (Genesis 11). Eine sterile Sandschicht, die die vorgeschichtliche Siedlungsgeschichte unterbricht, hat Sir Leonard Wooley als Sintflut-Schicht gedeutet.
dtv-Lexikon
22. 06. 2002
8.21 Uhr
S.167
"Die Milch der frommen Denkungsart":
ein sprichwörtliches Kostüm für Lüge.
Warum sie nicht der Lieder Herr sind:
Der erdfarbene Chor im Paradies Kleine Knospe blitzt mit Rebellion um sich, bis er die Augen schamvoll senkt, um der Folter zu entkommen. Die Klugheit, dem Tod zu entkommen, führt zur Verachtung der Rebellen; der zerfallende Chor glaubt der Lüge der möglichen Flucht, die Flucht aber führt an die Front.
25. 06. 2002
20.56 Uhr
Die Erdfarbenen ?
21.36 Uhr
S.168
Der "Schmerz" ist der Vater des Erdfarbenen,
die "Erinnerung" ist die Mutter.
Die Eigenschaften dieser beiden sind sich verflucht verwandt: brennt, fließt, stockt, verschwindet, verwandelt sich, läßt nach, schreit etc.
Die "Braut" ist die Zukunft des Erdfarbenen,
Der "erdfarbene Mann" Baum, Apfel und Schlange zugleich.
S.170
Die Erinnerung behalten und ihr niemals folgen
(Ein Programm der Menschenwürde).
Bis S.176 eine einzige großartige erzählerische Schlußapotheose.
27. 06. 2002
11.40 Uhr
Die Langeweile als Aufmerksamkeitsterror. Diese Macht ist wieder einmal eine Verwirrung stiftende: auf, ab, zu, an wirbeln um ihre Wortstämme und vernebeln ihre Zugehörigkeit unbemerkt.
"Langeweile herrscht und regiert, verrückt die Grenzen, ohne daß dem Gelangweilten auffällt: Die Grenzen seines Auffassungsvermögens nehmen zu; die Abnahme, die lautlos zunehmende Abnahme seines Auffassungs-
vermögens, der wirbelgeschwind abnehmende Anteil an seinem ureigensten Auffassungsvermögen "bleibt" übersehbar, nicht bemerkbar, der Gelangweilte ist das freundlich geöffnete Einfallstor für den Feind, ist die hilfreich für den Gegner zur Verfügung gestellte Sturmleiter, ist der Hals, der sich vergißt zu schützen vor dem Strick, ist der Irrglaube, was ich im Nebel als Baumstamm erkenne, kann niemals mein Feind sein, der sich behauptet, besser als ich, im dichten Nebelfeld, in dem scheinbar die absolute Stille herrscht, sonst nichts und das eigene, großartige, das Gelände überblickende Ich;..." S.179/180
12.11 Uhr
Kollektiv der langen Weile = Fritzpunkt.
Die Langeweile als Havarie der Interessen.
In der Langeweile wackelt die Identitätskonstruktion.
Das erinnert an die Verweigerung von Identitäts-
konstruktionen (sowohl von Figuren als auch von Situationen) im Text.
29. 06. 2002
19.14 Uhr
Der Aufklärungsoffizier als Grundbegriff für das Verständnis von Naturgemäß I : Der Leser verhält sich als solcher, um sich im "Textgelände" auszukennen, der auktoriale Erzähler wirkt als solcher, indem er Fährten zugleich legt und zerlegt und als (mögliche) Figur ist er im militärischen Setting der "unendlich verästelten Qualgeschichte" (S.162) ständig präsent.