02. 02. 2006

 

20.59 Uhr 

 

Redete allerlei Zeug daher, lächelte, zupfte sich am rechten Ohr, Aufmerksamkeit und Hinneigung zu dem und Nurfort von jenem und gleichzeitig im Kopfe sich die Erleichterung gestattete dies und jenes in die Gegenwart hineintransportieren und wiederherstellen das Stimmungspanorama von diesem und jenem lang vergangenen Ereignis, das irgendwie korrelierte, so sagte er, korrelierte, auch relativieren und anderes mehr konnte den jeweiligen momentan gegebenen Jetzt-Zustand, den er auch nannte, Jetzt-Zeit-Punkt. Natürlich war er sich selbst schon lange gekommen auf die Schliche und die Methoden nicht leugnete, mit denen sich dies und jenes (momentan Gegebenes) einbetten ließ in Vorstellungswelten, die ihm echt weiterhalfen und sei es nur die Vorstellung, daß er in letzter Instanz der stets über die Friedhofsmauern: des Nurgeschichtlichen, Hinausschauende gewesen; hiefür gab es dann sehr viele Beweise, hatte dies und jenes im Kopfe, auch dies war vorübergegangen und er hatte gemeint, es verging nie, eingetreten die befugte Sache (mit der befugten Sache umschrieb er Umstände, Situationen, die begabt, berechtigt und Kompetenzen genug in sich vereinigt, um ihm gründlich den Tag so auch die Nacht zu rauben. Am Tag fühlte er sich dann verloren und aber in tröstlicher Fortsetzung sich nicht denken ließ angenehme Nachtruhe, es begann dieses Wachliegen und der Eindruck, es endet mit der Selbstauflösung, wie Brausepulver kam er sich dann vor, das löste sich auch auf in Wasser, nicht wahr?) Wenn angekündigt war dessen Näherkommen, dauerte es, immer etwas. Hatte genug Zeit, sich darauf vorzubereiten, einzustellen und nicht überrascht zu sein. Was ihn am meisten freute, es war, daß selbst Jetzt-Zustände und Jetzt-Zeit-Punkte relativ gesehen doch auch mehr oder weniger fließende Angelegenheiten waren.
Marianne Fritz Dessen Sprache du nicht verstehst, 1985

 

07. 02. 2006

 

11.04 Uhr 

 

Seele, hast du kein Wort, mit dem du: dich entlasten kannst und wäre es selbst nur: die Kaulquappe von Wort, die Algenwatte, das Exkrement und der Mensch wie gelähmt, der Krüppel von Wort, Wehmut. Sehnsucht, ein Wort so dürr wie die Latte des Zaunes und an ihr sich festgesetzt an der Latte des Zaunes die Spuren des Verfalls, denn niemand kümmerte sich um diesen Zaun?! Wahrscheinlich hatten sie schon verwendet bei der Errichtung des Zaunes: jenes Holz, das nicht unterworfen anderen Kriterien als jenen, Wir brauchen Holz, Holz, Holz und also der Sommerschlag gegen den Stamm; nicht der Winterschlag.
Marianne Fritz Dessen Sprache du nicht verstehst, 1985

 

17. 02. 2006

 

21.15 Uhr 

 


Ertappte sich wieder hiebei, diesem und jenem, Zusatzbedeutungen zuzumuten, denn er war wie eine Schwalbe und aber mit gestutzten Flügeln, die sich ständig zuredete, auch dies sei eine Lebensweise, der sich abringen ließ diese und jene ja voll der wunderschönen Seiten war das Leben mit gestutzten Flügeln, man brauchte diese Seiten nur suchen, wenn die Schwalbe suchte, lang genug, dann fand sie noch, tief Dankbarkeit, daß, wenn schon: gestutzt, die Flügel, hiemit sich Lebenserfahrungen sammeln ließen, die ohne gestutzte Flügel anders ausfielen, nur anders, nicht angenehmer, kurzum die Schwalbe war in die Situation geraten, alles einmal mehr zu betrachten von der philosophischen Seite, die irgendwie sich allem abringen ließ, gerade dann, wenn Empfehlung einiges wurde rundum, sich nicht hinzugeben einigen Tendenzen, die endeten hiemit, die Schwalbe legte sich, lag auf dem Rücken, hinaufstarrend zum Himmel, sagte, da oben flog ich einst, das ist nicht gelogen, hierauf es vorzog, Augenzu, Augenauf, immer wieder und schauen, war sie nicht tot, trieb sie sich da oben in den Lüften wieder herum? Nein; sofort wieder Augen zu oder lange genug geschaut, hatte man sich das Leben fortgeschaut, flog es aus den Augen heraus: Himmelzu, unten auf der Erde blieb nur ihr Leib mit gestutzten Flügeln.
Hätte ihn jemand gesehen, er hätte festgestellt: der Vogelfreie spöttisch wirkte, Unmutsfalten zwischen den Augenbrauen, das spöttische Lächeln, eine Portion Selbstverhöhnung trieb ihn weiter, nichts er weniger leiden konnte als --- es wäre auch sein Untergang; vor allem den konnte er nicht leiden und deswegen nicht diese Hingabe an einen undefinierbaren Schmerz, der schon körperlich fühlbar wurde, in der Weise, daß er wähnte, Spannungen innerhalb des Leibes wurden so bewältigt, daß etwas in Fetzen: flog, geworden war, ein explodierender und nicht mehr zusammensetzbarer Leib.
Marianne Fritz Dessen Sprache du nicht verstehst, 1985

 

21. 02. 2006

 

21.06 Uhr 

 

Schaut her, Leute,
wie schutzlos der Mensch doch ist, eine einzige verwundbare Fläche, angewiesen auf Güte, angewiesen auf Sachkenntnis, angewiesen auf sein Kennen, das Wissen von ihm und angewiesen auf so viel,
dies wäre eine Stärke, die ich mir gefallen ließ, eine Größe, die ich akzeptieren könnte, es gestehen wie sehr wir Lebewesen sind, die angewiesen sind auf eine höhere als eine tierische Vernunft; wir sind angewiesen auf Intelligenz, wir sind: angewiesen auf Menschlichkeit, nicht weil sie großartig ist; sondern Voraussetzung für dies, was ich heiße Garantie vorerst einmal schaffen, fürs Weiterbestehen: der Möglichkeit überhaupt erst einmal zu werden dem Traum Mensch ähnlicher; jaja; ich sagja nix. Nur eines merke dir von mir, alles andere kannst du vergessen ---
Marianne Fritz Dessen Sprache du nicht verstehst, 1985