13. 05. 2003
12.37 Uhr
Beginn der Arbeit am Sommerprojekt zu Naturgemäß I . Sichtung der bisher öffentlich bearbeiteten 700 Seiten des Romans im Hinblick auf eine Textkompilation für das Projekt. Jedes Ensemblemitglied erarbeitet eine eigene Textauswahl und ein Umsetzungskonzept.
20. 05. 2003
22.27 Uhr
Eine Sammlung von möglichen - vielfach wunderbar überlangen - Projekttiteln/Inhaltsangaben aus dem wiedergelesenen Textmaterial von S. 186 - 480:
"Kurz, die Fallfragen, wer und was gebeugt werden darf, wer und was niemals den Fallfragen unterworfen werden darf, führten nicht nur zu erbitterten und hitzig geführten Debatten, sie führten zur Vermehrung jener historischen Wendungen, die rückblickend im Wort Schlacht aus der Welt der Gegenwart gekarrt wird, als ginge einen das nichts mehr an."
"Seltsame Einsichten wuchsen, sobald klärenden Rädern es geliefert wird, das uneinsichtige Material."
"Sonder Zahl waren die Lose des unbekannten Loses, wie sie die Kulturarbeit der Richtigstellung falscher Fälle zu vollenden und zur Darstellung zu drängen wußte"
"Auf der Lauer kann etwas nur dann liegen, wenn es deutlichst anwesend ist, wenngleich womöglich nicht rechtzeitig bemerkt."
"In verlorener Lage sind Ausfälle die besten Einfälle."
"Dümmer sein als Wasser, wer wagts."
"Gescholtene Subjekte, zuführbar der Zerknirschung"
"Sandbänke im Münzfluß: Nur wenn sie als Niederlassung taugen."
"mit den Fragen begann es, mit den Antworten hörte alles auf."
"weswegen die Helden ihr Mundwerk betätigt hatten; deswegen nämlich, weil."
"wo sich ducken, Deckung alles war."
"weil die Erlösung ein umständliches Luder geworden war: Tod, hochbeschäftigt, kam nicht überall rechtzeitig an."
"als könnten Gedanken nicht besser einkleiden, was Sehen nur verhinderte."
"und irgendwanneinmal Gesehenes bruchstückhaft übersetzbar geworden war, irgendwanneinmal wird es so, ähnlich!, gewesen sein, transformierbar war in die Welt der Worte, Sprache wurde, Baustelle, unvollendetes Immerwieder in Worten."
23. 05. 2003
17.11 Uhr
Der Fluß der Sprache der Marianne Fritz, die verschiedenen Flußschriften, sind ohne Anfang und ohne Ende, schreiben, auf welcher Ebene des Textes immer, einfach immer weiter. Das macht das Ausschneiden von Einzeltexten aus dem Roman zu einem illegalen Akt dem Gesamttext gegenüber. Dieser Akt muß aber trotzdem getan werden, will man ästhetische Phänomene mit diesem Material erzeugen, die über eine bloße Gesamtlesung hinausgehen.
29. 05. 2003
17.23 Uhr
Präsentation der vier Konzepte für das Sommerprojekt. Statt ein Konzept zugunsten der anderen vorzuziehen, wird beschlossen, alle vier Projekte nacheinander zu verwirklichen, beginnend mit demjenigen der Japanerin Yoshie Maruoka .
Titel: Im Weißen Adlerweißland .
Aufführungstermin: September 2003 .
Ein Stück in fünf Akten:
1 Nur eine Autorin (S. 98/99)
2 Fall vom Anfang und vom Ende (S.203-212)
3 Nur die Macht der Langeweile (S.177-185)
4 Die Kunst des Strafens und des Liebens
(S.435 / S.284-287)
5 Der Sinn ist im Unsinn (S.148-151)