01. 05. 2006
12.14 Uhr
Apropos Manövergestus / Appellcharakter / Prekarität? :
"Auf dem Rennplatz in Clayton wird heute von sechs Uhr früh bis Mitternacht Personal für das Theater in Oklahoma aufgenommen! Das große Theater von Oklahoma ruft euch! Es ruft nur heute, nur einmal! Wer jetzt die Gelegenheit versäumt, versäumt sie für immer! Wer an seine Zukunft denkt, gehört zu uns! Jeder ist willkommen! Wer Künstler werden will, melde sich! Wir sind das Theater, das jeden brauchen kann, jeden an seinem Ort! Wer sich für uns entschieden hat, den beglückwünschen wir gleich hier! Aber beeilt euch, damit ihr bis Mitternacht vorgelassen werdet! Um zwölf Uhr wird alles geschlossen und nicht mehr geöffnet! Verflucht sei, wer uns nicht glaubt! Auf nach Clayton!"
Es standen zwar viele Leute vor dem Plakat, aber es schien nicht viel Beifall zu finden. Es gab so viele Plakate, Plakaten glaubte niemand mehr. Und dieses Plakat war noch unwahrscheinlicher, als Plakate sonst zu sein pflegen. Vor allem aber hatte es einen großen Fehler, es stand kein Wörtchen von der Bezahlung darin. Wäre sie auch nur ein wenig erwähnenswert gewesen, das Plakat hätte sie gewiß genannt; es hätte das Verlockendste nicht vergessen. Künstler werden wollte niemand, wohl aber wollte jeder für seine Arbeit bezahlt werden.
Franz Kafka Der Verschollene, 1914
17.22 Uhr
Gespräch mit A. B. zum Fritz-Manöver :
Semantisches Netz / Hypertext / Anschlußfähigkeit / statistische Sofortmaßnahme / Wört(h)ersee / körperliches Tagging / weiterempfehlen / Medienpartner / Organigramm / Startnummer. Danke!
02. 05. 2006
20.58 Uhr
03. 05. 2006
22.42 Uhr
Das Fritz-Manöver :
Eine Übung für den Ernstfall
Eine zwischenmenschliche Scheinmaßnahme
Eine Geburtstagsfeier
Ein ultimatives Volkstheater
Eine statistische Stellungnahme
Ein Marsfeld-Ersatz
Eine Alphabetisierungskampagne
Ein zeitgenössischer Chor
Eine Übung in Solidarität
Eine Massentaufe in Marianne Fritz
Ein Wört(h)ersee
Eine innerstädtische Textniederlage
Eine Post-Kuratoriums-Frucht
Ein pures Konzept-Theater
Ein Wirklichkeits-Tagging
Eine Kurzstreckenperformance
etcetera
05. 05. 2006
18.00 Uhr
Was untersucht das Fritz-Manöver ? = Frage nach der Theorie des Manövers. Das Fritz-Manöver ist eine Praxis der Theorie : Alles, was im Vollzug des Manövers (konzeptuell beabsichtigt) fehlt, kann theoretisiert werden; interessant ist das, was voraussehbarermaßen nicht stattfindet, was aber gerade durch sein Fehlen die Grundvoraussetzungen von Theater diskutierbar macht. Ein Subtraktions-Manöver. Im besten Fall bleibt da nach Theorie als das, was über das Projekt hinausragend, für Theatermacher verbindlich werden kann als surplus wirksam. Und (auch) alles, was vor dem 11.9.2006 stattfindet, ist das eigentliche Manöver...
06. 05. 2006
23.09 Uhr
Die Mengenlehre vom Fritz-Manöver . Marianne Fritz verlangt eine Menge.
10. 05. 2006
11.02 Uhr
Endlich:
Das Stadt Theater Wien wird politisch!
Kommt alle zum Fritz-Manöver am 11. September 2006 !
11. 05. 2006
22.49 Uhr
Das Post - Kuratorium
Gründungsfeier der IG Fritz-Manöver
11. Mai 2006, 19 Uhr
Das Post - Kuratorium
Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
lädt zur
Gründungsfeier der IG Fritz-Manöver
Für Theorie wie Praxis ist gesorgt.
Die wie oben angekündigte Gründungsfeier der IG Fritz-Manöver kann nur nach Unterzeichnung einer kurzen Erklärung mit dem Wortlaut: " Ich erkläre mich bereit, zum Fritz-Manöver am 11.9.2006 zu elft zu erscheinen" besucht werden. Die gesamte Gründungsfeier verläuft wohlausgerüstet, sogar ein Video zur theoretischen Fundierung des Fritz-Manövers wird, gänzlich Fritzpunktunüblich, gezeigt. Allerdings bleibt - unglücklicherweise - der Ton dabei unhörbar und so sehen sich die drei mit denselben Pullovern wie auf dem Video bestückten IG-Gründer gezwungen, die Tonspur zu improvisieren, geraten dabei auf einige Abwege, bestätigen aber gerade durch diese Irrwege das vor dem Video zitierte Bourdieu -Textstück aus " Entwurf einer Theorie der Praxis" . Zuvor wurde, nach einer sehr eigenwilligen Begrüßung und Interpretation des Fritz`schen Werks ein kurzer historischer Abriß mit dem Titel " Wie kam es zum Fritz-Manöver, wie funktioniert es und warum ist es so einzigartig" zum Besten gegeben. Verbal rundum gesättigt verfügten sich die Gründungsfeierteilnehmer und -teilnehmerinnen an das mit DJLine versehene Buffet aus Brot, Grammelschmalz, Zwiebeln und Milch. Gemütlicher Ausklang der Feier. Mahlzeit!
13. 05. 2006
13.43 Uhr
Das Fritz-Manöver findet statt am/auf:
Festungsplatz
Fass-ad-Platz
Nabel der Welt
Marianne Fritz-Platz
Manöverplatz
der Marswiese
Platz des Zorns
der Septemberwiese
Platz der Projekte
Platz des 11. September
Platz der Kooperation
Kompetitionsplatz
Platz der Avantgarde
dem Blinden Fleck
dem Wört(h)ersee
Platz der ehrenamtlichen Beschäftigungstherapie
Integrationsplatz
16. 05. 2006
19.01 Uhr
Gehen wir von der Annahme aus, daß die Abspaltung
der sog. Freien Wiener Theaterszene in Hunderte Klein-Gruppen ein grundlegender Fehler war, so könnte ein mögliches Postulat des Fritz-Manövers in der Forderung nach der Wiedervereinigung der Freien Szene bestehen. Bilden wir also am 11. September 2006 wieder die eine Großgruppe, die wir im Grunde unseres reformatorischen Eifers doch alle anstreben. Einer der Nebeneffekte bestünde in der radikalen Vereinfachung vieler Verfahrenswege. Mann stelle sich vor... "entweder Angstschweiß / Ohnend / Oder Pluralhaft" (Marianne Fritz)
20.45 Uhr
Das Fritz-Manöver als PR-Maßnahme, als Fritz-Maßnahme (zu brechtisch konnotiert). Eine Live-Cam in der Manöverzentrale als Mindestmaß an medialer Vermittlung; jedes email spielt eine Rolle im Stück genannt " Das Fritz-Manöver" . Bloß welche?
20. 05. 2006
22.58 Uhr
Eine mögliche Werbestrategie für das Fritz-Manöver (Appell an Altruismus; der performative Akt leistet die Befreiung, die Durchdeklination der Verweise, die ein Einzelleser nie leisten kann):
" 1357 Personen versammeln sich anläßlich des 103. Geburtstags von Theodor Wiesengrund Adorno auf der Stadtwildnis Gaudenzdorfergürtel in Wien, um den Fritzpunkt aus dem Festungswerk der österreichischen Autorin Marianne Fritz zu befreien. Nach über vier Jahren Arbeit an tausenden Seiten Textmaterial rufen wir zum kollektiven Ausbruchsversuch auf: Nehmen Sie am 11. September 2006 am Fritz-Manöver teil, der Fritzpunkt braucht gerade Ihre selbstlose Hilfe!"
25. 05. 2006
22.55 Uhr
Das Post - Kuratorium
Der FritzManöver - Gipfel
25. Mai 2006, 19 Uhr
Das Post - Kuratorium
Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
lädt (herzlich) zum
FritzManöver - Gipfel
Thema:
Die neu begründete Hoffnung auf soziale Wärme im Feld der Kunst
Statements:
Karl Bruckschwaiger
Fred Büchel
Susanne Hahnl
Anne Mertin
Arne Vogelgesang
Martin Haas (angefragt)
Michael Friebel (angefragt)
Special Guest:
Pepi Fröschl
Für ein themenspezifisches Gipfelbuffet ist gesorgt.
Die ganze Wahrheit. Und nichts als diese:
Um die Frage " Wer steht hinter dem Fritz-Manöver und was bedeutet es?" ein für allemal zu erhellen, lud der Fritzpunkt sich selbst und einige assoziierte Key-Persons zum Fritz-Manöver-Gipfel . Die einhellige Stoßrichtung der Statements zum Gipfelthema wies in Richtung kritischer Betrachtung, ja Verwerfung des Begriffs der " sozialen Wärme" , vor allem im Hinblick darauf, daß dieser Term bevorzugterweise von rechten Kreisen in die Diskussion geworfen wird ( Bruckschwaiger ). Allerdings benutzen auch zeitgenössische Kunstschaffende diesen Begriff immer häufiger unreflektiert in ihrer Kunstproduktion, beispielsweise Peter Sellars Festival "New crowned hope" ( Büchel ). Die verschiedenen Aggregatszustände kathartischen Kunstschaffens und deren Implementierung im sozialen Sektor ( Vogelgesang ) sowie die allgemeinen grund-legenden Bodenbeschaffenheiten im Feld der Kunst ( Hahnl ) wurden durch ein Insistieren auf den Hoffnungsbegriff ( Mertin ), einen Ausflug in das Feld der Kunsttherapie ( Friebel ) und einen fulminanten zoologischen Exkurs über Mehlwürmer ( Haas ) konterkariert. Generell kann festgehalten werden, daß auch beim Fritz-Manöver-Gipfel die Serie der technischen Pannen der letzten Zeit leider nicht abgerissen ist: der für die Aussenwerbung zuständige, groß angekündigte Special Guest Pepi Fröschl glänzte leider durch Abwesenheit, einzig ein Fax in Tschechisch hat das Büro des Fritz-Manöver-Gipfels in der Postgasse erreicht. Ganz zu schweigen vom Zungen-Malheur des einen Fritzpunkts.... Versöhnlich stimmt da das Vorliegen zwei sehr ansprechender Gipfel-Fotos aller Gipfel-Teilnehmer , die gleich zu Beginn des Gipfels angefertigt wurden, um alle Formalitäten gleich aus dem Weg zu räumen. Der Kipfelkoch am informellen Ende des Gipfels brachte neben einer umfassenden Sättigung auch eine individuelle Auseinandersetzung mit dem vor Ort einsehbaren Werk Naturgemäß II von Marianne Fritz.
23.16 Uhr
Auszug aus einem doch sehr echauffierten Statement des heutigen Fritz-Manöver-Gipfels :
" Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen als Veranstalter versteht das Fritz-Manöver als DAS postdramatische Statement gegen den Terror des Verstehenmüssens und -sollens. Postdramatisch ist das Fritz-Manöver , neben dem Fakt, daß es nur Spieler und kein Publikum geben wird, auch in seinem zutiefst fragmentarischen Charakter , der sich endgültig von einer biederen Ganzheitsvorstellung von Welt und deren Umsetzung in Kunst verabschiedet. Dem Theater wird im Fritz-Manöver seine Professionalität genommen und es erobert für sich den spontanen, performativen Charakter zurück. Die verkehrsumtoste, emissionsbelastete Stadtwildnis zwischen Gaudenzdorfergürtel und Wienzeile ist ein paradigmatischer Ort für eine Truppenübung unter kriegsmässigen Bedingungen (eine der Definitionen des Begriffs "Manöver"), für eine temporäre Okkupation , die mit dem akustischen Vergehen der parallel gelesenen Worte im Verkehrslärm rechnet. Die zwischenmenschliche Scheinmaßnahme Fritz-Manöver ironisiert mit dem Datum 11. September naturgemäß auch den grundlegenden Geburts- und Todestagscharakter der Kunst- und Kulturproduktion: Am 11. September 2006 feiern wir den 103. Geburtstag von Theodor Wiesengrund Adorno. Auf einem Wiesengrund inmitten der Stadt eben. Damit wird das Fritz-Manöver ein entscheidender Vorschlag für eine neue soziale Umgangsweise und wendet sich explizit gegen gegen das überfinanzierte, institutions-gebundene Wärmestuben-Festival NEW CROWNED HOPE , das sein Festivalzentrum auf ebenderselben Stadtwildnis errichten will. Und es wahrscheinlich nie tun wird. Weil das ganze Gerede von "sozialer Wärme, langfristig wirksamem Masterplan, Manifest einer visionären Entwicklung, neuer Typus nutzungsdurchmischter Architektur, die kulturelle und soziale Programme vereinigt" nur der Akquisition von einem Haufen Geld von 10 Millionen Euro dient. Und Ideen des Guten, Wahren und Schönen in einer Art und Wiese wieder in das kulturelle Feld importiert, die wir schon lange überwunden glaubten. Altbackene Sozialromantik, die sich selbst als "nicht nur brilliant, sondern zutiefst sozial verpflichtet" bezeichnet und "eine wundervolle Galaxie kreieren" will, in der "alles neu" sei."
29. 05. 2006
14.46 Uhr
Gespräch mit F. M. über das Fritz-Manöver : Instrumentalisierung / Kritik des Kooperationsbegriffs / Jammern ist zuwenig / Zuspitzung / Befehlsstruktur / Handlungsset / Kriegsmetaphorik / Schlingensief / Menschenmaterial / IG gegen IG: wer gewinnt bestimmt? Danke!
30. 05. 2006
21.59 Uhr
Gespräch mit S. K. und B. S. über das Fritz-Manöver : Notwendigkeit einer theoretischen Verständigung im Theatersektor / Pool von Theoretikern/Theoretikerinnen schreiben zum Fritz-Manöver / kritische Masse / Hilfe / 3 Hunde und die Frage, wo beginnt die Institutionalisierung? Bereits beim dritten Gespräch in gleicher Runde? Danke!
31. 05. 2006
20.28 Uhr
Werbetext für die Zielgruppe Bildende Kunst ?:
"Das Fritz - Manöver kann einerseits als temporäre Textinstallation im öffentlichen Raum als auch als partizipatorisches Modell verstanden werden, daß Diskurse der Instrumentalisierung thematisiert, indem es sie kritisch betreibt; zudem feiert das Fritz - Manöver am 11. September 2006 den 40. Geburtstag des Schweizer Installationskünstlers Christoph Büchel , der mit seiner aktuellen Arbeit Salzburg bleib frei! ebenfalls grundlegende Parameter des demokratischen Kunstverständnisses thematisiert: "Das Projekt adressiert Themen der Zensur und Selbstzensur ... und thematisiert damit verbundene politische Widerstände, Polemiken und Machthierarchien im Spannungsfeld der Begriffe Kunst und Demokratie." Christoph Büchel, ARS (Aktion Reales Salzburg), 2006"