02. 03. 2004
18.05 Uhr
Angesichts der Versuchsreihe Fritz anwenden , ab 11. März 2004 im Kunst- und Wissenstransfer der Universität für angewandte Kunst:
Der Fritzpunkt arbeitet zum erstenmal in einem institutionellen Rahmen. Wie verändert dieser Kontext die Arbeitsweise? Was macht diese Arbeit für den neuen Kontext wichtig? Wird der Fritzpunkt zur Agentur Fritz (im Wortsinn von "sammeln, vertreten, vermitteln")? Steigt der Erklärungs-, Erläuterungs- bestandteil des einzelnen Versuchs in Richtung Lecture Performance ? Mögliche Andockstelle mit der Universität: Welche Modelle von Wahrnehmung können auf der Matrix der Naturgemäß-Texte in einem praktischen Seminar herausgearbeitet werden (vgl. 30.03.04)? = Fritz, angewandt.
05. 03. 2004
09.27 Uhr
Fritzpunkt im Fluß.
Fritzpunkt übersetzt und setzt über.
Parallel zum Wiederauftauchen der Schiffsreise zum Schwarzen Meer (vgl. 17.03.03), jetzt geplant für das Frühjahr 2005 in Kooperation mit dem Kunst- und Wissenstransfer von Prof. Christian Reder, die Frage, ob das Motiv der (Fluß)Reise (Ritual der "ausgeschnittenen Zeit"/ grenzüberschreitend (sprachlich/kulturell/religiös)/ Leute zusammenpferchend) den 7 Versuchen von Fritz anwenden von März bis Juni 2004 im Kunst- und Wissenstransfer zugrundegelegt werden soll.
Wien - Odessa: eine Reise in die falsche Richtung, wenn die Richtung der nach Europa geschleppten Flüchtlinge als Maßstab dient. Gerade darum ist sie wichtig.
06. 03. 2004
11.20 Uhr
Eine mögliche Reiseroute für eine naturgemäße Reise von Vorurteil zu Vorurteil:
Vorurteil
Kriegserklärung
Krieg
Verfolgung
Prozeß/Urteil
Bestrafung
Vorurteil
11. 03. 2004
22.54 Uhr
Fritz anwenden (Versuch 1)
Thema: Ein Vorurteil (als Falle)
Texte: Naturgemäß I, S.8/ 75+76/ 78-83/871+872
Im Gang zum Seminarraum die Schleuse der Unterstellung: Unterstellung von Interessensgebieten, Verhaltensweisen. Jede Antwort der Besucherin, des Besuchers wird derart offensiv bejaht, auch wenn der ersten Unterstellung widersprochen wurde, daß daraus wieder eine Unterstellung wird, die Vorurteile wecken soll. Nachdem das ganze Publikum die Schleuse passiert hat, verfolgt jeder der drei Fritzpunkte im direkten Gespräch mit einer Publikumsgruppe eine eigene Strategie der Provokation von Vorurteilen, unterbrochen von Texteinsprengseln. Der Haupttextstrang vom grundlosen und grundvollen Dasein mischt sich mit Fragen aus dem Publikum (erstaunlich, wie ununterscheidbar von freier Sprache die Fritz-Sprache mit der angelegten Sprechhaltung wird). Abschluß mit einer Lesung von zwei Seiten über den Verstandesverlust. Dauer des Versuchs: etwa 60 Minuten. Publikum: 11 Personen. Den nächsten Versuch auch mit Handlungen jenseits des Sprechens versehen.
12. 03. 2004
12.56 Uhr
Projekt eines Namensregister für Naturgemäß I. Ein subjektives Register, daß uns jede Stelle aus dem Text wie aus einem Kartenspiel ziehen läßt.
14. 03. 2004
18.34 Uhr
Titel für Fritzpunkt Vor Ort 2 :
Das Tribunal - Alles was der Fall ist.
Zeit: Herbst 2004
15. 03. 2004
10.46 Uhr
Zum Theater als (getarntes) Lehrstück:
Die Verweigerung des Inhalts verrät das "mitmachende Publikum". Wo die Methode zum Thema wird, ist der Mensch, der das nicht erkennt und weiterhin den Inhalt sucht, verloren. Je deutlicher der Verrat wird, desto eher wächst die Möglichkeit der Widerrede, mit der das Theater improvisatorisch umgehen muß und will. Über den Verrat wird so die Lust am teilnehmenden Erkennen geweckt.
Die Texte der Marianne Fritz, der 1. Sachverständigen für Repressionsszenarien, verstanden als Handlungsanweisungen, als ideale Folie für den Verrat auf dem Theater, der das Theater zum Fall macht.
16. 03. 2004
15.55 Uhr
Unangekündigter Versuch Fritz anwenden an der Universität für Musik und Darstellende Kunst mit 13 Studenten und 1 Professor:
Texte: wie am 11.03.04
Anstelle eines zweistündigen Seminars zur zeitgenössischen Kunst mit Videobeispielen werden die Studentinnen und Studenten mit drei Fritzpunkten konfrontiert, die ohne weitere Erklärung Fritz anwenden und zB. den Seminarraum mit seiner Größe von 16 auf 10 Metern als ideal für die Schaffung einer "Totalen Installation" im Sinne von Ilya Kabakov debattieren und ansatzweise umgestalten. Auffallend bei diesem Versuch die immer wieder auftauchende Frage nach der Legitimation unseres Tuns im Sinne von "Ja, dürfens denn des?" und "Legitimieren Sie sich Ihnen!". Folgerichtig wird dem Anlegen einer Namensliste der Studentinnen und Studenten während des Versuchs brav entsprochen.
Naturgemäß auch (aber dennoch immer wieder erstaunlich) die Haltung in der dem Versuch folgenden Befragung durch die Studentinnen und Studenten, daß Kultur und Kunst eigentlich erst dann stattfindet und goutiert wird, wenn eine entsprechende Vorankündigung und Legitimierung durch Rituale des gegenwärtigen Kulturbetriebs geschieht.
25. 03. 2004
19.00 Uhr
Fritz anwenden (Versuch 2)
Thema: Noch immer ein Vorurteil
Texte: Naturgemäß I, S.8/ 78-81
"Trauen Sie keinem Wort" als Ansage, wo und wie hoch die Latte liegt, über die gesprungen werden soll. Mit dabei als Requisit, der den Körper im Raum thematisieren hilft: der vielberühmte Jobezer, eine Bibliotheksleiter. Eine klare Handlungs- und Raumdramaturgie: 1. Die drei Fritzpunkte studieren schweigend das Körperverhalten je eines anderen Fritzpunkts. 2. Individuelles Gespräch mit dem auf Gruppen aufgeteilten Publikum mit eingeworfenen Textstücken 3. Musikstück mit Arie = Gelesener Text mit drei zum Teil paralellen Stimmzügen 4. Dreifache Reflexion des Versuchs auf der Bibliotheksleiter, hintereinander, jeder Fritzpunkt ahmt dabei die zu Beginn dieses Versuchs studierte Körperlichkeit nach. Für das Gelingen dieses Versuchs war die konzentrierte 1. Phase maßgeblich.
26. 03. 2004
17.34 Uhr
Vorbereitungen für 040404, 4pm