06. 04. 2003
17.54 Uhr
Notizen, Texte und Bilder zu den sechs Tagen von Etwas ist dran - ein Lehrstück zum Vorurteil (31. März - 5. April 2003) werden, sobald sie gesammelt vorhanden sind, online gestellt.
29. 04. 2003
12.56 Uhr
Das wochenlange Sterben und der heutige Tod von Anna Mertin sen. verhindern die zeitgerechte Aufarbeitung der im Lehrstück gemachten Erfahrungen für www.fritzpunkt.at .
30. 04. 2003
18.00 Uhr
Auch zum Sterben zu lesen:
"muß ich nun den Blättern der Rüben meine Seele geben, muß ich nun die Blätter der Rüben sehen, beginnen die Blätter zu welken, werden mattgrün, gelb, grau, schau nicht hin, sie sterben schließlich ganz ab, es ist die Schwindsucht der Rüben, es ist die Rübenmüdigkeit in mir, ich muß die Blätter keineswegs sehen, in meiner Leber spüre ich, weder der Frost ists noch die Trockenheit, auch der Erdflohfraß ist zur Begründung herangezogen worden, vielleicht aber hat man bloß den Boden erschöpft, vielleicht war der Boden wie der Torso, zu rasch aufeinanderfolgendem Anbau keineswegs unbegrenzt unterworfen, die Gier nach Rüben kommt in der Rübenmüdigkeit zu ihrer Grenze, und in der Leber vom Torso zur Seele, dorten kommt die Rübe zu ihrem Wurzelbrand, ists nicht schwarzer Zwirn, sinds schwarze Beine, das Umfallen der Keimpflanzen braucht eine Stätte fürs Gemüt, alle Pflanzen-krankheiten müssen sich irgendwo ansiedeln dürfen, um sich auch zu spüren: Torsoleute sind womöglich die menschliche Erscheinungsweise der Rübe, die Ihren Wurzelbrand fühlen muß, damit sie ihn weiß, die ihre Müdigkeit spüren muß, im Torso erleben, was Rübendasein an Schmerzensvielfalt in sich aufhebt, sich von der Rübe ins Torsoleben verpflanzende Rübengeschichte, der Rübe geschieht es, der Torso erleidet es, wenn das nicht hintersinnige Paradies-geschichte für Rüben ist, dann ist es eines gewiß: Die schrecklich siegreiche Schlacht der Rüben, die in dunkler Vorzeit in den Friedens- verhandlungen die Friedensbedingungen diktieren konnten Ohnmüh, Ohnplag, denn so vollkommen besiegten die Rüben den Torso, daß dieser alles auf sich nehmen mußte, was der Rübe ihr Rübendasein qualvoll gestalten könnte, nichts darf die Rübe von den Verletzungen wissen, nichts darf die Rübe von ihrem Zerschnitten- werden wissen, nichts darf die Rübe von ihrem Verzehrtwerden wissen, so weise, so zum Herzen gehend gütig ist der Anfang der Rüben vorhersehend gewesen, was den Rüben gut getan haben wird, ihre Verwertungsgeschichte möge der Torso in sich als Torsotrost aufheben: Dafür bist du keine Rübe. Grausamer Anfang der Rüben! Alles, gar alles hast du dem Torso aufgeladen, was die Rübe nicht bedrücken soll! Wie konnten die Torsoleute die Schlacht gegen den Anfang der Rüben dermaßen torsofeindlich ausgehen lassen? Hatten die Torsoleute einen Blinden zum Anfang gewählt? Oder fehlte ihnen der Anfang, der es wagte, diesen unannehmbaren Frieden zu verwerfen? Muß ich nun büßen, daß ich keine Rübe, sondern der zur Rübe gehörende Torso geworden bin, wie lange kann ein Torso annehmen, er sei der Rübe voraus, denn im Gegensatz zur Rübe wisse der Torso, was das Umfallen der Keimpflanzen im Torso auszulösen vermag: die Keimpflanze fällt um, und im Torso fällt alles lautlos mit um, denn die Nerven und der Schmerz der Rüben haben ihre Stätte in der menschlichen Erscheinungsweise, die nicht Rübe sein kann, geschweige etwas, was weder Rübe ist noch Torso,
Naturgemäß I, S.94-95