01. 03. 2007

 

15.59 Uhr 

 


Statt in der Postgasse:
Exkursionen in Räume, in denen (von unserer Seite)
fast nichts getan wird. Eine Exkursionsreihe zur Zuschaukunst . Von übervollen, offensichtlich repräsentierenden Räumen hin zu leeren, ihrer ursprünglichen Bestimmung beraubten, aber dennoch immer noch repräsentierenden Räumen.

 

02. 03. 2007

 

22.43 Uhr 

 

Nachdem die Versuchsreihe der Ernstfälle die Teilnehmenden als Inszenatorinnen und Inszenatoren angesprochen hat (die Agentur Fritzpunkt stellte Text und Personal zur Umsetzung unentgeltlich zu Verfügung, die Teilnehmenden Ort, Anlaß und fallweise Anweisungen) macht das als Raumexkursion angelegte Publikumstraining die Teilnehmenden zum Personal (die Agentur Fritzpunkt stellt Anlaß und Ort zur Verfügung, jedenfalls aber keine Anweisungen).

Das Ding braucht aber einen Namen, Zuschaukunst, Publikumstraining sind mindestens scheußlich...

Nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle noch eine (alte) Definition erlaubt: Lehrstück = "kollektive Kunstausübung, bei der Produzenten - und Zuschaukunst zusammenfallen." (Brechts Modell der Lehrstücke, 1976, Hrsg. Reiner Steinweg)

Und zum drüberstreuen, ein kurzes Zitat von Brecht selbst, aus den Notizbüchern:

"Was den Stoff betrifft, so habe ich genug, um die vierzig zulässigen und nötigen Stücke zu schreiben, die den Spielplan eines Theaters für eine Generation bestreiten (aber ich glaube immer noch, daß man die Form ohne das Theater nicht festlegen sollte). Als heroische Landschaft habe ich die Stadt, als Gesichtspunkt die Relativität, als Situation den Einzug der Menschheit in die großen Städte zu Beginn des dritten Jahrtausends, als Inhalt die Appetite (zu groß oder zu klein), als Training des Publikums die sozialen Riesenkämpfe."
Letztere scheinen heutzutage zumindest im reichen Mitteleuropa ins Individuelle wegsediert...

 

 

23.16 Uhr 

 

Na also:
Nach dem Manöver , der Übung für den Ernstfall , und den Ernstfällen selbst folgen jetzt: die Ausfälle . Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen fällt aus. Wird ausfällig. Was auch immer Sie jetzt gerade darunter verstehen.

 

03. 03. 2007

 

18.02 Uhr 

 

Im Begriff des Ausfalls trifft sich sowohl die Haltung des Aufgebens, der Niederlage, als auch die des Widerstandleistens, den Ausfall wagen, ohne Chance auf Entsatz, ins Unverlässliche. Der atomare Ausfall, die Ausflockung: ein Niederschlag. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, ist es ausgefallen. Der Ausfallschritt. Der Wortangriff als grober Ausfall. Ausfällig etwas beschreiben, was ausfällt. Es geht um Ausfallwahrscheinlichkeit und Ausfallsicherheit. Ganz banal um Haarausfall, und oft um den Server-Ausfall. Verdienstausfall ist doch eher der Verdienstentgang. Hat aber nur am Rande zu tun mit der Ausfallhaftung. Ein erfolgreicher Ausfall aus der gehaltenen Festung stellt die Verbindung zum Hinterland wieder her, aber erst nach einem Gang durchs Ungewisse. Und ob sich das vorher Bekannte in der Zwischenzeit, während der Belagerung der Festung, nicht verändert hat? Und wenn zuguterletzt die Vorstellung ausfällt? Die im Kopf... Das ist übel ausgefallen.

 

07. 03. 2007

 

14.02 Uhr 

 

Die Ausfälle des Büros für theatralische Sofortmaßnahmen sind keine Aufführungen,
sie thematisieren den Gegensatz zwischen
Vorspiel und Erzählung . Das Lesen des jeweils besuchten Raums, das Lesen der Erzählung,
verstanden als Gesamtheit der vor Ort statffindenden
Äußerungen, Sichtungen, Geschehnisse, produziert den Sinn des jeweiligen Ausfalls: Im besten Fall fällt was ab beim Ausfall.

 

10. 03. 2007

 

19.09 Uhr 

 

Ausfallräume sind enge Aktionsräume.
Wenn es aber für einmal beim Ausfall nicht um den Durchbruch (da ist es wieder, dieses Schlag-Wort) ginge? Sondern darum, die Gesetzlichkeit des engen (theatralen) Aktionsraums für ein Schau-Spiel jenseits des Vor-Spiels zu nutzen? Für eine Übung im Übrigbleiben?

 

14. 03. 2007

 

15.52 Uhr 

 


Ein erster Selbstversuch in Feldpost
als zentraler Kategorie für einen
Partizipationsmodus in den Ausfällen .

 

25. 03. 2007

 

15.40 Uhr 

 

Aus der Einladung für den Ausfall 1 verschwundene
Textfetzen:
"geht es um enge Aktionsräume und anweisungsarme Zurschaustellung. Und darum, daß das An- und Zuschauen beobachtet werden kann. Wer oder was schaut also wie zurück?"
"Und merken Sie sich: Alles ist gesetzt, gewollt. Nichts geschieht zufällig."
"Zu hoffen ist allemal: Es fällt was ab bei diesem Ausfall."

 

29. 03. 2007

 

16.50 Uhr 

 


Halbe Welt(en)...

 

31. 03. 2007

 

22.37 Uhr 

 


Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
Ausfall 1

31. März 2007, 12 Uhr

Das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen
bittet zum

Ausfall 1:
Die ganze Welt ist Globus


Nach einer langdauernden Supervisionsbehandlung und eingehender Evaluierung seiner bis dato angewandten theatralen Mittel fällt das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen jetzt aus. Nicht so, wie Sie das jetzt vielleicht fürchten. Oder vielleicht doch. Jedenfalls hat das Büro für theatralische Sofortmaßnahmen erkannt, daß der Fritzpunkt auch nur eine Rolle ist und besetzt diese Rolle für die erste Exkursion zur Zuschaukunst mit dem Performer Martin Haas.

Da Ausfälle im Gegensatz zu den vom Büro für theatralische Sofortmaßnahmen vor kurzem durchgeführten Ernstfällen keine Aufführungen sind, findet der erste Ausfall am einzigen Ort statt, der in Wien noch Überblick bietet und wo es explizit um eine Darstellungsart von Welt geht: Besuchen Sie mit uns das Globenmuseum in der Herrengasse 9. Naturgemäß übernehmen wir dafür keine Ausfallhaftung, aber wir bezahlen Ihnen den Eintritt.

Treffpunkt:
Im Innenhof Herrengasse 9, 1010 Wien


Im folgenden einige, möglicherweise während des
Ausfall 1 gefallene Worte (Fast ein Dramolett):

Im Globenmuseum. Ein Besucher scheint sich nicht auf das dort Gezeigte konzentrieren zu können. Oder die Vielzahl der Globen regt ihn an oder eher auf, denn er bekommt fallweise kleine Ausbrüche, Ausfälle, die er mit unterdrückter Stimme fetzenweise von sich gibt:

"Der Fritzpunkt kapierts nicht! Trotz monatelangen Redens, Evaluierens... Schon der Ausgangspunkt seiner Arbeit ist eine ungeheure Anmaßung: statt daß er ein normales Theaterstück nimmt, da gibt es ja soviel, seis eins aus der Antike, Aischylos, Sophokles, oder Shakespeare, Molière, Grillparzer, Brecht, Heiner Müller, Albert Ostermaier, was tut er stattdessen? Er stürzt sich auf ein 9000 Seiten umfassendes Riesenwerk, das auch noch den Namen Festungsprojekt trägt! Eine moderne Privat-Mythologie, eine Dekontruktion des Habsburger-Mythos, als ob wir das noch nötig hätten...."

"Offensichtlich liebt er es, in dieser geschlossenen Welt, in diesem abweisenden Fritz-Weltall verloren zu sein, sich als Staubkorn in der Literatur zu fühlen, quasi ein Buchstabe unter Milliarden von Buchstaben... Was bleibt ihm anderes übrig, als Einzelteile aus diesem Riesenwerk herauszureissen und sie als "Aufführungen" zu betreiben. Die Darstellbarkeit des Ganzen ist ja unmöglich!...
Aber das ist es wahrscheinlich, woran er sich so delektiert. Selbstzerfleischend... Und dann behauptet er ganz einfach, durch die Kontinuität seines Arbeitens, nun schon FÜNF Jahre, sei das Ganze doch darstellbar. Nicht als Summe aller Arbeiten, oh nein, sondern in der gegenseitigen Potenzierung der verschiedenen angewandten Theaterformate!... Verschwendungsmetaphorik..."

"Zuerst zieht er sich zwei Jahre in ein Ladenlokal zurück, hält es vier Tage die Woche offen, diskutiert und liest diesen Roman "Naturgemäß" (schon der Titel....) und nennt das "öffentliche Aneignung". Dieser subkutane Appell an ein Kollektiv, das haben wir doch spätestens seit 1989 ad acta gelegt..."

"Das Ganze ist ein einziges riesiges Entschuldungssystem, jeder Fehler, jede Enttäuschung kann mit dem Verweis auf die Sinnhaftigkeit des Ganzen annulliert werden! Der Fritzpunkt setzt sich dem Verlorensein nicht aus! Ein autohypnotisches Projekt (das ist nicht von mir, das ist von Sloterdijk), eine Raumfahrtideologie!!..."

"Taucht irgendeine Frage auf, greift der Fritzpunkt zur Marianne Fritz-Bibel, zitiert eine Stelle aus den Texten, zB. "Im Grunde ist die Unterwerfung eine zurecht Befreiung genannte Tatsache" oder "Aber die Schuldfrage lassen wir heut beiseite, ja?" und huldigt der Paradoxie! Als Allheilmittel gegen die Zersplitterung der Welt. Als wäre die Paradoxie ein Globus, ein geschlossenes System!"

"Greift man ihn bei seinem Dasein als theatralisches Randphänomen an, gibt ihm den gut gemeinten Ratschlag, einen Massenevent zu gestalten, um die Autorin und sich selbst ein wenig bekannter zu machen, was macht er? Er zersplittert die Menge im sog. Fritz-Manöver in lesende Einzelindividuuen, da wo es um Masse ginge. Er macht immer garantiert das, was den kommerziellen Erfolg verjagt. Ich habe lange mit ihm gesprochen, die einzelnen Projekte analysiert, ... , er läßt sich einfach nicht helfen!"

"Und der Gipfel ist: er verlangt nie Eintritt! Manchmal zahlt er sogar! Er zahlt, damit man sich nicht wehren kann. Er schlägt mit Geld zurück. Obwohl er keins hat!"

"Der Fritzpunkt ruht sich auf dem Mythos der großen, unbekannten, sich verweigernden Autorin aus, nimmt keine Einladung an, Kooperation ist ihm ein Gräuel. Statt daß er anständig netzwerkt, sich im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet, Lobbying betreibt, besteht er darauf, seine Arbeitsmethoden zu verfeinern...."

"Das Projekt einer Gesamtlesung aller Marianne Fritz-Texte nimmt er einfach nicht an. Dabei ist die Rechnung ganz einfach: Etwa 9000 Seiten, jede Seite etwa 5 Minuten Lesezeit, macht 45000 Minuten, durch 60 ist gleich 750 Stunden, durch 24 ist gleich 31 Tage: Der Fritz-Monat! Was für eine Resonanz so ein Projekt hätte! Was für ... ! Aber nein....."

Aber doch, vielleicht nimmt der Fritzpunkt die letzte Anregung ja doch auf. 2008? Als Abschluß des gesamten Fritzpunkt-Projekts?

 

 

23.05 Uhr 

 


Eine dem Büro für theatralische Sofortmaßnahmen überlassene Serviette.