01. 02. 2003
23.15 Uhr
Verdammt zum Vorurteil.
Wie funktionieren Vorurteile?
Welche werden benutzt?
Jeder will sein Vorurteil durchsetzen, es zum Urteil verklären, ohne Erfahrungen zu machen.
Nicht wissen, wie Erfahrungen zu machen sind. Indem die eigenen Vorurteile bestätigt werden, glaubt man Erfahrung zu machen.
Lehrstück wäre:
Jeder hat recht.
Alles, was gesagt wird, ist richtig.
Ist unwidersprechbar. Unangreifbar.
02. 02. 2003
11.27 Uhr
Erweiterung des Lehrstücks:
Das Lehrstück wird während der 6 Tage auch auf die Zeit nach der täglichen Arbeit im Fritzpunkt ausgedehnt. Im Beisl sind die 4 Wiener/innen kostümiert, dh. dort spielen sie Theater in seiner ursprünglichsten Form, verkörpern vier Personen, die alle in irgendeiner Form mit der Vorgeschichte des Fritzpunkts als Milchgeschäft zu tun haben. A spielt die ehemalige Milchgeschäftsbesitzerin, die auf Kunst umgesattelt hat, weil das besser bezahlt wird, F den ehemaligen Eierlieferanten, der von A dafür bezahlt wird, anwesend zu sein, weil M, die die Marianne Fritz-Texte aus Japan mitgebracht hat, sich in F verliebt hat und A ihr Gutes tun möchte, S hat als Laborantin das Milchgeschäft in ihren Arbeitspausen aufgesucht und ist aus Interesse an den Texten mit von der Partie.
Die offensichtliche Diskrepanz zwischen echter Biografie der Schauspieler/innen, Verhalten während des Lehrstücks im Fritzpunkt und gespielter Szene im Beisl dreht an der Schraube der sogenannten Wirklichkeit, verdreht Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit.
03. 02. 2003
19.01 Uhr
Christel Weiler als vermittelnde Instanz/ Protokollantin, Johannes Mergner als Protagonist und Musiker; die Theaterwissenschaftler/ innen als Gegenchor zum Chor des Stadt Theater Wien (= drei teilnehmende Gruppen). Körperbehindernde Kostüme für die Theaterwissenschaftler/innen.
Am 1. Tag als Einführung zum Lehrstück eine Führung des Historikers Karl Bruckschwaiger durch das Freud-Museum in der Berggasse um die Ecke.
Am 6. Tag als Abschluss ein Besuch im Pathologisch-Anatomischen Bundesmuseum im Narrenturm um die Ecke.
05. 02. 2003
14.14 Uhr
Drei erhöht angebrachte Sessel, im Fritzpunkt in drei Raumecken angebracht, für "nichtteilnehmende Beobachter", denen der Zutritt zum Fritzpunkt jeweils nur nachmittags erlaubt wird.
06. 02. 2003
08.43 Uhr
Die Struktur des Lehrstücks sollte von Tag zu Tag komplexer werden, heisst: die komplexeste Form wird am 6. Tag des Lehrstücks erreicht. Ob wir bis dorthin kommen, ist unser Lehrstück.
11. 02. 2003
17.55 Uhr
Der Raum für das Lehrstück Etwas ist dran :
Der Fritzpunkt wird zum Lager für das Bühnenbild des künftigen grossen Sommerprojektes umgestaltet. Der gegenwärtige Raum als Depot der Zukunft zur Verhandlung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die räumliche Enge des Fritzpunkts wird noch weiter zugespitzt und bestimmt so die körperlichen Verhaltensweisen mit.
Frage: Sollen Teile unserer "echten" Zukunft eingelagert werden, muss also die Raumkonzeption des Sommerprojektes jetzt eingehend diskutiert werden oder ist es spannender, eine "falsche" Zukunft in Form von zufällig gefundenen Acessoires einzulagern und mit ihr umzugehen?
18. 02. 2003
13.29 Uhr
Der Gedanke der Einführung in das Lehrstück durch eine Führung im Freud-Museum und dessen Abschluss mit einer Führung im Pathologisch-Anatomischen Bundesmuseum im Narrenturm erweitert sich:
Alle sechs Vormittage werden geführten Museumsbesuchen gewidmet, ein Aufsuchen von Inszenierungsarten von Vergangenheit(en), die in Bezug zu den Thematiken von Naturgemäß I stehen. Vor der theatralischen Lehrstückarbeit des Nachmittags steht der obligatorische Besuch des Cafe Ingrid im Haus des Fritzpunkts zwecks Mittagessen und Eintauchen in ein echtes Wiener Biotop auf dem Programm.
Die Museen sind:
1. Tag Sigmund Freud-Museum Berggasse
2. Tag Hutmuseum Piaristengasse
3. Tag Heeresgeschichtliches Museum Arsenal
4. Tag Bundestheaterwerkstätten Arsenal
5. Tag Naturhistorisches Museum Hofburg
6. Tag Pathologisch-Anatomischen Bundesmuseum Narrenturm
19. 02. 2003
10.19 Uhr
In der strengen Kammer im Fritzpunkt soll ein Clavichord stehen, das während der Lehrstückarbeit jederzeit benutzt werden kann.
21. 02. 2003
21.43 Uhr
Besuch von F`s Bruder C klärt mit einem Schlag die Frage der Gestaltung des Innenraums im Fritzpunkt:
Im Sinne des Projekts Fritzpunkt schwimmt - von Wien zum Schwarzen Meer (siehe Eintrag vom 2. August 2002 auf dieser Homepage) wird der Fritzpunkt als Reisebüro (= Agentur der Zukunft) eingerichtet, das die Fahrt des schwimmenden Fritzpunkts zum Schwarzen Meer bewirbt. Ein überdimensionales Pappmodell des ukrainischen Passagierschiffs MS Dunay soll als Bühne auf der Bühne dienen, aus dem heraus Kommentare, Statements und andere Ausfälligkeiten verlautbart werden können. Die positive Erfüllung der Zukunft kann gebucht, angezahlt und gekauft werden.
Ob diese Reise de facto je angetreten werden soll, soll für die Theaterwissenschaftler/innen unklar bleiben. In der Folge werden Reisekataloge bestellt, Plakate von Reisedestinationen entlang der Donau gesucht, ein aufgelassenes Reisebüro in der Porzellangasse teilweise geplündert und die entsprechenden Einrichtungsgegenstände (Prospektständer / Theke / Sessel) besorgt. Besondere Stücke sind die zwei Plakate aus der Porzellangasse, auf dem einen das (bereits vergangene) WTC als Lufthansa-Werbung, auf dem anderen die (noch vorhandene) Kaaba in Mekka als Werbung für die SaudiArabianAirlines.