01. 01. 2004
09.52 Uhr
Notizen zu Fritzpunkt Vor Ort 2 :
Aus der zahmen Form der Boshaftigkeit im Adlerweißland gehört ein Tribunal über die Fritz-Sprache und/oder das Fritzpunkt-Projekt entwickelt.
teatrum anatomicum. Eine Leiche wird zerfleddert, das Publikum dabei mit Scheinfreiheiten einbezogen. Das Verhandeln der Arbeits-/Prozessbedingungen wird zum Akt an sich.
Die Gerichtsverhandlung als prekäres Abkürzungs- verfahren eines eigentlich unabschließbaren Verfahrens.
Verfahren ohne Ende = Chor.
Zustand ohne Zahlengrenze = Chor.
Die Gerichtsverhandlung als Ermächtigungsinstrument des Angeklagten definieren?
15. 01. 2004
23.32 Uhr
Fritz aufheben (Versuch 8)
Im Setting einer Gerichtsverhandlung (Richterin/ Verteidigerin/Ankläger) freie Rede mit dem Publikum auf der "Ersatzbank" über 16 gestohlene Mascara-
Stifte und 2 Spielzeugpistolen als Äquivalent für 8 Monate bedingter Haft (so erlebt am selben Tag
in der Früh im Grauen Haus, dem "Haus der Gerechtigkeit" ( Naturgemäß I, S.11 )). Dazwischen werden ausgewählte Texte ( Die Wurfmaschine, S.62/63 ) eingelesen.
Es kommt noch innerhalb des Ablaufs zur Diskussion über die gewählte Form, ohne daß damit die Form gesprengt wird. Der gesamte Versuch, der auf der Wiedererkennbarkeit der Grundsituation basiert (im Gegensatz zur Nicht-Wiedererkennbarkeit der Fritz-Sprache), findet nur in einem Raum des Fritzpunkts statt.
19. 01. 2004
15.23 Uhr
Einladung der Literaturwissenschaftlerin Dr. Christiane Zintzen, in der ORF-Sendereihe "Literatur als Radiokunst" einen etwa 20-minütigen Beitrag mit Marianne Fritz-Texten zu gestalten. Vier Beiträge sind in der Sendereihe für 2004 vorgesehen: Oswald Egger, Elfriede Jelinek, Marianne Fritz und Michael Lentz. Zweieinhalb Tage im Hörspiel- und Digitalstudio 4 des ORF-Funkhauses stehen für die Produktion des Beitrages zur Verfügung.
23. 01. 2004
23.27 Uhr
Fritz aufheben (Versuch 9)
Das äußere Setting der Gerichtsverhandlung wird fallengelassen, übrig bleiben nur die Haltungen (Richterin/Verteidigerin/Ankläger), die der freien Rede der Fritzpunkte zugrundegelegt werden. Die Themen kommen aus den ausgewählten Fritz-Texten (immer noch S. 62/63), zB. "in einem zu ihr entgegenschlägt die Gier, alles für sich zu behalten" und werden vor dem Versuch nicht miteinander abgesprochen. Resultat ist eine verdichtete freie Rede, die mit den wiederum eingelesenen Fritz-Texten eine enge Verbindung eingeht.
27. 01. 2004
14.38 Uhr
29. 01. 2004
19.09 Uhr
Die wichtige Unterscheidung zwischen öffentlicher Probe mit Publikum und einem sich gemeinsam mit dem Publikum Verständigen über und im Material der Fritz-Texte.
30. 01. 2004
09.42 Uhr
Den Texten der Marianne Fritz eine Bedeutung
jenseits der Benutzung im literarischen und theatralischen Sektor zumessen, als Werkzeug für komplexe Wahrnehmung und Röntgenapparat für die je eigene Methode, zu verstehen. Wie entwickle ich Verständnis, wie funktioniert Verstehen, auf welche grammatischen/semantischen Selbstverständlichkeiten verlasse ich mich, ohne sie zu hinterfragen? Die Fritz`sche Sprache als Wahrnehmungsuntersuchungsinstrument. Die Romane Naturgemäß I und II untersuchen sich selbst, während sie fortgeschrieben, fortgelesen, fortagiert werden.